"Selecta" wird immer öfter gewählt

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Selecta-Vorstand Matthias Menzel beim Probekochen in der Spielküche, die mit den Inntal-Werkstätten gefertigt wird und für 2010 schon ausverkauft ist.

Edling - Seit 20 Jahren ist Selecta in Edling. Jetzt wird der Platz für den Hersteller von Holzspielzeug endgültig zu klein: Bis zum Sommer 2011 soll eine neue Produktionshalle entstehen.

Geschäftsführer Matthias Menzel (42) hat Stress, immer wieder läutet das Telefon: Die Stiftung Warentest hat zwei Spielzeuge von Selecta kritisch bewertet - absolut zu Unrecht, ist Menzel überzeugt. Die Warentest-Ergebnisse stünden in völligem Widerspruch zu den eigenen Testungen, mit denen es Selecta sehr genau nehme. "Wir berücksichtigen wirklich alle Vorschriften und Normen penibel."

Denn auf Qualität legt Selecta schon seit seiner Gründung 1968 großen Wert, was auch der Name vermitteln soll. "Ausgewähltes" Spielzeug aus Holz, ausschließlich aus bayerischer Produktion und mit pädagogischem Anspruch: Mit diesem Konzept ist Selecta gewachsen. Als Öko-Fundis haben sich die Edlinger dabei nie verstanden. Auch verspielte Formen sind im Programm, und Farben haben schon immer dazu gehört.

Rund 40 Produkte werden jedes Jahr neu entwickelt, unter anderem in vier umliegenden Kindergärten getestet und dann in den Katalog aufgenommen, der inzwischen rund 300 Spielzeuge umfasst. Etwa 20 fallen aber auch jedes Jahr wieder heraus, wenn sie nicht mehr den Trends entsprechen.

Alle Artikel sind in Edling immer auf Lager - einer der Hintergründe für die aktuellen Erweiterungspläne. Denn ursprünglich hätte in den Neubau in Edling 1990 auch die Produktion einziehen sollen. Doch in diese Zeit fielen die "Boomjahre", und die Produktionsflächen wurden flugs zum Lager. Die Herstellung des Spielzeugs blieb in Kirchseeon, wo die Keimzelle des Unternehmens liegt.

26 Schreiner fertigen dort den größten Teil des Sortiments. Inzwischen sind aber auch die Inntal-Werkstätten der Stiftung Attl Produktionspartner. Und es wird seit einigen Jahren auf einer Teilfläche der Schreinerei Forstner produziert.

Hintergrund ist, dass Selecta so wenig wie möglich zukaufen möchte, "und schon gar nicht aus Fernost", so Matthias Menzel. Bisher waren es - neben speziellen Metallteilen - vor allem die kleinen Kugeln und Röhrchen aus Holz, die nicht selbst hergestellt werden konnten. Nachdem nun die Lieferanten dafür in Deutschland dünn werden, hat Selecta entschieden: "Das machen wir auch noch selbst." Und so soll in Edling neben dem jetzigen Gebäude eine Produktionshalle mit 1700 Quadratmetern entstehen. Der Gemeinderat hat jetzt das Bebauungsplan-Verfahren eingeleitet.

Sieben zusätzliche Arbeitsplätze soll dies aufs erste bringen. Derzeit sind 78 Beschäftigte in der Firma, dazu kommen sechs Außendienst-Mitarbeiter. "Wir sind im Moment an der Kapazitätsgrenze, teilweise arbeiten wir in zwei Schichten", so der Selecta-Vorstand.

Das war in den letzten Jahren nicht immer so. "Es gab schon ein Auf und Ab", blickt Menzel zurück, der seit zehn Jahren in der Firma und seit zwei Jahren ihr Chef ist. Nach dem Holzspielzeug-Boom kam eine Schwemme vor allem von Billigprodukten aus Fernost. Dann wurde auch Kunststoff wieder salonfähiger in den Kinderzimmern. Und schließlich sorgte zuletzt die Wirtschaftskrise vor allem bei den Exportmärkten für Einbrüche. Rund zehn Prozent Umsatz verlor Selecta im letzten Jahr, jetzt ist man wieder bei 8,5 Millionen Euro angelangt.

60 Prozent der Produkte aus Edling bleiben in Deutschland, 20 Prozent gehen in die EU, weitere 20 in den Rest der Welt, vor allem nach Japan. Und seit sechs Wochen stehen die Puzzles, Schiebeenten und Bausätze auch in China in den Regalen.

Auch im Ausland sei inzwischen erfolgreich, was Selecta ausmache: ökologische Produktion und hohe Qualität. "Die moderne Mutter will das Beste für ihr Baby, das kann auch eine teuere Babyrassel sein." Dazu kommt aktuell, dass überall Kinderkrippen eingerichtet werden und entsprechendes Kleinkind-Spielzeug benötigen, so Menzel: "Bei Stecken, Stapeln und Bauen sind wir gut dabei."

Zusammen hat das jetzt den Anschub für das Neubau-Projekt gegeben. Ziel sei es, den Zukauf gegen Null zu bringen und den Standort Deutschland zu sichern. Denn nur so könne man wirklich flexibel produzieren und den Fachhandel zuverlässig beliefern.

Der hat übrigens nach dem Warentest-Bericht kaum negativ reagiert, positive Erfahrungen mit Selecta hätten wohl überwogen, so Menzel: "Die Leute kennen uns und sie glauben uns." Er selbst hat ebenfalls keinen Zweifel, dass Entwicklungs- und Qualitätssicherungsabteilung im Haus gute Arbeit leisten, was durch externe Prüfer vom TÜV noch abgesichert wird. Deshalb ist auch der jüngste "Tester" der Firma weiterhin im Einsatz: Der 18-monatige Sohn des Firmenchefs nimmt das Spielzeug zuhause und in der Firma regelmäßig kräftig ran.

Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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