Betriebe suchen Nachwuchskräfte

"Integration als Schlüssel zur Lösung des Azubimangels"

Landkreis Rosenheim – Die Anzahl der Ausbildungsverträge stagniert. Betriebe im ganzen Landkreis suchen Nachwuchskräfte.

Trotz aller Anstrengungen in der Lehrlings- Akquise haben die Unternehmen im IHK-Gremiumsbezirk Rosenheim auch 2015 nicht mehr Nachwuchskräfte gewinnen können: Die Betriebe aus Industrie, Handel und Dienstleistung stellten wie schon im Vorjahr 1.238 Auszubildende neu ein. Dies geht aus der aktuellen Ausbildungsstatistik der IHK für München und Oberbayern hervor. Dabei sieht die Situation für die Unternehmen im Landkreis Rosenheim etwas positiver aus. Hier stieg die Anzahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge um drei Prozent. In der Stadt Rosenheim gingen die Neuabschlüsse dagegen im vergangenen Jahr insgesamt um fünf Prozent zurück.

„Die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen ist ungebrochen. Doch es gehen ihnen schlichtweg die Azubis aus und das stellt die Betriebe bei der Fachkräftesicherung vor riesige Probleme“, sagt Sebastian Bauer, Vorsitzender des IHK-Gremiums Rosenheim. Besonders groß ist der Azubi-Mangel in den kaufmännischen Berufen (minus 7 Verträge). Vor allem das Verkehrs- und Transportgewerbe (insgesamt minus 14 Verträge), die Banken (minus 13 Verträge), der Groß- und Außenhandel (minus 10 Verträge) sowie das Hotel- und Gastgewerbe (minus 7 Verträge) konnten weniger Lehrlinge einstellen.

Mehr als 2200 freie Ausbildungsplätze

Insgesamt wurden der Arbeitsagentur im vergangenen Jahr mehr als 2.200 freie Ausbildungsplätze für die Stadt und den Landkreis Rosenheim gemeldet. Da von blieben jedoch mehr als 200 (Stichtag 30. September) unbesetzt. Gleichzeitig verzeichnete die Agentur für Arbeit nur noch 18 unversorgte Ausbildungsbewerber.

„Es ist höchste Zeit, zu handeln“, mahnt Bauer. „Flüchtlinge könnten dabei der Schlüssel zur Lösung des Azubimangels werden“. Dazu sei die rasche und zielgerichtete Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt dringend notwendig. „Das von den bayerischen IHKs entwickelte ‚3+2 Modell‘ hat letztendlich be wirkt, dass Asylbewerber, die eine Lehre aufnehmen, nicht nur für die Dauer ihrer dreijährigen Ausbildungszeit ein Bleiberecht haben, sondern darüber hinaus auch in den folgenden zwei Jahren nicht abgeschoben werden dürfen“, betont Bauer.

Jugendliche Asylbewerber auf das Berufsleben vorbereiten

Derzeit erlernen in der Stadt und dem Landkreis Rosenheim 258 ausländische Jugendliche einen Ausbildungsberuf bei Industrie-, Handels- oder Dienstleistungsunternehmen. Ihr Anteil an den insgesamt 3.088 Auszubildenden in IHK-Berufen liegt momentan bei 8,4 Prozent. In vier Berufsintegrationsklassen in der Stadt Rosenheim und in zwölf Klassen an der Berufsschule Wasserburg am Inn werden außerdem mehr als 200 jugendliche Asylbewerber auf das Berufsleben vorbereitet.

Damit die Integration in den Arbeitsmarkt weiter Fahrt aufnimmt, wird die Wirtschaft selbst in Vorleistung gehen: Dazu stellen die bayerischen IHKs acht Millionen Euro für berufs- und ausbildungsbegleitende Sprachförderung, den Aufbau von Unterstützungsstrukturen oder die spezifische Fortbildung von Ausbildern für Flüchtlinge zur Verfügung. Dazu hat die IHK einen ersten Leitfaden mit allen wichtigen Informationen rund um die Themen Ausbildung und Beschäftigung von Asylbewerbern zusammengestellt (abrufbar unter www.muenchen.ihk.de/fluechtlinge). „All diese Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel werden aber erst langfristig greifen“, betont Bauer.

Insgesamt sind derzeit 824 IHK-zugehörige Unternehmen in der Region in der Ausbildung aktiv und stehen für fast 60 Prozent aller Ausbildungsverhältnisse.

Pressemitteilung IHK München und Oberbayern

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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