Letzter Akt mit lautem "Juuubel!"

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Der Macher tritt ab: Ehrung für Erich Baumgartner, den Festivalleiter (rechts). Lenz Grasberger würdigte das Engagement des Vorstandes des Theaterkreises, der 2009 alle Fäden der Organisation des Mammutprojektes Bürgerspiel erfolgreich verknüpft hatte und nun seinen Hut nimmt.

Wasserburg - Ein letztes Mal haben 300 Aktive vor und hinter den Kulissen des Bürgerspiels 2009 auf die Theatersaison zurückgeblickt. In der Straßenmeisterei schwelgten sie beim Abschlussfest in Erinnerungen an ein aufregendes, anstrengendes und erfolgreiches Festival.

Der fröhliche und von Wehmut getragene Blick zurück auf den Theatersommer begann mit einer spektakulären Inszenierung: Zur James-Bond-Titelmusik stürmte ein schwarz Gekleideter die Bühne und ließ eine Motorsäge aufheulen. Das Opfer: ein ungeschmückter Christbaum, dessen Krone die Attacke nicht überlebte. Auf das offizielle Baumschneiden - augenzwinkernde Erinnerung an die für den Bühnenaufbau geköpfte Robinie vor dem Rathaus - reagierte Bürgermeister Michael Kölbl diesmal mit lautem Gelächter. Was ihm im Sommer die für ihn untypischen Zornesfalten auf die Stirn getrieben hatte, erwies sich bei der Nachfeier als gelungener Gag. Und bewies: Mit einem halben Jahr Abstand ist die Stimmung angesichts überwiegend guter Erinnerungen und großer Erfolge von versöhnlichen Gedanken getragen.

Vergessen sind Querelen hinter den Kulissen, die nicht ausbleiben bei einer über 400-köpfigen Mannschaft, Streitereien mit einigen Anliegern, die das abendliche Spiel vor ihrer Geschäftstür nur schwer akzeptieren konnten, Abstimmungspannen mit Hausbesitzern oder die Sorgen um das anfangs schlechte Wetter. Stattdessen war das Abschlussfest von vielen guten Erinnerungen an glanzvolle Aufführungen, die 10.000 Gäste besuchten, geprägt.

"Es war eine fantastische Stimmung in der Stadt", zog Schirmherr Kölbl in seiner Festrede Bilanz. Weit über die Grenzen der Kommune habe das Bürgerspiel Wasserburg als Kulturstadt bekannt gemacht, freute er sich. Gerne habe die städtische Rathausmannschaft Unterstützung geleistet - "auch bei der Bereitstellung von einigen Kubikmetern Holz", so Kölbl scherzhaft. Nur eins habe das Team des veranstaltenden Theaterkreises nach wie vor nicht im Griff: die Terminplanung. "Anscheinend wisst ihr nicht, dass Christbaumversteigerungen erst nach Weihnachten stattfinden", nahm der Bürgermeister Bezug auf die Motorsägenattacke.

Mit einer kräftigen Prise Humor würzte auch Regisseur Christian Huber, der ein letztes Mal in sein Festivalgewand (Lederhose, Sonnenhut, Bürgerspiel-Shirt) geschlüpft war, seinen Rückblick auf die Theatersaison. Sie habe nicht nur schöne Erinnerungen hinterlassen, sondern auch viele neue Freundschaften geknüpft, freute er sich.

Festivalleiter Erich Baumgartner stellte die vielen teilnehmenden Gruppen - von den Schiffsleuten bis zu den Stadtknechten, von der Stadtkapelle, die auch beim Abschlussfest aufspielte, bis zu den Rosserern und zum Volk - noch einmal in den Mittelpunkt seiner Dankesworte: "Das Bürgerspiel war euer Erfolg."

Außerdem habe sich sein größter Traum erfüllt: die Nachstellung eines Schiffszuges auf dem Inn. Nicht jeder Wunsch von Regisseur Huber habe sich aufgrund fehlender finanzieller Mittel erfüllen lassen, doch es sei gelungen, dem traditionellen Stück ein neues, modernes Gewand zu geben, zog Baumgartner Bilanz. Mit Blick auf "einige motzende Anlieger" stellte er sich ein letztes Mal vor sein Team: "In Wasserburg ist es halt so: Viele wollen, dass viel für die Attraktivität der Stadt gemacht wird, 'doch bitte nicht bei mir'."

Der Hausherr der zum Hauptprobenort umgewandelten Straßenmeisterei, Lenz Grasberger, verwies in seinem Rückblick auf die Symbolik der Nachfeier, die am Tag des Ehrenamtes stattfinde. Das Bürgerspiel sei ein Beispiel dafür, wie sehr die bayerische Kultur vom ehrenamtlichen Engagement der Bürger profitiere.

Die wohl beste Nachricht des Tages verkündete Wolfgang Helmdach: Das Bürgerspiel war - auch dank zahlreicher Sponsoren - finanziell ein Erfolg. Die von der Stadt gewährte Ausfallbürgschaft muss nicht in Anspruch genommen werden. "Es bleibt sogar was übrig", freute sich der Kassier, der einen Umsatz von einer halben Million Euro verwaltet hatte. "Die Spiele 2020 sind gesichert."

"Nach dem Spiel ist vor dem Spiel", betonte denn auch Sepp Christandl nach den Ehrungen des Vorstandes mit Erich Baumgartner, Jeanette Kampshoff, Lenz Grasberger und Wolfgang Helmdach.

Der Unterhaltungsteil des Abends, moderiert von Andreas Schuur, der auch selbst ein "Bürgerspiellied" zum Besten gab, war jedoch ein letztes Mal vom Rückblick geprägt: Gstanzl zum Bürgerspiel von Abt Helmut Holzner, der Auftritt des Nikolaus und zahlreiche Überraschungen garantierten eine ausgelassene Stimmung. Unzählige Male erklang, was im Sommer 2009 durch die Altstadtgassen geschallt war: der laute "Juuuuuuubel!" des Volkes.

duc/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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