Kreiskrankenhaus vor dem Aus?

Wasserburg - Sind die Tage des 47 Jahre alten Wasserburger Kreiskrankenhauses gezählt? Die RoMed-Klinik GmbH arbeitet derzeit am Zukunftskonzept für das Haus.

Die aussichtsreichste Variante scheint dabei ein gemeinsamer Neubau mit dem Inn-Salzach-Klinikum (ISK).

In den letzten Jahren haben der Landkreis und anschließend die "Kliniken der Stadt und des Landkreises Rosenheim GmbH" - Markenname RoMed - als neuer Träger immer wieder investiert in das Krankenhaus am Rande der Stadt. Doch es war auch klar: Auf Dauer ist die Bausubstanz für einen zeitgemäßen Klinikbetrieb nicht mehr ausreichend. Das hat inzwischen ein Gutachten bestätigt, das von RoMed in Auftrag gegeben wurde. Darin wird außerdem festgehalten, dass ein Neubau wirtschaftlicher ist als eine Grundsanierung.

"Wir arbeiten derzeit in Richtung auf einen Neubau", bestätigt nun auf Nachfrage der Redaktion Günther Pfaffeneder, Geschäftsführer der RoMed-GmbH. Dabei sei eine Hürde, nämlich die grundsätzliche Bedarfsanerkennung durch das bayerische Gesundheitsminsiterium, bereits genommen, eine zweite, die Genehmigung des Raumprogrammes, derzeit in Arbeit.

Wo die neue Klinik entstehen könnte ist für Pfaffeneder offen. Sowohl ein Neubau am jetzigen Klinikstandort als auch ein gemeinsamer Bau mit dem ISK würden "parallel geprüft".

Argumente für ein gemeinsames Projekt gibt es dabei einige. Zum einen soll in Gabersee ohnehin neu gebaut werden. Es könnten die vorhandene Haus- und Medizintechnik sowie die Küche der größeren Klinik genutzt werden. Und es wäre eine anderweitige Nutzung oder gar der Verkauf des jetzigen Klinikgeländes möglich - in schönster Lage über der Innleite.

Andere Betroffene sind daher zumindest gedanklich schon einen Schritt weiter. So haben die Ärztlichen Direktoren der beiden Kliniken und ihre acht Chefärzte in einem gemeinsamen Schreiben festgehalten, dass unter den Medizinern ein "uneingeschränkter Konsens" für einen Neubau auf dem ISK-Gelände bestehe. Dies sei ein zukunftsweisendes Konzept für eine moderne medizinische Versorgung der Bevölkerung. Denn es sei ja wohl klar, dass man die komplette medizinische Infrastruktur von Röntgen bis Labor in so geringer räumlicher Entfernung nicht zweimal brauche. Außerdem würde die "Verbindung der Kompetenzen beider Kliniken" eine Weichenstellung für die ganzheitliche Behandlung kranker Menschen bedeuten.

Etwas mehr Druck als die RoMed-Klinik, die sicher noch einige Jahre so betrieben werden kann, hat das Inn-Salzach-Klinikum. Auch dort gilt die Bausubstanz als teilweise nicht mehr sinnvoll sanierbar. Außerdem gebe das Ministerium inzwischen grundsätzlich Neubauten den Vorzug vor dem Umbau alter, hier sogar teils denkmalgeschützter Häuser, heißt es.

So plant man in Gabersee schon geraume Zeit einen Neubau für die Akutpsychiatrie, eigentlich sollte es heuer noch einen Architekten-Wettbewerb dafür geben. Den hat man jetzt erst einmal verschoben, aber "wir würden gerne und müssen auch zügig weitermachen", so der kaufmännische Leiter Dr.Stefan Piehler, der auch betont: "An uns scheitert eine gemeinsame Lösung sicher nicht. Wir warten auf Rückmeldung von RoMed."

Konkret könnte ein neues Krankenhaus auf der freien Fläche südöstlich der Neurologie entstehen. Die ensemblegeschützten Gaberseer Häuser blieben dabei natürlich erhalten, so Piehler. Gedacht sei an einen gemeinsamen Eingang, die Trägerschaft für die beiden Kliniken soll aber getrennt bleiben.

Dass bei einer solchen Konstruktion der Teufel im Detail steckt, ist allen Beteiligten wohl klar. Nachdem inzwischen die Ärzte mit ihrem gemeinsamen Schreiben den Vorwurf entkräftet haben, sie "könnten ja doch nicht miteinander", wie es einer der Unterzeichner umschreibt, müsste eine entsprechende Abklärung auf Trägerseite erst noch erfolgen.

"Wahrscheinlich braucht es erst den Druck über das Geld - sprich das Ministerium", befürchtet daher ein Lokalpolitiker aus Wasserburg, der gerne anonym bleiben möchte. Vor allem der Landkreis, dem unter anderem noch die 50 Millionen teuere und sich über zehn Jahre erstreckende Sanierung der Priener Klinik im Magen liegt, sei "zurückhaltend bis reserviert". Dieser Druck aus München könnte allerdings noch kommen. Das Ministerium habe sich bereits klar für einen gemeinsamen Bau ausgesprochen. Nur dann würden entsprechende Fördergelder fließen, heißt es. Dies würde auch der Grundlinie der letzten 15 Jahre entsprechen, neue psychiatrische Betten nur mehr unter einem Dach mit der Somatik zu schaffen. Eine Sprecherin des Ministeriums will dies allerdings nicht bestätigen: Die Prüfung beider Projekte, die noch in einer sehr frühen Phase seien, erfolge ausdrücklich "ergebnisoffen".

Und so dämpft nicht nur Günther Pfaffeneder die Erwartung, dass schon in wenigen Jahren eine neue Klinik eröffnet werden könnte. "Ich weiß, wie lange so etwas dauert", sagt er mit Blick auf die andauernden Baumaßnahmen in Rosenheim und in Prien. Pfaffeneder will sich zur Zeitschiene daher gar nicht äußern, andere Schätzungen gehen von "vielleicht fünf" bis "realistischerweise zehn" Jahren. Eine Vorentscheidung dürfte aber wohl 2012 fallen.

Immerhin scheint klar, dass der Krankenhausstandort Wasserburg nicht nur für die Psychiatrie, sondern auch für die somatische Versorgung dauerhaft gesichert ist. Das dürfte für die Menschen hier vorerst die wichtigste Botschaft sein.

Wasserburger-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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