Krippen nur, wenn "nicht obszön"

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Ferdinand Steffan und Verlegerin Stephanie Bertram mit den ersten Exemplaren vom "Wasserburger Krippenbuch".

Wasserburg - Ein Stück Wasserburger Geschichte präsentierte Heimatpfleger Ferdinand Steffan zahlreichen Zuhörern im Hotel Fletzinger bei der Vorstellung seines Krippenbuches.

Seit dem Frühjahr hatte Steffan zusammen mit vielen Helfern alte Bilder und Dokumente zusammengetragen und verschiedenste Krippen von Kirchen, Institutionen und Privatleuten besichtigt. Dabei kam so manches wertvolle Kleinod im barocken oder neapolitanischen Stil zum Vorschein, dessen Herkunft und Geschichte nun einen Platz im pünktlich zur Vorweihnachtszeit erschienenen Band gefunden hat.

Ferdinand Steffan ging in seinem kurzweiligen Vortrag auf die Entstehung des Krippenbuches ein und hatte Anekdoten zu den auf Leinwand gezeigten Fotoaufnahmen parat. Er blickte dabei auch auf Krippenschauen in der Vergangenheit zurück.

Bereits Anfang des 17. Jahrhunderts habe es in Wasserburg Krippenbauer gegeben, deren Tradition auch in der heutigen Zeit fortgeführt werde. Eine Unterbrechung dieser Kunst gab es allerdings um das Jahr 1803 im Zuge der Säkularisation und dem damit einhergehenden Krippenverbot. Laut Kirchenarchiv mussten zwei Wasserburger Mesner damals einen offiziellen Antrag bei Kirche und Stadtrat einreichen, um die Erlaubnis zum Aufstellen einer Krippe zu erhalten. Diese bekamen sie schließlich nur unter der Auflage, dass "keine obszönen Szenen" dargestellt werden durften.

Die Krippenfiguren waren zum größten Teil nur wenige Zentimeter groß, dabei liebevoll bemalt, und hatten feine Drähte bis in die Fingerspitzen hinein. Es gab jedoch auch stattlichere Modelle, die bis zu einem halben Meter hoch waren. So füllte die Herbergssuche von Maria und Josef bisweilen den kompletten Altarraum in der evangelischen Christuskirche.

Außergewöhnlich war die große mechanische Krippe im Pfarrhof von Attel, die bewegte Szenen zeigte. Zum Nachspannen der vielen Schnüre mussten bisweilen die Ministranten unter das imposante Gehäuse kriechen.

Selbst die heimische Wirtschaft profitierte vom regen Wasserburger Krippenwesen. So warb der Wachszieher Surauer regelmäßig vor Weihnachten in der Zeitung für seine wächsernen Köpfe für Krippenfiguren und Jesuskindl.

Steffan listete in seinem Vortrag zahlreiche Krippen auf, die in den verschiedenen Kirchen, aber auch in Altenheimen aufbewahrt und jedes Jahr zum heiligen Fest aufgebaut werden. Besonders ans Herz legte er den Anwesenden die mehr als drei Meter lange Krippe in der Kirche St. Raphael in Gabersee. Diese ist das ganze Jahr über aufgebaut und wachse so beständig weiter, da jeder Besucher Figuren oder Dekorationen dazustellen könne. "Bei genauerem Hinsehen erkennt man sogar den Erzbischof Reinhard Marx, der mit einer Zigarrenkiste an einem Tisch sitzt."

Zur Sprache kamen auch bekannte Namen wie der des ehemaligen Stadtbaumeisters und passionierten Krippenbauers Alfons Schmitt, des großen Krippensammlers Pfarrer Ludwig Bauer oder von Bildhauer Sebastian Osterrieder. Letzterer "hat sogar weite Reisen in den Orient gemacht, um Beduinen und andere orientalische Figuren originalgetreu nachbilden zu können", so Steffan.

Abschließend sprach er von einer sehr lebendigen Krippentradition in Wasserburg, welcher sich erfreulicherweise immer wieder engagierte Bürger neu annähmen. Einen besonderen Dank richtete der Autor an seine Mitarbeiter, die ihm bei der Bearbeitung von Bildern oder beim Sichten von alten Fundstücken geholfen hatten, ehe er noch zahlreiche Exemplare des Wasserburger Krippenbuches signierte.

"Wasserburger Krippenbuch", Verlag Wasserburger Bücherstube, 106 Seiten, 19,90 Euro.

reg/Wasserburger-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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