Kleinode voll Kunst und Kühle

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Hier ist gut sein: Hans Postler (rechts) mit Zuhörern in der kühlen Schmidzeile 7.

Wasserburg - Hauptsache kühl! Wer im Moment eine Stadtführung mitmacht, sucht instinktiv den Schatten. Schade, dass Hans Postler nur einmal im Jahr eine Innenhof-Führung anbietet. Denn die ist ideal für heiße Tage.

So um die 70 Innenhöfe gibt es in der Wasserburger Altstadt. Und wer das Glück hat, an einem solchen zu wohnen, oder wer eben die Postlersche Spezialführung mitmacht, der weiß auch, warum: Innenhöfe bringen Licht, Luft und Kühle in die tiefen Altstadthäuser, sie sind eine ideale Erschließung für die meist drei bis vier Stockwerke - und sie können wahre Schatzkästchen sein.

Einmal im Jahr macht sich Hans Postler auf die Runde durch die Stadt, um ein paar dieser Kästchen aufzusperren. Ein dicker Schlüsselbund an seinem Gürtel öffnet ihm die Türen - vor allem aber das Vertrauen der meist privaten Hausbesitzer, das er sich in den acht Jahren Innenhof-Führungen teilweise hart erarbeiten musste.

"Red ned so vui, zoag mehra": An diesen Rat seiner Frau hält sich der Wasserburger auch bei dieser Tour. Dabei gäbe es schon über die erste Station, das frühere Mauthaus am Marienplatz, so viel zu erzählen: Von den Salzwagen, die hier ein- und ausfuhren, der späteren Brauerei - und der Architektur. "Was rund ist, ist alt, das Eckige kam erst später", so seine Erklärung, die hier eindrücklich nachzuvollziehen und später immer wieder zu überprüfen ist.

Rund 30 Interessierte folgen diesmal Hans Postler durch die Altstadt und müssen zur Kenntnis nehmen, dass in drei Stunden nur ein winzig kleiner Ausschnitt des alten Wasserburgs zu sehen ist. In der Schmidzeile 7 wartet ein klassisch streng gestalteter Innenhof, in der Burg haben die Gewölbe des alten Gefängnisses, heute Galerie von Willy Reichert, deutlich weniger Tageslicht. Grün wuchert es hinter einem ehemaligen Werkstatttor in der Färbergasse, und in der Schustergasse würde man sich gerne an das Tischchen setzen, an dem offensichtlich schon viel gefeiert wurde.

Immer wieder beeindruckend: der Innenhof der Marienapotheke am Ende der "Himmelsleiter", einer der wenigen Höfe, die quasi öffentlich zugänglich sind, da er Praxen erschließt. Hans Postler lässt sich von so viel stimmiger Atmosphäre zu einem hallenden Innenhof-Ständchen hinreißen: "Lass mich Dein Badewasser schlürfen..." Und im "Kasenbacher"-Haus gibt es dann Erinnerungen an die große Zeit Wasserburgs, als hier das Hotel "Goldene Krone" Bleibe des Münchener Fürstenhofes war und am Inn immer zwei fahrbereite Leibschiffe vertäut lagen.

Modern oder verträumt, zugewuchert oder gefühlvoll renoviert, verhunzt, kitschig oder kunstvoll: jeder Hof zeigt die Handschrift der Erbauer und Besitzer. Da gäbe es noch wahre Goldschätze, aber nicht alle wollen ihr Schatzkästchen aufsperren, bedauert Postler. "Sonnst wern d'Leit neidisch", fürchte einer - wohl zu Recht.

Karl Königbauer (Wasserburger Zeitung)

Quelle: rosenheim24.de

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