Barriere Bordsteinkante: Kühner Sprung

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Endstation für Tobi Haller beim Versuch von der Neustraße kommend die Straßenseite zu wechseln. Der Stadtrat zeigte, dass er anpacken kann, setzte Hallers Elektrorolli um.

Wasserburg - Wie macht man eine mittelalterliche Stadt barrierefrei? Das ist an manchen Stellen ganz einfach, an anderen aufwendiger und manchmal geht es nicht.

Stadträte und Bürgermeister, Vertreter der Verwaltung sowie die Behindertenbeauftragte Elfriede Weiherer und der Leiter der "Jungen MS-Gruppe Wasserburg", Tobias Haller besichtigten einen Großteil der Altstadt, um Ideen für eine weitgehende Barrierefreiheit zu entwickeln.

Dabei zeigte sich die Seniorenbeauftragte und Initiatorin des Rundganges, Friederike Kayser-Büker, zufrieden mit dem Engagement des gesamten Stadtrats, der sich fraktionsübergreifend mit großem Eifer dem Thema annehme. Als Seniorenbeauftragte werde sie oft von älteren oder behinderten Menschen auf einige verkehrstechnisch schwierige Stellen für Fußgänger mit Krücken oder Rollator angesprochen und aus eigener Erfahrung könne sie sagen, dass es auch mit Kinderwagen nicht immer einfach sei.

Mit einer Stoffsammlung sollten nun Lösungsvorschläge für die neuralgischen Punkte zusammen getragen werden. Dabei sind einige Problemstellen, wie beispielsweise zu hohe Kanten für Rollatoren beim Zebrastreifen an der Max Emanuel Kapelle mit einer Abschrägung einfach nachzubessern.

Für die bessere Zugänglichkeit des Bürgerbüros wurden drei Varianten angedacht. Vorgeschlagen wurde die Anbringung eines Treppenlifts, ein neuer Zugang von der Frauengasse, um den Vorraum mit zu nutzen oder ein neuer Zugang von der Herrengasse, der aber wohl eher nicht verwirklicht werden soll.

In den letzten zehn Jahren sei in Punkto Barrierefreiheit schon viel geschehen, betonte Stadtbaumeister Manfred Förtsch-Menzel und bei jedem neuen Bauvorhaben werde sie automatisch mit berücksichtigt. So sei die Behindertenbeauftragte voll in die Planungen zur Umgestaltung des kompletten Bahnhofsvorplatzes eingebunden gewesen und bei allen neuen Bauvorhaben würden die Hauseigentümer mit einbezogen. So könnten beim geplanten Umbau des "Hinteregger-Hauses" am Marienplatz die Stufen unter den Arkaden mit einer Rampe und einer Treppe beseitigt werden, auf Höhe des "Kernhauses" könnten die Stufen mit einer Rampe in Richtung Marienplatz umgangen werden.

Eine Teillösung kann auch beim Übergang zum Friedhof Im Hag erzielt werden. Mit der Errichtung eines Podests könnte auf Seiten der Beamtenfachhochschule der Höhenunterschied behoben werden. Ob sich damit auch die Möglichkeit zur Genehmigung eines Zebrastreifens ergibt, der bisher aufgrund fehlender Aufstellflächen stets abgelehnt wurde, bleibt jedoch fraglich, denn von der Friedhofsseite her fehlt laut Bürgermeister Michael Kölbl die geforderte Sicht auf die Warteflächen.

Abhilfe gibt es für den Bereich Bahnhofsplatz/Weberzipfel. Hier wird der Bordstein auf Höhe Gartner auf beiden Seiten abgesenkt. Schwieriger wird es da schon im Bereich Auf der Burg. Mit einem Fahrbahnteiler und einer Mittelinsel sowie der kompletten Absenkung der Gehwege soll hier eine Querungshilfe zur Neustraße geschaffen werden. Auch die Treppe Auf der Burg Richtung stadteinwärts könnte umgangen werden und anschließend ein neuer Gehweg zum Altenheim führen, wo eine Ampel den Straßenseitenwechsel erleichtern soll. Doch beim Einbiegen in die Arkaden der Schmidzeile ist, nach derzeitiger Sicht der Möglichkeiten, Schluss mit der Barrierefreiheit. Denn Aufgrund der Gelände-, Gebäude- und Straßengegebenheiten sei vorerst keine praktikable Lösung in Sicht, sagte der Stadtbaumeister. Allein schon das Gefälle von rund zwölf Prozent spräche dagegen.

Auch eine Verkehrsberuhigung sei aufgrund der rund 5000 Fahrzeuge täglich derzeit nur schwer durchsetzbar. Bei einem Ortstermin mit dem Straßenbauamt sollen jedoch alle Vorschläge eingehend diskutiert werden. Bis dahin müssen gehbehinderte Anwohner einen großen Umweg über die Münchener Straße und den Bahnhof machen, um in die Stadt zu kommen.

Tobi Haller setzte seinen Weg zum Marienplatz mit seinem Elektrorollstuhl mit einem kühnen Sprung von der Bordsteinkante und einer Fahrt auf der Fahrbahn fort. Er kommt mit seiner Behinderung, nach eigener Aussage, dank seines Elektrorollstuhls gut in Wasserburg zurecht. Einzig das große Kopfsteinpflaster findet er anstrengend. Ansonsten gäbe es viele hilfsbereite Menschen, die mit anpackten, wenn es verkehrstechnisch mal nicht weitergehe.

ca/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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