Lernen in kleinen Klassen

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Die Zahl der Grundschüler in Stadt und Landkreis Rosenheim sinkt weiter. Für 11240 Kinder beginnt heute wieder der Ernst des Lebens.

Landkreis - 2688 Abc-Schützen starten heute, mit prall gefüllten Schultüten und Lampenfieber, in den "Ernst des Lebens". Die Lernbedingungen sind so gut wie nie zuvor.

Totz eines erneuten Schülerrückgangs werden 121 erste Klassen gebildet - mit einer durchschnittlichen Stärke von nur 22 Kindern.Der allgemeine Rückgang der Schülerzahlen setzt sich jedoch weiter fort: Zum neuen Schuljahr besuchen 298 Kinder weniger die 60 Grundschulen in Stadt und Landkreis. Dieses Minus entspricht der Stärke einer großen Grundschule. Trotzdem sind aktuell im Schulamtsbezirk keine ländlichen Schulen existenziell bedroht, gibt Schulamtsleiter Wolfgang Tauber Entwarnung. Für Kleinststandorte gibt es nach seinen Informationen zahlreiche Modelle, die den Erhalt garantieren - etwa den Zusammenschluss mit einer größeren benachbarten Grundschule.

Das Blickfeld von ABC-Schützen ist noch rund 30 Prozent kleiner als das von Erwachsenen. Sie können nicht über parkende Autos sehen und auch Geschwindigkeit und Bremsweg eines Autos nicht richtig einschätzen. Viele Kinder glauben, ein Auto könne auf der Stelle stehen bleiben, sagt Stefan Sonntag vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd. Um Unfälle zu vermeiden, wird die Polizei in den nächsten Tagen verstärkt die Schulwege überwachen.

Stefan Sonntag bei Radio Charivari:

O-Ton

Während die Zahl der Grundschüler in Stadt und Landkreis von 11538 auf 11240 zurückgegangen ist, konnte erstmals nach Jahren der Einbruch bei der Mittel- beziehunsgweise Hauptschülern gestoppt werden: Die Zahl von 5946 aus dem vergangenen Jahr wurde nur um einen Schüler unterschritten. "Dies ist ein Signal dafür, dass die Mittelschule bei den Eltern positiv wahrgenommen wird und die neuen Mittelschulverbünde sich bewährt haben", ist Tauber überzeugt. Die Mittelschulentwicklung, die bayernweit zu 14000 Mehranmeldungen als prognostiziert führte, hat auch das Staatliche Schulamt in Rosenheim bei den Planungen in Atem gehalten. Denn der zusätzliche Hauptschullehrerbedarf musste erfüllt werden. In Stadt und Landkreis bediente sich das Schulamt vor allem der Hauptschulpädagogen in der mobilen Reserve. Diese weist jedoch für den absehbaren hohen Vertretungsbedarf - vor allem im Winter - nach wie vor ausreichend Personal auf, betont Tauber. "Die Grundversorgung mit Lehrkräften und Stunden zur Abdeckung des Pflichtunterrichts ist gesichert", ergänzt der Schulamtsleiter.

Im vergangenen Jahr wurden bei Schulwegunfällen in Bayern 719 Kinder verletzt; drei starben.

Noch nie zuvor in der Geschichte des Schulwesens hat sich das Bildungswesen außerdem so vielfältig und individuell zugeschnitten auf die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen präsentiert. 64 der 812 Grund- und Mittelschulklassen werden mittlerweile ganztags angeboten - fünf mehr als im vergangenen Schuljahr. In Kolbermoor, Wasserburg, Rosenheim-Happing und Feldkirchen-Westerham gehen sogar Abc-Schützen ganztags zur Schule, teilt Schulrat Edgar Müller mit. Gebundene Ganztagsklassen gibt es mittlerweile an 17 Grund- und Mittelschulen, offene Ganztagsangebote an 13 Mittelschulen, zusätzlich 174 Gruppen für Mittagsbetreuung an den Grundschulen.

Noch nie zuvor drückten in Stadt und Landkreis außerdem so viele behinderte Kinder mit nichtbehinderten gemeinsam die Schulbank. Drei der neun neuen Schulen mit von der Regierung anerkanntem Inklusionsprofil in Oberbayern sind im Landkreis verwurzelt, freut sich die zukünftige stellvertretende Schulamtsleiterin Helga Wichmann. An den Grundschulen Erlenau und Prinzregentenstraße in Rosenheim sowie Schönau in Tuntenhausen werden weit über zehn Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf unterrichtet, unterstützt in den Inklusionsklassen durch Sonderschullehrer. Außerdem gibt es zwei neue Partnerklassen an der Grundschule Erlenau, die eng mit dem Heilpädagogischen Zentrum zusammenarbeiten, Kooperationsklassen und Einzelintegrationen.

Der Schulamtsbezirk Rosenheim setzt außerdem die Förderung pädagogischer Innovationen fort: Der Schulversuch "Mittelschule 9 plus 2", vor fünf Jahren als bayernweit einmaliges Projekt gestartet in Aising, macht Schule - auch im Landkreis, wo das Modell an der Mittelschule Wasserburg schon ins zweite Jahr geht. In Rosenheim gibt es Stütz- und Förderklassen für Grundschüler mit sozialen und emotionalen Problemen und sogar in Kooperation mit der Jugendhilfe der Stadt Auszeitklassen für Mittelschüler. Sie haben nach Informationen von Helga Wichmann im vergangenen Jahr zehn Jugendliche mit hohem sozialpädagogischem Förderbedarf genutzt, von denen nur einer nicht erfolgreich in die Regelklasse zurückkehren konnte. Die Zahl der jahrgangsübergreifenden Kombiklassen an den Grundschulen hat sich außerdem auf 20 erhöht, teilt Tauber mit. Vorreiterschule in punkto Kombiklassen und bei der flexiblen Grundschule, die je nach Lerntempo in drei bis fünf Jahren absolviert werden kann, ist die Justus-von-Liebig-Grundschule Heufeld.

Für Mittelschüler, die mehr Unterstützung benötigen, gibt es Ganztagsorientierungsklassen. Besondere Förderung erhalten nach Angaben Wichmanns auch Migrantenkinder - durch Vorkurse im Kindergarten und Crashkurse für Einsteiger, die sich vor allem an unbegleitete Flüchtlingskinder wenden.

Heike Duczek/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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