Konsequenterer Schutz für die Altstadt

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Bunte Fassaden, vielfältige Dächer: Die Wasserburger Altstadt soll als historisches Schmuckstück erhalten bleiben - künftig mit noch konsequenterem Denkmalschutz.

Wasserburg - Das Landratsamt will das Denkmal-Ensemble Wasserburger Altstadt künftig konsequent schützen. Bei Verstößen soll sofort eingeschritten werden.

Der Ensembleschutz in der Altstadt ist zunehmend zum Problem geworden. Fotovoltaik-Anlagen auf den Dächern haben schon die Baujuristen beschäftigt, das Thema Kunststofffenster landete sogar vor dem Verwaltungsgericht.

Hintergrund ist die Gestaltungssatzung der Stadt, die für den sensiblen Bereich in der Innschleife strenge Vorschriften macht. Das soll sicherstellen, dass die Fassaden im geschützten Ensemble möglichst unverändert bleiben, auch wenn das Gebäude selbst vielleicht nicht als Denkmal eingetragen ist.

Eine der Vorschriften, die am meisten Probleme macht, ist die Regelung für Fenster: Kunststoff ist verboten, trotzdem werden bei Sanierungen immer wieder Holzfenster herausgerissen und durch Kunststoff ersetzt.

In einem Fall in der Salzsenderzeile wollte sich die Stadt das nicht gefallen lassen, das Landratsamt verfügte die Entfernung, der Bauherr ging vor Gericht - und bekam im wesentlichen Recht. Zwar sei der Einbau von Kunststoff ein klarer Verstoß gegen die Satzung. Da es jedoch schon so viele Abweichungen gebe, könne in diesem speziellen Fall nicht verlangt werden, dass bereits eingebaute Kunststofffenster wieder entfernt würden, so die Tendenz der Richter. Das Verfahren wurde eingestellt.

Das Landratsamt will daher jetzt die Kontrollen konsequenter durchführen und einen unerlaubten Einbau gleich stoppen: "Alle nach dem 27. August eingebauten Fenster müssen aus Holz sein", so die für die Bauaufsicht zuständige Behörde. Und: "Wer die Vorgaben einer Gestaltungssatzung nicht einhält, dem drohen zeitnahe Baueinstellung sowie die nachfolgende Anordnung der Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes."

Landrat Josef Neiderhell betont die Bedeutung des Ensembleschutzes in der Altstadt, auf Zuwiderhandlungen werde man reagieren - auch auf den Dächern: Anlagen zur elektrischen und thermischen Sonnennutzung müssen "untergeordnet" sein und sind in jedem Fall genehmigungspflichtig.

Details soll eine neue Gestaltungssatzung regeln, die in den nächsten Monaten entsprechend aktualisiert und konkretisiert werden soll. Der Bauausschuss wird sich in seiner nächsten Sitzung mit dem Thema erstmals befassen.

Aber auch jetzt schon gilt: Wer im Ensemble baulich etwas ersetzt oder verändert, muss dafür einen Antrag stellen. Das gilt vom Fassadenanstrich bis zur energetischen Sanierung. "Wir bemühen uns, bei kleinen Vorhaben um einen kurzen Weg. Wir wollen ja auch, dass etwas gemacht wird an den Gebäuden", so Stadtbaumeister Manfred Förtsch-Menzel. Der historische Charakter der Stadt müsse aber geschützt werden.

In Sachen Kunststofffenster heißt das: Was vor dem 27. August - an diesem Tag wurden Gundsätze der künftigen Regelungen mit Stadt, Denkmalamt und Landratsamt besprochen - eingebaut wurde, wird geduldet. Sollten aber solche Fenster wieder ersetzt werden, müssen auch sie aus Holz sein, so wie alle Fenster ab diesem Stichtag.

Wer glaubt, dass den aktuellen Zustand ohnehin niemand kenne, irrt übrigens: Drei Monate lang hat eine Architektin die Häuser im Altstadt-Ensemble dokumentiert und aus dem Archiv auch ursprüngliche Fassaden herausgesucht. Das Stadtbauamt könnte also Bauherren im Vorfeld einer Baumaßnahme durchaus beraten.

Manfred Försch-Menzel will außerdem die Satzung künftig praxisnäher gestalten, unter anderem mit Beispielen für gelungene Sanierungen in historischer Substanz. Die gibt es ja auch zur Genüge.

koe/Wasserburger-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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