"Knoten im Hirn lösen"

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Einen Ausbildungsplatz finden, der passt und Zukunft bietet: Keine einfache Aufgabe für die Jugendlichen. Josef Grabl, im zweiten Lehrjahr bei der Firma Schechtl, hat dies ohne Paten geschafft, andere brauchen mehr Unterstützung.

Wasserburg - Jedes Jahr brauchen Schulabsolventen Unterstützung bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Seit fünf Jahren hilft dabei das Wasserburger Patenprojekt des Arbeitskreises Schule-Wirtschaft.

Der Arbeitskreis Schule-Wirtschaft sucht heuer aber nicht nur nach Lehrstellen, sondern auch nach neuen Paten.

Auch wenn sich die Situation auf dem Ausbildungsmarkt angeblich gebessert hat: "Im Moment sind noch rund 50 Prozent der Abschlussschüler an der Hauptschule ohne Ausbildungsvertrag", berichtet Claudia Fischer von der Schulsozialarbeit an der Hauptschule Wasserburg. Die Sozialpädagogin ist seit Anfang mit dabei im Patenprojekt. Sie kennt die Problemfälle und weiß gemeinsam mit den Lehrern, wann Schüler einfach alleine nicht zurecht kommen mit den vielen Hürden, die vor einem Ausbildungsvertrag stehen.

Eigene Stärken und Schwächen richtig einschätzen, alle möglichen Berufe und Ausbildungsbetriebe in den Blick nehmen, Bewerbungen richtig schreiben und dann dran bleiben, bei Rückschlägen sich immer wieder neu motivieren: Keine einfache Aufgabe für viele Abschlusschüler, mitten in der Pubertät und manchmal ohne wirkungsvolle Unterstützung aus dem Elternhaus, das von der Situation selbst überfordert ist.

Hier können die Paten einspringen und helfen - und sie haben es auch im letzten Jahr wieder erfolgreich getan. Mehr als die Hälfte der Kandidaten konnte kurz vor Schluss noch auf Ausbildungsplätzen untergebracht werden, "eine tolle Quote", sind sich Manfred Wierer und Gerhard Ruß als die Verantwortlichen des Patenprojektes einig.

Derzeit stehen alle Mitarbeiter der ehrenamtlich getragenen Aktion wieder in den Vorbereitungen. Dabei steht aktuell ein Anliegen im Vordergrund: neue Paten gewinnen. Denn im letzten Jahr hat sich gezeigt, dass die Paten-Riege, die vor fünf Jahren startete, inzwischen doch etwas abgebröckelt ist.

Der Bedarf ist dagegen nicht wirklich kleiner geworden. "Oft geht es ja nur darum, den Knoten im Hirn zu lösen, den viele Jugendliche unter dem Druck haben", so Claudia Fischer. Die kennen eben nur die Berufe von Papa und Mama, Onkel und Tanten. Und die wiederum könnten sich oft auch nicht vorstellen, was man heutzutage als Hauptschüler oder schwächerer Realschüler alles lernen kann. Denkanstöße und Ideen von außen seien da eine große Chance, sind sich die Projekt-Organisatoren einig.

Sie hoffen daher noch auf Meldungen von interessierten Ehrenamtlichen, die sich hier für ein paar Wochen oder Monate engagieren wollen. Ende März wird es einen Informationsabend für sie geben, und auch im laufenden Projekt "werden wir sie wieder unterstützen" versichert Peter Rink, der Vorsitzende im Arbeitskreis Schule-Wirtschaft in Wasserburg.

Alle Mitarbeiter des Projektes hoffen außerdem auf das Wohlwollen der Ausbildungsbetriebe im Raum Wasserburg. Während dies für die großen Firmen schon Standard ist, hätten viele Einzelhändler, Handwerker und andere kleinere Firmen vielleicht noch nicht erkannt, dass die Ausbildung eines Jugendlichen, der von einem Paten begleitet wird, auch eine Chance sei. "Wir wollen den Paten zwar nicht zumuten, dass sie jahrelang 'ihre' Lehrlinge unterstützen. Aber wenn es in der Anfangszeit an der Lehrstelle Probleme gibt, sind sicher die meisten zur Mithilfe und Vermittlung bereit - ein großer Vorteil für den Betrieb", ist Manfred Wierer überzeugt.

Karl Königbauer (Wasserburger Zeitung)

Quelle: rosenheim24.de

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