Agrarpolitische Sprecherin der Landesgrünen zu Gast im Landkreis

Unterwegs in agrarpolitischer Mission

Kolbermoor- Gisela Sengl, agrarpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion der Grünen, war zu Besuch auf dem Biohof Schlarb. Hierbei wurde auch politisch diskutiert:

Am Donnerstag, den 20. August, besuchte Gisela Sengl, agrarpolitische Sprecherin der Grünen Landtagsfraktion, auf Einladung des Ortsverbandes Bündnis 90/Die Grünen, den Landkreis Rosenheim. Ziel waren der Biohof Schlarb in Kolbermoor sowie eine Filmvorführung im Gasthaus Maikeller.

Gisela Sengl ist selbst Landwirtin. Gemeinsam mit Ihrem Mann bewirtschaftet sie in Sondermoning bei Chieming einen Bioland-Hof mit Gemüse-, Getreide- und Kartoffelproduktion. Die Erzeugnisse werden im eigenen Hofladen direkt vertrieben. Hierbei zeigen sich schon Gemeinsamkeiten zum Biohof Schlarb, der ersten Etappe des agrarpolitisch motivierten Besuchs der Landtagsabgeordneten. So entwickelte sich die Führung konsequenterweise zum Fachgespräch zwischen Experten, bei dem von landwirtschaftlicher Ausbildung, über Tierhaltung und Pflanzenzucht, bis hin zur starken Marktmacht weniger Konzerne verschiedenste Bereiche thematisiert wurden.

Jung und (bio)dynamisch

Max Schlarb ist 28 Jahre alt und Landwirt aus Leidenschaft. Genauer gesagt leidenschaftlicher Biobauer. Vor drei Jahren übernahm er den elterlichen Hof – der vorher lediglich als Nebenerwerb diente – und baute diesen weiter aus. Heute erwirtschaftet er auf 18 Hektar Fläche mit 25 Tonnen Kartoffeln pro Jahr, verschiedensten Gemüsesorten und einer Rinderherde mit Muttertierhaltung ausreichend, um davon seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Das Geheimnis dabei sei der Direktvertrieb über den eigenen Hofladen und verschiedene Marktstände, so der Biolandwirt.

Klasse statt Masse

Aussagen konventioneller Betriebe, dass eine biologische Bewirtschaftung mehr Aufwand bei gleichzeitig geringeren finanziellen Erträgen bedeute, tut der Jungbauer als Aberglauben ab. "Bio macht oft sogar weniger Arbeit! Außerdem macht es viel mehr Spaß und ist schlicht und einfach gesünder", so Landwirt Schlarb. Wichtig sei, dass man auf Qualität und nicht auf Quantität achte. "Es geht nicht darum, möglichst viel anzubauen, sondern eben das, was gut schmeckt und den Kunden überzeugt."

Gisela Sengl pflichtet ihrem jungen Kollegen umfänglich bei. Beide wünschen sich zudem seitens der Verbraucher mehr Wertschätzung für gute Lebensmittel und deren Erzeugung. Die Fachfrau sieht hierbei die oberste Politikerriege in der Verantwortung. So hätte es sehr große Vorbildfunktion, würde die Bundeskanzlerin öffentlichkeitswirksam einen Biohof besuchen, "um dort das gute Gemüse zu schmecken", so Landtagsabgeordnete Sengl.

Kampf dem Höfesterben

Am Abend lud der Grüne Ortsverband zur Filmvorführung nach Rosenheim. Gezeigt wurde "Der Bauer und sein Prinz", eine Dokumentation über Prince Charles' "Duchy Home Farm" und wie der Prince of Wales diese mit seinem Farmmanager David Wilson seit vielen Jahren ökologisch und erfolgreich bewirtschaftet.

In diesem Rahmen sprach Gisela Sengl zur landwirtschaftlichen Situation im Freistaat wie auch bundesweit. Ihr größtes Ziel sei es natürlich, alle bayerischen Höfe bestmöglich zu "ökologisieren". Es sei aber vor allem grundlegend wichtig, überhaupt die landwirtschaftliche Struktur – die Höfe als solche – in Bayern zu erhalten. "Natürlich besteht die Gefahr, beispielsweise angesichts der Milchkrise, dass immer mehr Bauern aufhören. Dagegen müssen wir etwas tun, schließlich wollen wir nicht irgendwann Milch aus neuseeländischem Milchpulver trinken müssen", so die Landesgrüne.

Ein besonderes Anliegen sei ihr auch ein Wandel der Ernährungspolitik. Die Lebensmittelpreise müssen endlich die ökologische und soziale Wahrheit sprechen. So dürfe es nicht sein, dass der Wettbewerb einiger weniger, aber marktbeherrschender Anbieter, die Preise dermaßen drücke. Und auch mehr Transparenz bei der Lebensmittelkennzeichnung sei geboten. "Die Entscheidung mündiger Konsumenten, was auf deren Tellern landet, darf nicht weiter durch die Profitgier der Nahrungsmittelkonzerne künstlich erschwert werden", so die Rednerin. Dafür werde sie sich auch künftig mit ganzer Kraft einsetzen.

Pressemitteilung Bündnis 90/Die Grünen Ortsverband Rosenheim

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © Bündnis 90/Die Grünen Ortsverband Rosenheim

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