Wahlkreis Rosenheim und die Ergebnisse der Gemeinden

Spannende und kuriose Wahl-Fakten aus der Region

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Am Chiemsee gelten eigene Regeln und wo ist die Hochburg der Tierschutzpartei? Kuriose Ergebnisse und spannende Zusammenhänge
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Landkreis Rosenheim - Wasserburg ist die Linken-Hochburg in der Region, Kolbermoor AfD-Stadt und um den Chiemsee herum wird es immer grüner. Wir haben alle Details aus dem Wahlkreis Rosenheim für Sie zusammengetragen.

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Einen Tag nach der Bundestagswahl tauchen bei der Analyse der einzelnen Gemeindeergebnisse aus dem Wahlkreis Rosenheim immer mehr spannende Wahl-Fakten auf. So wird z.B. deutlich, dass die Heimatorte der Direktkandidten ihre Politiker besonders supporten.

Heimatorte stehen hinter ihren Kandidaten - mit einer Ausnahme

Schaut man sich die Erststimmen der einzelnen Kommunen an, in denen die Direktkandidaten wohnen, so wird deutlich, dass bis auf eine deutliche Ausnahme alle Gemeinden überdurchschnittlich stark für die heimischen Politiker stimmten:

Kandidat

Wohnort

Stimmen im Wohnort (in Prozent)

Stimmen im gesamten Wahlkreis (in Prozent)

Daniela Ludwig (CSU)

Kolbermoor

43,5

45,9

Abuzar Erdogan (SPD)

Rosenheim (Aising)

16,2

11,8

Andreas Winhart (AfD)

Bad Aibling

13,4

13,0

Michael Linnerer (FDP)

Raubling

8,7

7,4

Korbinian Gall (Grüne)

Neubeuern

19,6

9,4

Sebastian Misselhorn (Die Linke)

Edling

4,8

3,80

Ludwig Mayer (ÖDP)

Soyen

12,1

2,2

Mary Fischer (Freie Wähler)

Rimsting

13,5

3,3

Besonders in Rimsting, Neubeuern und Soyen scheinen die Wähler einen großen persönlichen Bezug zu den Kandidaten zu haben. Mary Fischer, Korbinian Gall und Ludwig Mayer erhielten in ihren Heimatorten rund 10 Prozentpunkte mehr, als im Durchschnitt des gesamten Wahlkreises. Nur die Kolbermoorer gaben ihrer Heimat-Kandidatin Daniela Ludwig weniger Stimmen.

Regionale Tendenzen und Unterschiede

Betrachtet man die regionalen Wahlergebnisse, so wird deutlich, dass um den Chiemsee herum mehr grün gewählt wird, in und um Rosenheim herum ist die SPD stärker. Direktkandidatin Daniela Ludwig bekam vor allem im Inntal überdurchschnittlich viele Erststimmen. Besteht hier ein Zusammenhang mit ihrer Politik rund um die Zulaufstrecken zum Brenner-Basistunnel? Die AfD war vor allem im Mangfalltal und Nord-östlichen Teil des Landkreises stärker. Besonders überraschend: In Wasserburg ergatterte Die Linke in Person von Sebastian Misselhorn 7,95 Prozent der Erststimmen.

Zahlen kurios - Wahl-Ausreißer in Stadt und Landkreis Rosenheim

Und apropos Chiemsee: Die kleinste Gemeinde Bayerns folgt ganz eigenen Regeln. Neben dem Kandidaten der Linken sahen auch die Bewerber von ÖDP, den Piraten und den BüSos kein Land. Dafür Bernhard Neumann von der Bayernpartei auf der Insel enorm stark und sogar mit Grünen-Kandidat Korbinian Gall auf Augenhöhe: Sechs Einzelstimmen reichten jeweils zu einem Ergebnis von 5,83%. Ungültige Stimmen gab es in der kleinen Gemeinde nicht: Alle 103 Wähler gaben auch korrekt ausgefüllte Wahlzettel ab, dennoch war die Wahlbeteiligung mit 63,19% sehr niedrig und weit unter dem Durchschnitt des Wahlkreises.

Als besonders tierlieb stellte sich die Stadt Kolbermoor heraus: 129 Zweitstimmen kassierte die Tierschutzpartei hier ab. Das entspricht rund 10% aller Stimmen aus dem gesamten Wahlkreis.

Städte vs. Gemeinden - Die stärksten Unterschiede 

Betrachtet man noch die Städte im Wahlkreis Rosenheim getrennt von den Gemeinden bzw. Marktgemeinden, die am Sonntag ihre Stimme abgeben durften, treten weitere, interessante Beobachtungen zu Tage: Gerechnet auf die Stadt Rosenheim, Bad Aibling, Kolbermoor und Wasserburg, holte Daniela Ludwig für die CSU dort 41,98 Prozent der Stimmen, auf die Landkreis-Gemeinden gerechnet hingegen 47.76 %. Die CSU auf dem Land also angesehener als in den Zentren.

