Aus krumm mach' gerade

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Restaurator Theo Holtebrinck (rechts) und sein Mitarbeiter setzen die schwere Kuppel auf. Im Anschluss werden sie den ganzen Ofen noch mit Graphit behandeln, damit die Oberfläche wieder einheitlich wirkt.

Wasserburg - Viele Hausbesitzer nutzen die warmen Sommertage, um Wartungsarbeiten an ihren Heizungsanlagen vornehmen zu lassen.

Die Stadt macht es nicht anders: Instand gesetzt wurde dieser Tage ein spätbarocker Ofen im kleinen Rathaussaal.

Das Schmuckstück im kleinen Rathausaal ist nur noch schöne Kulisse, zum Beispiel bei Trauungen, wird wegen seines hohen Wertes seit vielen Jahrzehnten nicht mehr beheizt. "Wir haben beim Abbau unverbrannte Zeitungsreste aus dem Jahr 1960 gefunden", sagt Theo Holtebrinck, Inhaber einer auf Restaurierung und Wiederaufbau antiker Öfen spezialisierten Werkstatt aus Bad Heilbrunn.

Seit einer Woche ist er mit seinem Mitarbeiter David Stritzkowsky damit beschäftigt, den bereits vor der Großen Kunstausstellung abgebauten und zwischenzeitlich in seiner Werkstatt restaurierten Ofen aus dem Spätbarock im ersten Stock des Rathauses wieder aufzubauen. "Restaurierungen sind immer ein besonderes Geduldsspiel. Die Kunst besteht darin, aus krummen Kacheln wieder einen geraden Ofen zu bauen."

In einem sehr schlechten Zustand befand sich besonders der obere Teil des Ofens. Dieser besteht aus Keramikplatten, die mit zahlreichen Rissen durchzogen waren. Aufgemauert ist die Tonware auf einem Brennraum aus Gusseisen. "Metall gibt Wärme schneller ab, dafür speichert Keramik besser" erklärt Theo Holtebrinck die Materialwahl in früheren Zeiten.

Um dennoch ein einheitliches Erscheinungsbild zu erhalten und die eisernen Teile vor Rost zu schützen, wurden alle Bauteile traditionell mit Graphit behandelt. Theo Holtebrinck legt nicht nur bei dem Ofen aus dem kleinen Rathaussaal besonderen Wert darauf, bei seinen Restaurierungen nur historische Materialien zu verwenden. Sei es wie hier Graphit oder bei anderen Stücken Lehm beziehungsweise Alabastergips.

Festgestellt hatte man die Schäden an dem Jahrhunderte alten Ofen beim Aufzugbau im Rathaus. Wegen möglicher Bauschäden durch Erschütterungen wurde das ganze Gebäude mehrmals besonders in Augenschein genommen. Theo Holtebrinck glaubt aber nicht, dass die Bauarbeiten Schuld an den Rissen waren. Vielmehr, so vermutet er, scheint irgendwann ein Gegenstand auf die Kuppel gefallen zu sein, da diese besonders stark beschädigt war.

Wer den Ofen aus dem Jahr 1731 - die Füße in Löwenform sind noch älter und stammen bereits aus der Renaissance - in Augenschein nehmen möchte, der besucht am besten eine Rathaussaalführung, die ab 6. September wieder regulär angeboten werden.

Offenes Rathaus, offenes Denkmal

Gleich viermal an einem Tag gibt es anlässlich des Tags des offenen Denkmals am Sonntag, 11.September, die Gelegenheit. Unter dem diesjährigen Motto "Romantik, Realismus, Revolution - Das 19. Jahrhundert" finden unter anderem Führungen durch die Rathaussäle statt. Um 10, 14, 15 und 16 Uhr heißt es jeweils "Von Tanzhaus, Brothaus und Justicia"; Treffpunkt ist das Foyer des Rathauses, die Führungen sind kostenlos.

re/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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