Das wird recycelt und das wird verbrannt

Lohnt sich die Mülltrennung?

Landkreis Rosenheim - Viele Bürger halten aber hartnäckig an dem Gerücht "Des werd ja sowieso ois zamgschmissn' " fest und vernachlässigen daher die Mülltrennung. Doch wie viel Müll wird tatsächlich recycelt? rosenheim24.de hat beim Landratsamt nachgehakt:

Vor zwei Wochen hat das Landratsamt Rosenheim den Abfallwirtschaftsbericht für das Jahr 2016 vorgestellt. Dieser zeigt eine freudige Entwicklung: immer mehr Menschen sind bereit ihren Müll zu trennen.Die Verwertungsquote liegt derzeit bei erfreulichen 75,1 Prozent.

Die Verwertungsquote stellt die auf dem Wertstoffhof gesammelten Abfälle dar. Dem gegenüber steht der Haus- und Sperrmüll sowie Sortierreste wie Fehlwürfe, Verschmutzungen oder Anhaftungen aus der Wertstoffsammlung. Dieser Müll wird in der sogenannten "thermischen Behandlung" verbrannt. 

Durch die Verbrennung entsteht danke der Wärme Energie, aber der Restmüll wird beispielsweise auch für Deponiebaumaßnahmen oder Lärmschutzwälle genutzt. 

So unterschiedlich wird Müll verwertet: 

Die restlichen 75,1 Prozent werden unterschiedlich recycelt. Einerseits werden Abfälle stofflich recycelt, das bedeutet, der Müll erfüllt nach der Aufbereitung und Behandlung wieder seinen ursprünglichen Zweck (Beispiel: aus Altglas wird wieder Glas hergestellt).

Neben der stofflichen Verwertung gibt es auch die Kompostierung oder die energetische Verwertung. Das Landratsamt hat eine Übersicht über die verschiedenen Arten der Verwertung zusammengestellt: 

  • Altpapier, Altglas, Altmetall, CD’s, Altöl, Frostschutzmittel, Fixierer, Entwickler,PU-Schaumdosen (nicht die möglicherweise noch enthaltenen Inhalte), die Metalle aus den Elektro-Altgeräten und aus den Haushaltsbatterien sowie Fahrzeugbatterien werden stofflich recycelt
  • Altholz sowie die Kunststoffe aus den Elektroaltgeräten werden teils stofflich und teils energetisch verwertet
  • Grünabfälle werden größtenteils kompostiert und sind Ausgangsmaterial für die Erdenherstellung. Ein Teil wird aber auch energetisch als Ersatzbrennstoff oder zur Biogasproduktion eingesetzt.
  • Bioabfälle werden ebenfalls zunächst energetisch zur Biogasproduktion und anschließend als Dünger in der Landwirtschaft oder zur Erdenherstellung verwendet.
  • Altreifen werden im Zementwerk als Brennstoff eingesetzt und sparen damit Primärenergieträger ein.

Bei Papier, Holz, Glas, Grünabfällen oder Elektrogeräten lohnt sich die Fahrt zum Wertstoffhof also definitiv. Doch wie sieht es mit Leichtverpackungen aus?

Leichtverpackung ist nicht gleich Leichtverpackung

"Die Leichtverpackungen werden nicht einheitlich verwertet. Je nach Qualität gehen sie ins stoffliche Recycling oder aber auch in die energetische Verwertung. Hohe stoffliche Verwertungsquoten hat man zum Beispiel bei den Fraktionen Aluminium und Weißblech aber auch bei Kunststofffolien oder -becher, sofern die Sortierkriterien eingehalten sind. Nur zu einem geringen Anteil für’s stoffliche Recycling geeignet sind hingegen die Mischkunststoffe.", erklärt Herr Fischer vom Landratsamt Rosenheim.

Vereinfacht gesagt: Blechdosen, Aluminium, große Kunststofffolien, weiße Plastikbecher sowie Plastikflaschen werden stofflich verwertet. Daher lohnt es sich auf jeden Fall, diese Abfälle zum Wertstoffhof zu bringen. Alle anderen Leichtverpackungen können auch im Hausmüll entsorgt werden. 

Wieso kein gelben Sack im Landkreis Rosenheim?

Aus vielen anderen Landkreisen und Gemeinden kennt man ihn bereits: den gelben Sack. Dieser ist für die Entsorgung von Leichtabfällen in privaten Haushalten gedacht, welche dann in regelmäßigen Abständen von der Müllabfuhr abgeholt werden. Klingt zunächst sehr sinnvoll. Wieso gibt es den "gelben Sack" nicht im Landkreis Rosenheim?

"Im Landkreis Rosenheim fiel die Entscheidung nach Abwägung der Belange und in Abstimmung mit den dualen Systemen auf die so genannte sortenreine Erfassung über die Wertstoffhöfe", antwortet Fischer. Das duale System verpflichtet Hersteller von Produkten, die Verpackungsmüll verursachen, eine Abgabe für die Entsorgung zu zahlen.

"Bei der Ausgestaltung des Sammelsystems vor Ort kann der Landkreis nicht frei entscheiden, sondern muss sich mit den dualen Systemen abstimmen. Zu berücksichtigen sind außerdem örtliche Gegebenheiten wie Größe und Topografie des Entsorgungsgebietes, Bevölkerungsdichte und –struktur", erklärt Fischer weiter.

Ein weiteres Problem stellen Fehler bei der Mülltrennung dar. Die Fehlwurfquote beim "gelben Sack" liegt bei 30 bis 40 Prozent. Außerdem klagen Bewohner der  Landkreise mit dem "gelben Sack" oftmals mit Platzmangel und Geruchsproblemen. Die Grünen schlagen sogar vor, den "gelben Sack" aus diesen Gründen bundesweit abzuschaffen. 

"Letztlich ist festzustellen, dassjedes Erfassungssystem ein Kompromiss ist. Ein System, das die Belange jeder Einzelperson zur Gänze berücksichtigt, wird sich schwerlich finden lassen", so Fischer. 

"Der Mensch kann sehr gut sortieren"

Außerdem ist es sehr wichtig, dass Müll korrekt getrennt wird. Herr Fischer gibt ein Beispiel: "Wenn PCB-haltige Flüssigkeiten im Altölsammelbehälter entsorgt werden, ist der Inhalt des ganzen Tankzugs für’s Recycling unbrauchbar geworden." 

Man kann also viel falsch machen bei der Mülltrennung. Daher ist es wichtig, sich ausreichend zu informieren und das Fachpersonal an Wertsoffhöfen zu fragen. 

"Unser Appell ist somit, es bei der Abfalltrennung genau zu nehmen. Und generell gilt: Der Mensch kann sehr gut sortieren. Die besten Ergebnisse für die Umwelt erzielt man, wenn die Stärken des menschlichen Zuordnungsvermögens mit den maschinellen Techniken kombiniert werden", betont der Sprecher des Landratsamtes. 

Landratsamt Rosenheim/Joanna Thurow

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Zurück zur Übersicht: Landkreis Rosenheim

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser