Laienarbeit ist unverzichtbar für lebendige Kirche

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Agnes Ständer wurde nach vier Jahrzehnten aus dem Dekanatskatholikenrat verabschiedet.

Wasserburg - 39 Jahre lang war Agnes Ständer aus Rott Schriftführerin im Vorstand des Dekanatskatholikenrates Wasserburg. Wir haben mit ihr auf vier Jahrzehnte Laienarbeit in der katholischen Kirche zurückgeblickt.

Frau Ständer, fragen wir gleich nach Ihrem Fazit: Sind Sie eher enttäuscht oder doch zufrieden nach dieser langen Zeit der Laienarbeit?

Weder noch. Ich war immer Realistin. Aber ich bin auf alle Fälle überzeugt, dass Laienarbeit unverzichtbar ist, sonst ginge es der Kirche viel schlechter.

Warum haben Sie dann jetzt aufgehört?

Ich finde es schlimm, wenn jemand nicht loslassen kann. Außerdem bin ich vom Aufbau der Laienarbeit geprägt. Diese Ära ist jetzt vorbei, jetzt geht es darum, Vorhandenes zu erhalten. Das können Jüngere machen, und ich will etwas mehr Zeit für Familie, Musizieren und andere schöne Dinge haben. Ich bin schließlich schon 74.

Blicken wir zurück: Was war das für eine Zeit in der Kirche vor 39 Jahren?

Es war die Zeit des großen Aufbruchs nach Konzil und Synode. Die Laienarbeit wurde erst entwickelt, so auch im Dekanatsrat. Es gab damals durchaus Gestaltungsraum für die Laien, wenn auch mit Grenzen: Das letzte Wort hatte ja immer der Klerus.

Auch die Frauen mussten erst einen neuen Platz in der Kirche finden.

Richtig, das war teilweise recht spannend. Als ich die erste Kommunionhelferin in Rott wurde, gab es die ernstliche Sorge, ob die Gläubigen schon zu mir gehen würden. Das hat sich aber schnell erledigt, und da ist auch einiges besser geworden: Auch das Wort einer Frau hat heute durchaus Gewicht.

Trotzdem ist die Diskussion um die Frau in der Kirche nie verstummt.

Das hängt am Ausschluss der Frauen von den Weihen. Es tut mir weh, dass sich da nichts ändert. Beim Blick in die Bibel bin ich überzeugt, dass die Kirche nicht als Männerdomäne gewollt war. Und wer leidet unter dem Priestermangel? Die Gemeinden und damit auch sehr viele Frauen.

39 Jahre Arbeit im Dekanatskatholikenrat: Ist Ihnen das nie zu trocken oder zu theoretisch geworden?

Eigentlich bin ich ja eine Praktikerin. Und nur der Dekanatsrat hätte mich wahrscheinlich auch nicht befriedigt. Ich war immer auch in der Pfarrei oder beim Bildungswerk aktiv. Ganz ehrlich: Am Anfang war ich schon unsicher, ob es das Dekanat überhaupt braucht. Aber am Ende hatte ich doch den Eindruck, dass die Arbeit der Laien auch auf dieser Ebene das kirchliche Leben bereichert.

Wo wird für Sie das Dekanat spürbar?

Am meisten bei der gemeinsamen Wallfahrt nach Attel. Die hat sich ja zu einem richtigen Aushängeschild entwickelt.

Zum Schluss noch einmal die Frage nach einem Fazit: Die Laien...

...sind unverzichtbar in der Kirche, ob als Lektoren, Wortgottesdienstleiter, in der Caritas oder in der Bildungsarbeit, sonst wäre dieser Haufen nie so lebendig.

Die Priester ...

...haben eine große Verantwortung. Entscheidend ist, dass man einander gegenseitig respektiert - und zwar tatsächlich gegenseitig.

Ihre Sorge...

...ist, dass mit der derzeitigen Zentralisierung in immer größeren Pfarrverbänden entscheidendes Gemeindeleben verloren geht.

Ihr Wunsch...

...ist, dass die Laienarbeit Kirche im Bewusstsein bleibt, dass man von uns redet. Und dass man uns auch im Internet findet, das ist heute einfach wichtig.

Das Interview führte Karl Königbauer (Wasserburger zeitung)

Quelle: rosenheim24.de

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