"Du kommst mir nicht aus!"

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Josef Fellner hofft auf psychologische Hilfe für seine Angestellte, die im Kassenraum (Foto) überfallen wurde. Foto duczek

Wasserburg - Der zweite Raubüberfall in zwei Jahren: Tankstellenbetreiber Josef Fellner und seine Angestellten kennen Krimis nicht nur aus dem Fernsehen.

Doch obwohl es Fellner erneut gelungen ist, den Täter zu stellen, bereitet ihm der "schwarze Montag" noch Kopfzerbrechen. Denn die Kassiererin, die mit vorgehaltener Pistole zur Geldausgabe gezwungen wurde, ist schwanger - und der gefasste Täter gehört zu einer Familie, die Fellner kennt.

Josef Fellner ist als ruhiger Mann bekannt. Dass er in brenzligen Situationen die Nerven behält, hat er bereits einmal bewiesen: Als im September 2008 seine Tankstelle überfallen wurde und die Täterin der Kassiererin einen abgebrochenen Flaschenhals an die Kehle hielt, griff er beherzt ein. Nach einem längeren Kampf, von dem Fellner einige Narben davontrug, konnte er sie überwältigen. Seine Angestellte kehrte jedoch nicht wieder an ihren Arbeitsplatz zurück - trotz psychologischer Betreuung durch ein Programm, das Aral für Opfer von Tankstellenüberfällen anbietet.

Auch am Montag reagierte Fellner blitzschnell, als er plötzlich aus dem Kassenraum einen verdächtigen Knall hörte und wenige Sekunden später ein Vermummter in den Werkstatthof gelaufen kam - in der Hand die Geldbündel (Beute: 650 Euro) und eine Pistole. Fellner schnappte sich ein Eisenstück und trat dem Mann mutig entgegen. Von der Pistole ließ er sich nicht abschrecken: "Mein Vater und mein Bruder sind Jäger, am Knall hatte ich gehört, dass es sich um eine Schreckschusswaffe handelt."

Außerdem erhielt der Besitzer der Kfz-Werkstatt Unterstützung: Zwei Handwerke, die den Überfall im dem Kassenraum angegliederten Sandwich-Imbiss beobachtet hatten, eilten ihm zu Hilfe. Sie hatten nach Angaben Fellners aus der Tatsache, dass die abgefeuerten Schüsse in der Decke über dem Kassenraum kaum Spuren hinterlassen hatten, ebenfalls auf eine Gaspistole geschlossen. Gemeinsam mit einem Mechaniker aus der Werkstatt kreisten Fellner und die beiden Kunden den Maskierten ein, der sogar noch einmal auf Fellner geschossen haben soll. Schließlich gab der Mann nach seinen Informationen auf, ließ sich überwältigen und am Boden fixieren. An den Füßen gefesselt übergab das Team den Täter der Polizei, die mittlerweile von weiteren Angestellten alarmiert worden war.

Die Kassiererin kam mit einem Schock ins Krankenhaus, wo sie bis gestern betreut wurde: Denn sie ist schwanger. Auf die Tatsache, dass der Täter die junge Frau am helllichten Tag zur betriebsamen Mittagszeit überfiel, reagiert Josef Fellner nach wie vor mit Fassungslosigkeit. "Ich wusste ja nicht, was im Kassenraum alles passiert und ob jemand verletzt worden war, und habe mir geschworen: Du kommst mir nicht aus", erläutert er die Hintergründe seines beherzten Eingreifens.

Auch die Drohungen, die der Täter nach Fellners Angaben nach der Überwältigung noch ausgestoßen hat, beschäftigen ihn noch immer. Die abgenommene Maske enthüllte einen Mann, dessen Familie Fellner kennt. Mittlerweile hat ein Bekannter dieser Familie in der Tankstelle seine Aufwartung gemacht und sich im Namen aller für die Tat entschuldigt, freut sich Fellner.

Er hofft auch in Bezug auf seine geschockte Angestellte auf ein versöhnliches Ende: "Schön wäre es, wenn sie wieder zurück zur Arbeit kommen kann."

Eine Angestellte des Subways, die den Überfall ebenfalls miterlebt hat, kehrte bereits 20 Minuten danach - "trotz zitternder Knie" - an die Sandwichtheke zurück. Auf allen Vieren war sie hinter dem Verkaufsthresen aus dem Raum gekrochen, nachdem der Mann die ersten Schüsse in die Decke abgegeben hatte. Seit Montag hat sie nach eigenen Angaben zwar schlecht geschlafen, ist jedoch überzeugt, die Tat eines Verückten miterlebt zu haben, die sich so schnell nicht wiederholen werde. Denn viel Geld, das betont auch Fellner, ist heute in einer modernen Tankstelle nicht zu erbeuten. Die Kasse, in die vor allem Kleinbeträge wandern, wird nach seinen Informationen regelmäßig entleert, zwei Drittel der Kunden zahlt mittlerweile bargeldlos.

Fellner hat den Überfall erneut seelisch gut bewältigt. Trotzdem will er für sein Team erneut psychologische Hilfe von Aral einholen.

Heike Duczek/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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