Kleingewerbemaschine in privatem Haushalt

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Eine einfache Waschmaschine tut es für Mehrparteienhäuser nicht: Laut neuester EU-Richtlinie braucht es nun sogenannte Kleingewerbemaschinen. Foto heck

Wasserburg/Landkreis - Kopfschütteln bei den Eigentümern einer Wohnanlage auf der Innhöhe. Nicht nur in diesem Mehrparteienhaus ist nun laut Gesetz eine teure Kleingewerbewaschmaschine nötig.

Weil eine wirtschaftlich nicht mehr sinnvolle Reparatur der 15 Jahre alten Waschmaschine ansteht, die von den Bewohnern in einem Gemeinschaftsraum genutzt werden kann, soll eine neue gekauft werden. Eine EU-Verordnung durchkreuzt jedoch diesen Plan.

Knackpunkt ist die neue Maschinenrichtlinie 2006/42/EG, die seit 29. Dezember 2009 auch deutschem Recht entspricht. Sie zwingt die Eigentümer-Gemeinschaft dazu, anstelle der bisher völlig ausreichenden Haushaltswaschmaschine eine sogenannte Kleingewerbemaschine anzuschaffen. Konkrete Auswirkung: Statt etwa 700 Euro müsste die Gemeinschaft rund 2800 Euro für die geplante Investition berappen.

Gerhard Schechtl, Hausmeister der Anlage und zugleich im Beirat der Eigentümer-Gemeinschaft vertreten, ist empört. "Die EU bevormundet uns unnötigerweise und bürdet uns Mehrkosten auf." Er sieht weder den Bedarf für die teurere Waschmaschine, noch lässt er Sicherheitsaspekte gelten. "Auch eine Haushaltswaschmaschine muss doch entsprechende Standards erfüllen", so Schechtl.

Erfahren hat der Hausmeister von der Verordnung bei einem Fachhändler in der Umgebung, bei dem die Maschine gekauft werden sollte. Er wies darauf hin, dass die Nutzung der in der Wohnanlage vorhandenen Waschmaschine als gewerblich einzustufen ist - nicht zuletzt deshalb, weil pro Waschgang zwei Euro in einen vorhandenen Münzschacht geworfen werden müssen. Der Fachhändler, der gegenüber dem OVB keine Auskunft geben wollte, ließ die Interessenten jedenfalls wissen, dass er ihnen aufgrund der Richtlinie nur eine Gewerbemaschine verkaufen dürfe. Da spielt es laut Gerhard Schechtl auch keine Rolle, dass in der Regel nurmehr drei Parteien die Gemeinschaftsmaschine nutzen.

Thomas Haberle von der Abteilung Technik der zuständigen Hausverwaltung Unirent in Stephanskirchen hält zwar ebenfalls eine Haushaltsmaschine für ausreichend, kann den Eigentümern jedoch nicht helfen. "Uns sind die Hände gebunden. Wenn wir eine Maschine aufstellen, die nicht den Richtlinien entspricht, haften wir, wenn etwas passiert." Ein Verzicht auf eine Waschmaschine im Gemeinschaftsraum sei übrigens auch nicht so ohne Weiteres möglich, da deren Vorhandensein in den Kauf- und Mietverträgen verankert sei. Stehe keine Waschmaschine im Keller zur Verfügung, könne dies beispielsweise zu einer Mietminderung führen. Haberle ist überzeugt, dass Wasserburg kein Einzelfall bleiben wird: "Ich sehe da ein großes Problem auf uns zukommen."

Martin Metzger, Geschäftsführer der Alpina Hausverwaltung Panhans und Metzger in Rosenheim, die rund 2000 Wohnungen im Umland verwaltet, schmunzelt zwar ein wenig über die Richtlinie, Probleme hat sie seiner Firma allerdings noch keine bereitet. "In den von uns betreuten Objekten haben wir Gewerbemaschinen, weil der Bedarf da ist."

Obermeister Martin Kaffl von der Elektroinnung im Landkreis Rosenheim weiß ebenfalls nichts von Problemen, die Innungsbetriebe mit der Umsetzung der Richtlinie hätten. Die Regelung sehe auf den ersten Blick zwar so aus, als hätte die EU maßlos übertrieben, sie sei aber durchaus sinnvoll: "Sie schützt Kunden vor Billigmaterial und die Handwerker vor Negativfolgen im Schadensfall", so Kaffl. Er verweist unter anderem darauf, dass Gewerbemaschinen einfach stabiler seien und in der Regel auch eine längere Lebensdauer hätten.

Die Verärgerung bei Gehard Schechtl bleibt dennoch bestehen. Obwohl sie nicht die wirtschaftlichste Lösung ist, tritt er jetzt für eine Reparatur ein. "Vielleicht ist die Richtlinie ja nicht mehr in Kraft, wenn ein Neukauf unvermeidbar wird. Meiner Meinung nach ist da die Politik gefordert", sagt der Hausmeister.

Norbert Kotter (Wasserburger Zeitung)

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Region Wasserburg

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser