Mehr Interessenten als gedacht

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Erfahrungen mit praktischer Arbeit im ökologischen Bereich: Christina Kalisch macht in der Stiftung Attl ein FÖJ.

Wasserburg - 36 Zivildienst-Stellen hatte die Stifung Attl. Mit deren Wegfall tauchte die bange Frage auf, wer die wichtige Arbeit übernehmen wird:

36 Zivildienst-Stellen hatte die Stifung Attl. Mit deren Wegfall tauchte die bange Frage auf, wer die wichtige Arbeit der Zivis übernehmen wird. Inzwischen haben sich aber mehr Freiwillige gemeldet als befürchtet.

Eine Katastrophe befürchteten vor allem die sozialen Träger, die seit Jahrzehnten mit ihren Zivis kalkuliert hatten. Mit dem Wegfall der Wehrpflicht und damit auch des Zivildienstes würden wohl auch viele Sonderleistungen wie Fahrdienst, Einzelbetreuung oder Zusatzangebote wegfallen, so die Prognose, der sich noch bis zum Juni auch die Stiftung Attl angschloss.

Dann aber kam doch eine Wende: Vor allem mit dem zweiten Abiturjahrgang dieses Jahres zogen die Anfragen nach einem frewilligen Dienst in der großen Behinderteneinrichtung spürbar an. 22 Anfragen hatte man seither, so der neue "Freiwilligenbeauftragte" der Stiftung, Martin Weidinger, fünf Mitarbeiter haben schon begonnen und weitere acht folgen Mitte des Monats.

Dabei setzt man in der Stiftung auf die ganze Bandbreite, die sich seit Juli bietet: den neuen Bundesfreiwilligendienst (BFD), der sehr flexibel und nicht altersbegrenzt ist, und die schon bekannten, in Attel aber lange nicht mehr angebotenenen Jugend-Dienste: das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) und das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ).

Letztere Stellen sind durchaus begehrt, und so freut sich Christina Kalisch (17) auch, dass sie die neu geschaffene am Attler Hof ergattert hat. Der wirtschaftet biologisch, eine Voraussetzung dafür, dass ein FÖJ überhaupt anerkannt wird. "Wir wollen noch mehr auf die Öko-Schiene, da passte das gut dazu", meint Stiftungsdirektor Wolfgang Slatosch.

Der ist wie alle anderen Beteiligten überrascht, dass es nun doch so ausschaut, als würde die Zivi-Lücke durch Freiwillige geschlossen werden können. Bei FSJ und FÖJ gab es sogar mehr Anfragen als Plätze. Haupthintergrund: Schulabsolventen wollen erst einmal ein Jahr in die Praxis, zur Berufsorientierung und um mal was anderes zu machen als lernen. So ähnlich formuliert auch Christina Kalisch ihre Motivation: "Vielleicht könnte das auch beruflich was für mich sein", meint sie. Und die Stiftung wiederum hofft, aus den Freiwilligen feste Mitarbeiter gewinnen zu können. "Das war ja auch bei den Zivis so", fasst Fritz Seipel die bisher guten Erfahrungen zusammen.

Der neue Bundesfreiwilligendienst hat da aus Sicht der Stiftung sogar noch eine Erweiterung gebracht: Jetzt können sich auch Frauen und Interessenten allen Alters sozial engagieren. Und es kann ein flexibles Angebot gestrickt werden, was die Arbeitszeit und die Vertragslänge angeht.

Das nutzt zum Beispiel Kevin Komorek aus Pfaffing, der nach der mittleren Reife mal ein wenig in den Sozialbereich hineinschnuppern und sich "nützlich machen" wollte. Nun ist er im Altenheim Maria Stern und findet es nach wenigen Tagen schon recht interessant. "Ich kann ja auch sagen, wenn ich mich überfordert fühle und etwas nicht so gerne machen möchte."

Das ist der Stiftung Attl wichtig, dann man wolle die Freiwilligen ja nicht ausnutzen und auf keinen Fall abschrecken, versichert Seipel.

Der ist wie sein Kollege durchaus zuversichtlich, dass es nicht nur am doppelten Abitur-Jahrgang liegt, dass sich heuer doch so viele Interessenten fanden. Vor allem der BFD könnte beispielsweise für Mütter oder pflegende Angehörige eine Chance zum Wiedereinstieg oder zur Nebenbeschäftigung sein. Immerhin bietet der BFD Sozialversicherung und eine wenn auch recht geringe Anerkennungs-Vergütung.

So wird in Attel auch eine 60-Jährige beginnen, die sich vielleicht einen wie auch immer gearteten beruflichen Wiedereinstieg erhofft. Alle anderen neuen "Freiwilligen" sind dagegen deutlich jünger.

Dass sich "die Sache auch unter den neuen Vorzeichen wieder einspielt", darauf hofft auch Anton Hundmaier von der Stadtverwaltung. Die hatte ihren Senioren-Fahrdienst mit Zivis abgedeckt. Jetzt fand sich ein erster Freiwilliger als Nachfolger: Tim Barthold hat am 1. September sein FSJ begonnen und den roten Mini übernommen, der für den Fahrdienst von der Sparkassen-Sozialstiftung gespendet wurde. Die Stadt ist prinzipiell auch BFD-Stelle, aber da gab es bisher noch keine Nachfrage. Hundmaier: "Wir hoffen auf die Mundpropaganda, das war auch bei den Zivis so."

Karl Königbauer (Wasserburger-Zeitung)

Quelle: rosenheim24.de

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