"Katzenelend": Tierschutzverein contra Bauern

An der Quelle: Die meisten Katzen haben auf Bauernhöfen ein schönes Leben. Foto av

Landkreis - Abgemagert und krank: Tierschützer halten die unkontrollierte Vermehrung von herumstreunenden Katzen für ein Problem. Die Bauern sind gegen Kastrationsaktionen:

In den von Tierschützern gewünschten Kastrationsaktionen - auch per Verordnung - sieht der Kreisobmann der Bauern, Josef Bodmaier, angesichts des Verantwortungsgefühls der Landwirte für die Hofkatzen jedoch einen "übertriebenen Tierschutzgedanken".

Abgemagert bis auf die Knochen

60 Katzen lebten auf einem Bauernhof im Landkreis - viele von ihnen nach Darstellung von Barbara Angermaier, Vorsitzende des Tierschutzvereins, in besorgniserregendem Zustand - "krank und abgemagert bis auf die Knochen". Stellt der Fall ein typisches Beispiel für das nach Meinung der Tierschützer vorherrschende "Katzenelend" auf dem Land dar oder eher eine extreme Ausnahme? Kreisbäuerin Rosalinde Riepertinger: "Ich habe noch keinen Fall dieser Art auf den vielen Höfen, die ich kenne, erlebt." Auch eine unkontrollierte Vermehrung der Tiere kann sie nicht feststellen. Grundsätzlich ist in ihren Augen das Land ein Katzenparadies: "Besser als bei uns kann es den Tieren nicht gehen." Auf ihrem Hof leben drei Katzen, die kastriert und sterilisiert wurden. "Solche Maßnahmen sind für uns Landwirte selbstverständlich, ebenso wie der Gang zum Tierarzt."

Natürlicher Drang zum Mäusefang

Auch BBV-Kreisobmann Josef Bodmaier stellt keine besorgniserregende Problematik fest. "Wir Landwirte sind uns unserer Verantwortung für alle Tiere auf den Höfen bewusst - auch für Katzen." Fünf bis zehn davon hätten auf einem durchschnittlichen Hof problemlos Platz und fänden dort in der Regel optimale Lebensbedingungen mit der Möglichkeit, dem natürlichen Drang zum Mäusefang nachzugehen. Davon profitiere jeder Bauernhof, auch deshalb liege seinen Kollegen die Gesundheit der vierbeinigen Schädlingsbekämpfer am Herzen.

"Natürlich gibt es wie überall auch schwarze Schafe", erklärt Bodmaier. Er weist auch darauf hin, dass es oft nicht einfach ist, scheue, zugelaufene Katzen einzufangen. Und einen Wurf Junge in gute Hände weiterzugeben, sei manchmal eine Herausforderung. Verwilderte Katzen würden in der Regel jedoch schnell zutraulich, wenn sie regelmäßig ihre Milch und ihr Futter bekämen. Sie verwandeln sich bei guter Pflege vom Streuner in sesshafte Tiere und gesunde Mäusefänger, so auch die Erfahrung der Tierschützer.

Eine neue Welle von Katzenkindern im April und Mai

Im April und Mai erwartet der Verein die nächste Welle neuer Katzenkinder. Viele herrenlose unter ihnen landeten als Fundtiere im Tierheim. Es habe derzeit die Rekordzahl von 130 Katzen zu betreuen. Waschkörbe voller Jungen werden dort nach Angaben von Barbara Angermaier manchmal abgegeben.

Der Tierschutzverein Rosenheim wirbt deshalb für die Kastration freilaufender Tiere. Das befürwortet auch der Bundesverband praktizierender Tierärzte. Nicht kastrierte Kater würden sich in Revierkämpfen häufig verletzen und Infektionskrankheiten davontragen, Kätzinnen, die bis zu dreimal im Jahr Junge bekommen könnten, befänden sich oft in einem den Körper auszehrenden Gebärstress, so Pressesprecherin Astrid Behr.

Kastrationen sind jedoch teuer, mit etwa 100 Euro ist zu rechnen. In Kiefersfelden arbeitet der Tierschutzverein deshalb mit der Gemeinde zusammen, die bedürftigen Bürgern Gutscheine für den Eingriff zur Verfügung stellt. Wenn soziale Not nachgewiesen wird, sei der Verein bereit, Hilfe zu leisten, verspricht Angermaier. Auf Unterstützungsmöglichkeiten weisen auch der Tierschutzverein München und die Interessengemeinschaft "Mensch und Tier" hin.

Der Tierschutzverein Rosenheim hofft auf eine verstärkte Zusammenarbeit mit den Kommunen. Denn die Städte und Gemeinden hätten eine Aufbewahrungspflicht von vier Wochen für herrenlose Fundtiere. Diese würden in der Regel jedoch im Tierheim abgegeben und versorgt, wofür Kommunen wie Rosenheim die Fundtierkosten in Höhe von 300 bis 400 Euro (ohne Tierarztkosten) zahlen. So großzügig handhaben dies jedoch nicht alle Kommunen. In manchen Bundesländern gibt es laut Angermaier bereits Kastrationsverordnungen für herrenlose Tiere.

Der Tierärzteverband stellt allerdings fest, dass das Problem nicht allein ein ländliches, sondern auch ein städtisches darstellt. Demnach leben in Berlin 100 000 verwilderte Katzen. Der Tierschutzverein Rosenheim hat deshalb schon gehandelt: Auf dem Schrottplatz am Brückenberg ließen die Aktiven einen Großteil der dort herumstreunenden Katzen einfangen und kastrieren.

duc/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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