Keine Müller-Verhältnisse

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Er kommt unangemeldet: Ein Lebensmittelüberwacher des Landratsamtes bei der Kontrolle eines Holzofens in einer Bäckerei im Landkreis.

Landkreis - Wie sauber geht es bei meinem Bäcker zu? Die Lebensmittelkontrolleure beruhigen: Es gebe keine "Ekel-Bäckereibetriebe" im Landkreis. Oft reicht schon ein Großputz.

Horst Winkler, Leiter der Lebensmittelüberwachung im Landkreis, hat darauf eine klare Antwort. "Bei uns gibt es keine Ekel-Betriebe", stellt er den heimischen Bäckern ein gutes Zeugnis aus.

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In der Region gibt es nach Angaben der Lebensmittelkontrolleure über 35 Bäckereien mit eigener Produktion - 31 im Landkreis und vier in der Stadt Rosenheim. Hinzu kommen rund 150 Verkaufsstellen und Filialen, die frische Brezn und Semmeln im Regal haben. Alle sechs bis neun Monate erhalten sie im Schnitt unangemeldeten Besuch von einem Kontrolleur.

"Hygiene-Polizei"

Im Landkreis achten sechs staatliche Lebensmittelüberwacher als "Hygiene-Polizei" darauf, dass die Waren sauber und ordnungsgemäß hergestellt, behandelt, gelagert und gekühlt werden. Natürlich geht es dabei nicht nur um die Bäckereien, sondern die Kontrolle aller 4000 Betriebe im Landkreis - von der Gaststätte über den Großhändler bis zum Importeur.

Mäuse und Krabbeltiere wie Käfer sind die großen Feinde der Bäcker. Sie werden vom vielen Mehl geradezu angezogen. "Das Mehl legt sich überall in den Räumen an - ohne schlüssiges Schädlingsbekämpfungskonzept geht es deshalb nicht", sagt Horst Winkler. Er weiß, wovon er redet. Schon seit 37 Jahren schaut der Mann vom Sachgebiet Gesundheits-, Veterinär- und Gewerberecht von Amts wegen Bäckern, Metzgern, Köchen und Wirten auf die Finger.

In dieser langen Zeit kann sich Winkler nicht an einen einzigen Fall erinnern, der mit den Zuständen in Neufahrn vergleichbar gewesen wäre. Trotzdem sei es in einigen Fällen zur vorübergehenden oder dauerhaften Schließung von Betrieben gekommen. Wo, wann und warum? Das will und darf er nicht sagen. Laut Gesetz müssen die Behörden die Namen von Problembetrieben nur dann öffentlich nennen, wenn dem Verbraucher gesundheitliche Schäden drohen. Und das sei nicht der Fall gewesen. Nur so viel: Bäckereien seien kaum einmal betroffen gewesen, eher treffe es schon die Gastwirtschaften.

Handelt es sich um Verhältnisse, die "nur" unappetitlich oder ekelerregend sind, wird die Sache in der Regel intern, also ohne großes Medien-Tamtam, abgewickelt. Dies soll verhindern, dass um Sauberkeit bemühte Unternehmen schon wegen einer kleineren Panne an den Pranger gestellt und in den Ruin getrieben werden. Zudem geht der Staat mit dieser eher defensiven Informationspolitik hohen Schadensersatzforderungen von betroffenen Firmen aus dem Weg.

Oft reicht ein Großputz

Wenn der Kontrolleur einen vorübergehenden Produktions-Stopp anregt, reicht oft schon ein Großputz, um die Mängel zu beheben. Es habe aber auch schon Bäckereien gegeben, die in moderne Anlagen investiert hätten, um dauerhaft mehr Hygiene gewährleisten zu können, erinnert sich Winkler. Dabei hätten die Lebensmittelüberwacher als Begleiter und Ratgeber eine wesentliche Rolle gespielt.

Für Hubert Steffl aus Vagen, Obermeister der Rosenheimer Bäckerinnung, ist ein Skandal wie bei Müller-Brot in der Region undenkbar. Bei den zwei Großbäckereien - Miedl in Bad Endorf und Bauer in Stephanskirchen - handele es sich um moderne "Musterbetriebe". Die Bäckereien kleinerer und mittlerer Größe, die nicht rund um die Uhr, sondern nur zehn bis zwölf Stunden am Tag produzieren, hätten ein ausreichend großes Zeitfenster für die Reinigung ihrer Räume. "Wir liefern hochwertige und frische Ware", versichert er. "Und wenn die Kontrolleure Kritik üben oder Vorschläge machen, nehmen das unsere Mitgliedsbetriebe dankbar auf", so der Innungs-Chef.

Oft handelt es sich bei den Mängeln und Beanstandungen um Kleinigkeiten, die nur das geschulte Auge des Prüfers sieht: der Sprung in der Fliesenwand (eine ideale Nische für Schädlinge), die Brösel in der Ecke, das kleine Loch in der Wand und der Uraltteig, der an der Maschinenrückseite klebt.

Bußgelder bringen wenig

Von Bußgeldern halten die Kontrolleure des Rosenheimer Landratsamtes übrigens wenig. Winkler: "Das zögert die Sache nur hinaus. Wir fordern stets die sofortige Behebung und sind mit diesem Mittel stets gut gefahren."

Hygiene und Sauberkeit ist das eine, die Qualität und Zusammensetzung des Produktes das andere. Deshalb bleibt es nicht beim Schauen. Regelmäßig werden Lebensmittelproben gezogen - im Landkreis Rosenheim sind es rund 3000 pro Jahr. Hierfür gibt es sogar einen nationalen Kontrollplan.

Auch Verbraucher können sich an die Lebensmittelüberwachung wenden, wenn sie in einem Geschäft in der Region ein Produkt gekauft haben, das in ihren Augen nicht zum Verzehr geeignet oder zu beanstanden ist. Oder wenn sie vermeintliche hygienische Missstände in einem Lokal oder Betrieb festgestellt haben. "Mindestens jede Woche einmal" kommt das nach Angaben Winklers vor - "und wir gehen jedem Hinweis nach." Das Erzeugnis wird dann kostenlos im Labor untersucht, der Verbraucher persönlich über das Ergebnis informiert.

Ludwig Simeth/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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