"Mann des Wortes" verabschiedet

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Letzter Auftritt als Wasserburger Pfarrer: Andreas Reisberg (vorne links) nach seinem Abschiedsgottesdienst mit Dekanin Hanna Wirth. Dahinter Cordula Zellfelder, die während der Vakanz das Pfarramt leitet, und Holger Möller, gefolgt von Mitgliedern des Kirchenvorstandes.

Wasserburg - "Servus, macht's es guad!" Mit diesen Worten beschloss Pfarrer Andreas Reisberg seinen letzten offiziellen Auftritt in der evangelischen Kirchengemeinde Wasserburg.

Mit einer eindrucksvollen Feier, viel Symbolik und letztlich sehr versöhnlich beendete der anerkannte Prediger und "Botschafter an Christi statt", wie Dekanin Hanna Wirth ihn bezeichnete, seine 15-jährige Amtszeit vor Ort.

Zusammen mit viel Prominenz, zunächst in einem feierlichen Gottesdienst und anschließend offiziell auf dem Kirchenvorplatz, zelebrierte die Kirchengemeinde Reisbergs Abschied. Ab 1. September wird Reisberg den Dienst an seiner neuen Stelle in Velden antreten. Die entstandene Vakanz füllt bis auf Weiteres Pfarrerin Cordula Zellfelder unterstützt von Pfarrer Holger Möller aus.

Vor allem der Apostel Paulus beherrschte mit seinen Schriften die kirchliche Feier, in der Andreas Reisberg zunächst anmahnte sich als Mensch nicht "auf den höchsten Stuhl zu setzen". Nicht wir seien es, die Kirche machten, auch der Höchstbegabte solle Gottes Wirken anerkennen. "Wir wachsen wie die Pflanzen, wie die Kinder in seiner Gnade. Er lässt uns wachsen!", betonte Reisberg und forderte alle auf etwas aus diesem Wissen zu machen, jeder nach seinen Fähigkeiten, seiner Begabung. Dabei solle man vom Einzelnen nur fordern, was jeder gemäß seiner Begabungsrichtung, seiner eigenen Kraft leisten könne.

Er selbst habe sich in seinem Amt nicht nur als Diener der evangelischen Gemeinde empfunden sondern vor allem als Diener der Gesamtkirche Jesu. Gemeinde sei für ihn immer da, wo Menschen in Gottes Namen versammelt seien. Dankbar sei er denjenigen, die ihn ertragen aber auch getragen hätten. Dazu gehörten viele Momente des Lichtes aber auch die Bitte um Verzeihung gegenüber den Personen, denen er weh getan habe.

Großes Engagement im Bereich der Verkündigung des Wortes Gottes attestierte Reisberg die Dekanin Hanna Wirth. Sie würdigte sein beständiges Anliegen, die Menschen seiner Umgebung zu selbstbewusstem und erwachsenem Glauben hinzuführen. Sie forderte aber auch zu Versöhnung auf, sah die Chancen wechselseitigen Neuanfangs. Sein lassen, was nicht so gut gelaufen sei, gehöre genauso dazu wie das Gute zu bewahren, das Reisberg hinterlassen habe. Als Botschafter Gottes an seiner neuen Wirkstätte Velden solle "sein Herz weiterhin brennen", wünschte sie ihm.

Bei einem Stehempfang am Kirchenvorplatz nahm Andreas Reisberg dann seinen "weltlichen" Abschied. Vertrauensfrau Katrin Meindl würdigte ihn zunächst als "Mann des Wortes" und attestierte ihm, kein modischer Pfarrer gewesen zu sein sondern einer mit Standpunkt. Ähnlich äußerte sich Josef Huber, der Reisberg in seiner Funktion als stellvertretender Landrat als sympathischen, angenehmen Menschen bezeichnete. "I mag d' Leut und d' Leut mög'n mi!" träfe wohl beim scheidenden Pfarrer am besten zu. Und Velden sei schließlich nicht aus der Welt, merkte er mit einem Augenzwinkern an.

Bürgermeister Michael Kölbl brachte das Wirken Pfarrer Reisbergs mit "Leben und leben lassen" im Sinne des urbayerischen Mottos auf den Punkt. Er erinnerte aber auch an die vielen ökumenischen Begegnungen in den letzten 15 Jahren, bei denen Reisberg jeweils die Aufgabe der Kurzpredigt zugefallen sei. In Zeiten der Schwäche sei er besonders authentisch gewesen, im Umgang offen und unkompliziert.

Isolde Brandl, katholische Pfarrgemeinderatsvorsitzende, lobte sein Wirken im ökumenischen Bereich und überbrachte den Dank für das gute Miteinander, das auch auf tiefer Freundschaft mit seinem Kollegen Dr.Paul Schinagl beruhe, die weiterhin gepflegt werden solle.

Seine schulische Arbeit, besonders aber, dass er die Jugendlichen geistig da abgeholt habe wo sie jeweils gewesen seien, hob Peter Rink, Direktor des Luitpold-Gymnasiums, hervor. Er nehme mit Wehmut Abschied und wünsche sich, dass Reisbergs Saat der geistigen Tiefe aufgehen, nicht in der Wüste einer allzu "eventhaften" Kirche verdorren möge.

Mit Musik und zahlreichen persönlichen Wünschen klang schließlich ein besinnlich-heiterer Nachmittag aus.

kr/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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