Ebenso spannend: Die SPD mit Abuzar Erdogan ist in den Städten zweitstärkste Kraft mit umgerechnet 14,82% der Erst-Stimmen, Platz 3 geht an Andreas Winhart von der AfD mit 13,95%. In den Gemeinden tauschen beide die Plätze: Erdogan nur mit 10,47%, Winhart holt 12,53%.

Bei den restlichen Parteien wird deutlich, dass prozentual gesehen in den Städten die Grünen, die Linke, die Piraten und auch die BüSos besser abschneiden, als auf dem Land. In den Gemeinden liegen hingegen allen voran die Freien Wähler, die FDP, die Bayern-Partei und die ÖDP besser im Rennen. Im Wahlkreis Rosenheim entfallen rund ein Drittel aller Stimmen auf die Städte, zwei Drittel auf die Gemeinden. Wer in der Fläche also besser ankommt, profitiert auch beim Gesamtergebnis. Das beste Beispiel ist hier sicherlich die CSU gefolgt von der AfD.

Die besten und auch die schlechtesten Ergebnisse der größeren Parteien im Landkreis

Die treuesten Anhänger von Daniela Ludwig sitzen dann aber wohl wieder in der Gemeinde Chiemsee, dort holte die CSU-Politikerin ihr bestes Einzelergebnis im Landkreis, genauer mit 57,3% der Stimmen. Auf Platz zwei und drei folgen Eiselfing und Babensham. Ihr schlechtestes Ergebnis holte Ludwig hingegen in Wasserburg mit nur 37,8 Prozent gefolgt von Ramerberg mit 38,7% und der Stadt Rosenheim mit 40,8%. Dennoch ist hier die Spanne zwischen dem besten und dem schlechtesten Ergebnis im Vergleich zu den anderen Parteien am geringsten.

Abuzar Erdogan hingegen konnte in den eben genannten zwei der vier Städten im Landkreis besser Punkten: Sein bestes Ergebnis in Rosenheim mit 16,2 %, vor Wasserburg mit 15,4%. Platz 3 im persönlichen Ranking des Sozialdemokraten: Kiefersfelden mit 14,0%. Düster sah es hingegen in Gstadt aus: Dort holte er mit 6,0% sein schlechtestes Ergebnis. Ebenso nur fünft-stärkster Bewerber in Frasdorf mit 7,0%; in Schonstett reichten 7,2% immerhin zu Platz 4 im Vergleich mit den anderen Kandidaten.

Zu den großen Gewinnern der Wahl zählte zweifellos Andreas Winhart von der AfD. Mit 17,2% aller Erststimmen in der Gemeinde Ramerberg war er dort zweitstärkste Kraft. Auch in Kolbermoor war er mit 16,6% und in Riedering mit 16,4% stark vertreten. Schlechtestes Ergebnis: 7,5% aus Gstadt. Unter 9% dann lediglich noch Rimsting mit 8,3% und Breitbrunn mit 8,5%.

Sehr große Schwankungen sind bei Korbinian Gall von den Grünen zu beobachten. Mit großem Abstand zum Rest sein bestes Ergebnis natürlich in seiner Heimatgemeinde Neubeuern: 19,6% und zweitstärkste Kraft dort. Ebenso in Breitbrunn mit 14,1%, in Wasserburg reichten 12,7% aber nur für Platz 3. In Schechen - mit 5,2% - und der Gemeinde Vogtareuth - mit 5,9% - lieferte der junge Politiker seine schlechtesten Ergebnisse ab.

Michael Linnerer landete in nur zwei Gemeinden über der 10%-Hürde: In Rott mit 11,0% und in Gstadt mit 10,1%. Unter sechs Prozent dafür aber auch nur zwei Mal im Landkreis: in Babensham mit 5,3% und Höslwang mit 5,8%.

Zuletzt noch "Die Linke": Die Hochburg der Partei ganz klar Wasserburg mit 8,0%, gefolgt von Soyen mit 5,0% und Rosenheim mit 4,8%. Die schlechtesten Ergebnisse fuhr der Kandidat hingegen in Schechen, Höslwang und Neubeuern ein, jeweils nur 1,9% landeten hier auf seinem Konto.

Keine einzige Stimme und somit 0% konnte der Vertreter in der Gemeinde Chiemsee ergattern, Die Linke somit die Partei mit den stärksten Schwankungen im Wahlkreis.

Quelle: rosenheim24.de

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