Klüger werden leicht gemacht

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Nicht nur um Wissensvermittlung, sondern vor allem um die Bedingungen für die lebenslange persönliche Weiterentwicklung geht es beim "Lernatlas 2011".

Rosenheim - Die Bertelsmann-Stiftung hat einen Atlas erstellt, der die Lernbedingungen deutschlandweit unter die Lupe nimmt. Das Ergebnis: Rosenheim spielt ganz vorne mit.

Bildung sei der Schlüssel für unsere Zukunft, heißt es gerne in politischen Sonntagsreden, in denen die "Bildungsrepublik Deutschland" beschworen wird.

Die Bertelsmann-Stiftung hat nun genau hingeschaut und einen Atlas erstellt, der die Lernbedingungen in allen 412 Kreisen und kreisfreien Städten Deutschlands unter die Lupe nimmt. Das erfreuliche Ergebnis: Stadt und Landkreis Rosenheim spielen ganz vorne mit. Die Stadt Rosenheim ist gar ein "Hidden Champion", ein heimlicher Sieger.

In der Rosenheimer Stadtbibliothek geben sich im Durchschnitt täglich 600 Nutzer die Klinke in die Hand: Knapp 650 000 Entleihungen zählt die Bibliothek am Salzstadel im Jahr, 12 400 aktive Entleiher sind registriert. Der Lokschuppen zieht mit seinen publikumsträchtigen Ausstellungen jedes Jahr Besucher in sechsstelliger Zahl an. Ausstellungszentrum und Stadtbibliothek sind aber nur zwei von vielen Einrichtungen, die dafür gesorgt haben, dass Rosenheim beim "Lernatlas 2011" eine Sonderrolle einnimmt. Hier sind die Bedingungen für das lebenslange Lernen besonders gut.

Bundesweit liegt die Stadt Rosenheim in ihrer Vergleichsgruppe, den kreisfreien Klein- und Mittelstädten, auf Platz 8 von 43. Der Landkreis Rosenheim nimmt in der Gruppe der Kreise im ländlichen Raum Rang 14 von 75 ein; der Landkreis Traunstein erreicht sogar Platz 11.

Doch die Macher der Studie warnen selbst davor, den Lernatlas als bloße Rangliste zu betrachten. Zu verschieden sind die Bedingungen in den jeweiligen Vergleichsgruppen und eine Mittelstadt lässt sich nicht gut mit einer Großstadt oder einem ländlichen Kreis vergleichen. Vielmehr will der Lernatlas den regionalen Stellenwert des lebenslangen Lernens verdeutlichen und zeigen, inwieweit eine Kommune über die Lernvoraussetzungen verfügt, um wirtschaftlich und sozial erfolgreich zu sein.

Das überraschende Ergebnis für die Stadt Rosenheim: In ihrer Vergleichsgruppe ist sie laut den Experten der Bertelsmann-Stiftung der "Hidden Champion", der heimliche Sieger. Hinter der Bezeichnung steckt die Beobachtung, dass gute regionale Rahmenbedingungen für das Lernen in der Regel mit hoher Wirtschaftsleistung einhergehen. Die Statistiker machen den Faktor Wohlstand am erwirtschafteten Bruttosozialprodukt pro Kopf fest. Rosenheim schneidet bei den Lernbedingungen aber besser ab, als der Wohlstandsfaktor vermuten lässt - besser als jede andere Stadt in der Vergleichsgruppe.

Das mit dem Champion hört der Rosenheimer Wirtschaftsreferent Thomas Bugl gern. Er hat allerdings einen stichhaltigen Einwand gegen die Methoden der Statistiker: "Das Bruttosozialprodukt pro Kopf ist für Rosenheim kein geeigneter Maßstab, um den Wohlstand zu messen", sagt Bugl. Da Rosenheim einen hohen Auspendleranteil habe, sei das zur Verfügung stehende Einkommen pro Kopf in Rosenheim deutlich höher, als es das Bruttoinlandsprodukt erwarten lasse. Trotzdem wertet er das Ergebnis als "bemerkenswert": "Es steht fest, dass Rosenheim überproportional gut abgeschnitten hat und im Vergleich Spitzenergebnisse liefert."

Einen großen Anteil daran haben übrigens die Rosenheimer Lehrer: Bei der Lesekompetenz von Grundschülern liegt Rosenheim mit Platz 5 in der Vergleichsgruppe weit vorne, bei den Faktoren Lesekompetenz in Deutsch und Englisch sowie bei den Pisa-Ergebnissen in Mathematik und Naturwissenschaften belegt die Stadt sogar Platz 1.

Schulisch gut abgeschnitten hat auch der Landkreis Rosenheim. Die Ergebnisse dort bestätigen eine weitere Beobachtung der Studie: Das Lernumfeld ist auf dem Land besser als in großen Städten. Das liegt zum guten Teil daran, dass hier das Engagement der Bürger in Vereinen, Kirchen und Parteien deutlich stärker ist - gute Voraussetzung für soziales Lernen.

Klaus Kuhn/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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