So kümmert sich der Landkreis um Asylsuchende

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Die dezentrale Verteilung von Asylbewerbern liegt dem Landkreis am Herzen, auch in der Mangfallstadt Kolbermoor sind seit einigen Monaten Asylsuchende untergebracht.

Landkreis - Ob aus Afghanistan, Syrien oder Myanmar: Täglich kommen neue Asylbewerber. Weil die großen Unterkünfte aus allen Nähten platzen, sucht man neue Lösungen.

Bürgerkrieg in Syrien, instabile Verhältnisse in Afghanistan und prekäre Lagen in Pakistan oder Myanmar - aus den unterschiedlichsten Gründen machen sich Menschen auf, verlassen ihre Heimat, suchen Zuflucht in fernen Ländern. So auch in Deutschland. Täglich strömen Asylbewerber ins Land, müssen bis zum Abschluss des Verfahrens versorgt werden. Weil die großen Unterkünfte aus allen Nähten platzen, werden die Asylsuchenden nun wieder flächendeckend verteilt. Rund 150 Asylbewerber befinden sich aktuell im Landkreis Rosenheim, davon 24 in Kolbermoor.

Die Kriege und Unruhen in vielen Teilen der Welt machen sich auch in der Region bemerkbar: Die Zahl der Asylbewerber steigt.

Von elf Asylsuchenden wurden 150

Vor gut einem Jahr, im Dezember 2011, erreichten nach Angaben des Landratsamtes Rosenheim nach langen Jahren wieder die ersten Asylbewerber den Landkreis - Tendenz steigend. Damals noch elf Personen, ist die Anzahl inzwischen auf rund 150 angestiegen - "es ist zwar je nach Stand des Verfahrens ein ständiges Kommen und Gehen, aber wir sind jetzt am Limit angelangt", erklärte Sprecher Michael Fischer auf Anfrage unserer Zeitung.

Mit einer großen Anzahl an Asylsuchenden hatte der Landkreis insbesondere in den 1990er-Jahren zu kämpfen. Zu Zeiten des Balkankrieges hatten sich laut Fischer weit über 2000 Asylbewerber im Landkreis aufgehalten. Ende November 2007 war schließlich die letzte Gemeinschaftsunterkunft geschlossen worden.

Aufgrund der wieder steigenden Anzahl von Asylsuchenden ist seit gut einem Jahr nun auch der Landkreis Rosenheim erneut gefordert, Bewerber aufzunehmen. Die aktuelle Aufnahmequote des Landkreises liegt Fischer zufolge bei 5,7 Prozent, bezogen auf den Regierungsbezirk Oberbayern - "wir bekommen den entsprechenden Anteil dann von der Regierung von Oberbayern zugewiesen."

Bezüglich der Unterbringung verfolgt die Kreisbehörde nach Angaben ihres Sprechers eine klare Strategie: dezentrale Verteilung. "Wir wollen Massenunterkünfte mit über 50 Personen vermeiden und die Menschen lieber in Wohnungen unterbringen", erklärte Fischer im Gespräch mit unserer Zeitung. Und diese suche man nach wie vor händeringend: "Wir haben leider viel zu wenige Unterbringungsmöglichkeiten und bräuchten dringend mehr Wohnungen, die wir anmieten können", so der Sprecher, der hofft, durch die dezentrale Verteilung die Belastung für die Umgebung zu verringern und eine Kontaktaufnahme mit der Bevölkerung zu erleichtern.

Asylbeweber auf 14 Gemeinden verteilt

Aktuell sind nach Angaben der Behörde die rund 150 Asylsuchenden auf insgesamt 14 Gemeinden verteilt, zumeist untergebracht in kleineren Wohnungen. Einzig in Breitbrunn und Kolbermoor habe der Kreis derzeit größere Anlaufstellen, in Breitbrunn in einem ehemaligen Gasthaus (etwa 20 Personen), in Kolbermoor seit Oktober in einem Hotel - letzteres ist laut Fischer jedoch nur eine Übergangslösung.

Vorübergehend angemietet durch den Landkreis, sind inzwischen 24 Asylbewerber in den Räumen des Hotels untergekommen (Höchststand seit Mitte Dezember) - "für die Zeit danach müssen wir dann nach Alternativen suchen", erklärte er. Die Asylsuchenden in der Mangfallstadt, allesamt Einzelpersonen bis auf einen alleinerziehenden Vater mit seinen beiden Kindern, kommen nach Angaben des Sprechers aus den unterschiedlichsten Nationen, darunter Syrien, Afghanistan, Pakistan, der Türkei, aus dem Senegal und Myanmar - und bleiben bis auf unbestimmte Zeit. "Bis eben ihre Verfahren abgeschlossen sind", so Fischer.

Versorgt werden die Asylsuchenden von Seiten des Landkreises: Neben der Unterkunft erhalten die Bewerber einen monatlichen Betrag zur Verpflegung und auch die medizinische Versorgung würde, wenn nötig, übernommen. Zudem unterlägen die Kinder der Schulpflicht. "Sie werden in den örtlichen Schulen untergebracht", führte Fischer aus.

Kritik: Menschen werden nur grundversorgt

Von den Schwierigkeiten vor Ort, insbesondere aufgrund der sprachlichen Barrieren, weiß die Kolbermoorer Quartiersmanagerin Dagmar Badura (Diakonie Rosenheim), die in ihrer Arbeit, unter anderem als Leiterin der Kolbermoorer Tafel, zuletzt vermehrt Berührungspunkte mit den Asylsuchenden hat. Sie bedauert es sehr, dass die Menschen, einmal untergebracht und grundversorgt, auf sich allein gestellt sind - leider würden für eine weitere Betreuung und Beratung die Gelder fehlen, kennt die Diakoniemitarbeiterin die Praxis. "Der Bedarf wäre aber durchaus gegeben", ist Badura überzeugt.

Aus unserem Archiv:

Rosi Gantner/Mangfall-Bote

Quelle: rosenheim24.de

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