Kneipenabend mit teuren Folgen

Wasserburg - Ein Faustschlag vor einer Bar in Wasserburg wird für einen 27-jährigen Maurer richtig teuer. Es geht um Geldstrafe, Schmerzensgeld, die Kosten für beide Anwälte.

Rund 7000 Euro könnten es letztendlich werden.

Faschingsgaudi sieht anders aus: Neben einer Geldstrafe von 2000 Euro muss ein 27-Jähriger noch 1025 Euro Schmerzensgeld bezahlen und die Kosten des Verfahrens tragen. Doch dann ist noch lange nicht Schluss und am Ende wird er geschätzt rund 7000 Euro zu berappen haben, denn neben seinen Anwaltskosten bekam er auch die Kosten für die Nebenklage und das Adhäsionsverfahren aufgebrummt und wird wohl für Behandlung, Krankentransport und Lohnfortzahlung des Geschädigten in Regress genommen werden.

Den unsinnigen Donnerstag wird der 27-jährige Maurer aus dem Raum Wasserburg wohl so schnell nicht mehr vergessen, auch wenn er an den feuchtfröhlichen Abend selbst keine klaren Erinnerungen mehr hat. Vor dem Amtsgericht Rosenheim, Zweigstelle Wasserburg, wurden nun einige Details wieder aufgefrischt, denn dort musste er sich wegen vorsätzlicher Körperverletzung verantworten.

Laut Anklage soll er am 17. Februar gegen 3 Uhr vor einer Bar am Marienplatz einem 32-jährigen Mechaniker mit der Faust mindesten einmal ins Gesicht geschlagen und ihm dabei eine Kopfplatzwunde zugefügt haben. Um Schmerzensgeldansprüche geltend zu machen, trat der Geschädigte als Nebenkläger auf. Über seinen Anwalt ließ der Angeklagte erklären, dass er zwar keine konkreten Erinnerungen mehr an den Abend habe, aber der Tatvorwurf keinesfalls in Abrede gestellt werden solle. Zudem sei seinem Mandanten sehr an einem Täter-Opfer-Ausgleich (TOA) gelegen, doch sei eine Einigung bisher nicht möglich gewesen, so der Rechtsanwalt.

Entschuldigung beim Geschädigten

Vor Gericht entschuldigte sich der Angeklagte nochmals beim Geschädigten, obwohl es, nach seinen Angaben, bereits im Vorfeld eine Aussprache gegeben habe. Zum Tatzeitpunkt habe er den 32-Jährigen nicht gekannt, sagte der gelernte Maurer. Er sei seit etwa um 20 Uhr mit Bekannten im Lokal gewesen und habe dabei ein paar Bier und Mixgetränke getrunken. Mehr könne er zu dem Abend nicht sagen. Eine Alkoholprobe ergab später bei ihm einen Wert von 1,9 Promille, der Geschädigte kam auf 1,44 Promille.

Der Geschädigte sagte aus, dass er sich mit einem Arbeitskollegen am Tisch unterhalten hätte, als ihm der Angeklagte aus dem Nichts mit der Faust ins Gesicht geschlagen habe. Zeugen hatten bei der Polizei angegeben, eine laute Diskussion zwischen den beiden Männern beobachtet zu haben. Bei dem Schlag erlitt der Mechaniker eine Platzwunde, die mit drei Stichen genäht wurde. Wegen anhaltender Kopfschmerzen war er fünf Tage krankgeschrieben.

Täter war geständig

Da der Angeklagte die Tat einräumte, wurde auf weitere Zeugen verzichtet. Uneinig war man sich lediglich bei der Höhe des Schmerzensgeldes. Während der Geschädigte als Nebenkläger auftrat und 1825 Euro forderte, hielt die Verteidigung 500 Euro für diese Art von Verletzung ausreichend. Der Nebenklägervertreter betonte, dass es sich hier um vorsätzliche Körperverletzung handle und der Angeklagte auch vorgeahndet sei. Hier solle das Schmerzensgeld auch eine gewisse Sühnefunktion erfüllen. Nach einigem hin und her einigten sich beide Parteien schließlich auf eine Zahlung von 1025 Euro und die Übernahme der Kosten.

Nach Abschluss des Beweisverfahrens war für die Staatsanwaltschaft der Sachverhalt der vorsätzlichen Körperverletzung erwiesen. Sie beantragte aufgrund einer ähnlich gelagerten Vorahndung mit relativ hoher Rückfallgeschwindigkeit eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 50 Euro. Die Nebenklage schloss sich den Forderungen der Staatsanwaltschaft an und beantragte, dem Angeklagten die Kosten der Nebenklage aufzuerlegen. Der Angeklagte habe aufgrund seiner Vorahndung schließlich gewusst, "dass zuhauen was kostet".

Der Verteidiger beantragte auch aufgrund der finanziellen Situation seines Mandanten eine Geldstrafe von 50 Tagesätzen zu je 20 Euro. Alle Beteiligten seien betrunken gewesen und eine verminderte Schuldfähigkeit sei nicht auszuschließen. Zudem habe eine Entschuldigung stattgefunden und der Angeklagte habe seine Verfehlung trotz fehlender Erinnerung anerkannt.

Das Gericht verhängte schließlich eine Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je 25 Euro. Der Angeklagte habe die Tat eingeräumt und eine vorangegangene Diskussion sei nicht ganz auszuschließen. Aber es habe eine Vorahndung wegen eines sehr ähnlichen Vorfalls gegeben, hieß es in der Urteilsbegründung. Warnung vom Richtertisch: "Wenn sie das nicht in den Griff bekommen, gibt es beim nächsten Mal eine Freiheitsstrafe".

ca/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

Zurück zur Übersicht: Region Wasserburg

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser