Hackschnitzel-Kraftwerk: Auf Eis gelegt

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Wasserburg - Erst sollte alles ganz schnell gehen mit dem Hackschnitzel-Heizwerk in der Tegernau. Doch nun wurde das Projekt verschoben.

Lesen Sie hier den Bericht aus der Wasserburger Zeitung

Hackschnitzel bleiben im Wald

 Wasserburg - Vor einem Jahr sollte alles möglichst schnell gehen mit dem Hackschnitzel-Heizwerk in der Tegernau. Jetzt wurde das Projekt erst einmal vertagt. Grund: Öl und Gas sind im Moment zu billig.

Das Konzept schien stimmig: Die drei Großabnehmer Molkerei Bauer, RKW und Arzneimittelwerke sollten mit Prozessdampf für ihre Fertigung versorgt werden. Den wollte man in einem Heizschnitzel-Heizwerk in der Nähe des RKW-Werkes erzeugen. Die Stadtwerke gründeten dafür eigens die "Wasserburger Energie GmbH" als Tochtergesellschaft und ließen das Werk planen und genehmigen, die Stadtrat diskutierte sogar schon, ob nicht auch Privathaushalte angeschlossen werden könnten. Nun allerdings schaut die Sache ganz anders aus. "Mittel- bis langfristig" wollen die Stadtwerke das Projekt nun realisieren, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung. Man sei mit den Kooperationspartnern überzeugt, dass es zukunftsfähig sei.

Die Sache hat allerdings einen Haken: Zukunftsfähig ist das Heizwerk nur, wenn es beim Preis mit der Dampferzeugung durch Öl und Gas, wie sie jetzt in den Unternehmen praktiziert wird, mithalten kann. Das wäre vor einem Jahr noch gegeben gewesen. Doch inzwischen sind die Preise für die fossilen Energieträger wieder gefallen. Also haben die Unternehmen neue Lieferverträge mit den Energie-Lieferanten abgeschlossen, die in der Regel über zwei Jahre laufen. Der Pferdefuß an der Sache: Auch beim Hackschnitzelwerk würde es rund zwei Jahre dauern zwischen Vertragsabschluss und erster Dampflieferung. Wenn im Anschluss an die jetzt unterzeichneten Energieverträge der Dampf also aus nachwachsenden Rohstoffen kommen soll, müsste jetzt mit dem Bau begonnen werden. Außerdem müssten sich die Unternehmen langfrstig an den regionalen Energieträger binden. "Wir müssen das Werk über 20 Jahre kalkulieren", so Bürgermeister Michael Kölbl.

Der macht auch klar, dass die Stadt beziehungsweise ihre Stadtwerke kein finanzielles Risiko eingehen werden, um die drei Großunternehmen und "nebenbei" das Badria und vielleicht ein paar Haushalte mit Energie zu versorgen: "Wir müssen uns vom Ölpreis lösen, wenn wir die Versorgung auf Holz umstellen wollen." Genau da fangen aber für die Unternehmen die Probleme an. "Wir können nur einsteigen, wenn der Dampf aus dem Heizwerk gesichert und günstiger ist als mit Öl", macht etwa Jürgen Forster von RKW klar. Für ihn ist auch die lange Bindung ein Problem. Man müsse in der Kunststoffproduktion immer mit Technologiewechseln rechnen und könne sich daher für keine so langen Zeiträume festlegen. "Vielleicht brauchen wir dann gar keinen Dampf mehr."

Trotzdem wäre RKW dabei, wenn die Entscheidung für den Bau des Werkes fallen würde. Und auch Robert Fiedler von den Arzneimittelwerken rechnet damit, dass Öl und Gas in Kürze schon wieder im Preis anziehen werden. Bei der Firma Bauer war kurzfristig niemand zu einer Stellungnahme bereit. Unumstritten ist, dass die Hackschnitzel-Verwendung die CO2-Bilanz der Unternehmen verbessern würde. "Wir werden von den Abnehmern natürlich schon nach unseren 'carbon footprints' gefragt", so Jürgen Forster. "Allen ist klar, das wir auf Dauer energietechnisch nicht so weitermachen können."

Trotzdem ist nicht absehbar, wann auch in Wasserburg eine CO2-neutrale Energieerzeugung verwirklicht wird. "Das kann schon ein paar Jahre dauern", so Kurt Fritsch, Stadtwerke-Chef und Geschäftsführer der Wasserburger Energie GmbH. "Wir haben einfach zu niedrige Energiepreise", bedauert Michael Kölbl. Immerhin unterstreichen alle Beteiligten, dass man am Ball bleiben möchte. "Das ist ein tolles Projekt, das wird nicht aufgegeben", so Michael Kölbl. Schließlich würden ja auch die Firmen beteuern, "dass sie weg vom Öl wollen."

Neun Millionen Euro hätte das auf zehn Megawatt thermische Leistung ausgelegte Heizwerk in der Tegernau gekostet. Erzeugt hätte es fast ausschließlich hochgespannten Prozessdampf, wie ihn die Unternehmen benötigen. Das sei auch der Grund, warum keine Stromerzeugung vorgesehen sei, so die Stadtwerke: Dafür bliebe bei dieser Technik nur ein zu kleiner Energieanteil, um noch wirtschaftlich Strom zu produzieren.

Karl Königbauer/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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