Der letzte Zivi - und die Zukunft?

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Der Letzte seiner Zunft: Manuel Anzenberger hat am Mittwoch seinen Zivildienst in der Kfz-Werkstatt der Stiftung Attl angetreten, wo er die behinderten Mitarbeiter unterstützen soll.

Wasserburg - Bis zu 36 Zivis waren es in der Stiftung Attl in Spitzenzeiten, gut 20 im Durchschnitt. Jetzt hat der vermutlich letzte Zivildienstleistende seinen Dienst begonnen.

Wieviel der neue Bundesfreiwilligendienst ausgleichen kann, das wird in der Stiftung noch vorsichtig beurteilt.

Eigentlich rechnete schon niemand mehr mit einem Neueinsteiger: Am Mittwoch hat mit Manuel Anzenberger der voraussichtlich letzte Zivi seinen Dienst in Attl angetreten. In der Kfz-Werkstatt der Inntal-Werkstätten im Klosterhof wird er Menschen mit geistiger Behinderung betreuen. Er soll sie in ihrer Arbeit anleiten und so die übrigen Mitarbeiter der Inntal-Werkstätten unterstützen.

Für den 20-jährigen Griesstätter ist das eine sinnvolle Überbrückung bis zum Herbst, wenn er wieder die Schulbank drücken wird. Sollte sich bis dahin kein freiwilliger Zivi mehr melden - theoretisch ist das bis Juni noch möglich - , wird mit ihm im September der letzte Zivildienstleistende die Einrichtung für Menschen mit Behinderung verlassen.

In Spitzenzeiten beschäftigte die Stiftung bis zu 36 Zivis. Für viele von ihnen war es auch eine berufliche Orientierung, nicht wenige sind in der Arbeit mit Behinderten hängen geblieben. Mit der Aussetzung der Wehrpflicht bleiben zukünftig diese Ersatzdienstleistenden völlig aus. Das hinterlässt eine Lücke, denn jahrzehntelang waren sie eine wichtige Stütze des sozialen Dienstleisters.

Ob und wie diese Lücke geschlossen werden kann, das wird im Moment diskutiert. In einigen wenigen Fällen muss man wohl neue Planstellen schaffen, wobei die Finanzierung in der sozialen Einrichtung ein schwieriges Thema ist. Andere Dienste wird es so einfach nicht mehr geben. Und einen weiteren Teil sollen die Freiwilligendienste auffangen, auf die von der Bundesregierung gesetzt wird.

Schon bisher gibt es ja das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) und das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ), dazu kommt der wegen des Wegfalls des Zivildienstes neu geschaffene Bundesfreiwilligendienst (BFD). Insgesamt soll es 70 000 Einsatzstellen bei den Freiwilligendiensten geben, 35 000 beim FSJ und FÖJ zusammen und 35 000 beim BFD, davon 36 in Attl.

Der Bundesfreiwilligendienst unterscheidet sich vom herkömmlichen Freiwilligendienst in wesentlichen Punkten. So gibt es beim BFD erst einmal keine Altersbeschränkungen, während beim FSJ und FÖJ mit 27 Jahren Schluss ist. Auch ist die Gestaltung des BFD wesentlich flexibler, was Einsatzdauer oder Arbeitszeit betrifft. In der Regel geht man von einem Jahr aus; möglich sind aber auch sechs oder maximal 24 Monate. Auch ist bei über 27-Jährigen Teilzeit möglich.

In der Stiftung Attl möchte man vermehrt für die Freiwilligendienste werben. Gerade für junge Erwachsene, die sich beruflich orientieren, sozial engagieren oder im sozialen Bereich die ersten Erfahrungen sammeln wollen, könnten die Einsatzstellen attraktiv und interessant sein, so die Stiftung. Eine pädagogische Begleitung der Freiwilligen ist dabei besonders wichtig, denn alle Freiwilligendienste sollen vor allen Dingen auch ein Bildungsangebot sein. Deshalb sind im BFD auch 25 Seminartage vorgesehen.

In der Stiftung Attl gibt es viele Einsatzmöglichkeiten. So ist die Mitarbeit in einer Wohngruppe oder in der Förderstätte für Menschen mit Behinderung genauso möglich wie eine Mitarbeit in einem Bereich der Inntalwerkstätten. Auch in der Haustechnik des Wohnheims bei den Elektrikern, der Schlosserei, der Schreinerei und den Hausmeistern gibt es Einsatzstellen, ebenso im Altenheim "Maria Stern". Gerade für Menschen in einer Berufsorientierungsphase "bietet sich ein weites Feld, wenn es darum geht, seine eigenen Qualitäten und Fähigkeiten auszuloten", so die Stiftung.

Der Bundesfreiwilligendienst soll das zivilgesellschaftliche Engagement von Frauen und Männern aller Generationen fördern. So heißt es in der Präambel, ausgegeben vom Bundesamt für Zivildienst. Die Freiwilligen bekommen ein Taschengeld von bis zu 330 Euro, dazu kommen Zuschüsse für Unterkunft und Verpflegung. Während des Einsatzes ist der Freiwilligendienstleistende sozialversichert.

Die Stiftung Attl ist nicht der einzige soziale Träger, der nun auf Freiwillige hofft, vermutlich aber der größte im Wasserburger Raum. Wer sich dort engagieren möchte, kann sich unter 0 80 71/ 10 25 99 oder bei martin.weidinger@stiftung.attl.de erkundigen.

re/koe/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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