Mehr Tempo für das Klima

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Wasserburg - Der "Energiedialog 2050" hat in Wasserburg schon einiges angestoßen. Doch die Verantwortlichen machen auch klar: Es gibt noch viel zu tun.

Den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2020 um 40, bis 2050 um 80 Prozent reduzieren: Das ist das Ziel, das die Stadt sich gesetzt hat. Außerdem geht es darum, in einem Prozess die Sensibilität für Umwelt- und Zukunftsfragen generell zu erhöhen.

Siegfried Grob von "Projekt 21+", professioneller Begleiter des Dialogs, zog jetzt im Umweltausschuss eine gemischte Bilanz. Einerseits seien viele Ideen geboren worden und es gebe auch manchen Fortschritt. Andererseits müsse in Wasserburg schon noch "das Tempo beschleunigt werden", wenn das 2020er-Ziel erreicht werden soll.

Der Schlüssel für die CO2-Reduzierung ist Energieeinsparung. Ein Schwerpunkt der Projektarbeit lag dabei zuletzt bei Gewerbe und Industrie.

Hier wären Verbesserungen zwar in kürzester Zeit klimawirksam und auch hochrentabel. Trotzdem sei es schwierig, die Verantwortlichen für das Thema zu sensibilisieren: "Das wird extrem kurzfristig gedacht", so Grob. Er rechnete beispielsweise vor, dass in Läden durch die Stromersparnis bessere Tiefkühltruhen schon nach zwei Jahren abgezahlt sind. Trotzdem werde die Investition oft gescheut und auch auf "Contracting", also die Finanzierung durch Energie-Dienstleister, nicht zurückgegriffen.

Defizite gibt es aber auch noch bei den Bürgern. So ist die kostenlose Energiesprechstunde, die einmal im Monat angeboten wird, bisher eher schwach frequentiert. Auch hier scheuten die Hauseigentümer wohl die Kosten, die Verbesserungen erst einmal mit sich brächten, vermutete im Umweltausschuss Edith Stürmlinger. "Aber genau die Zuschüsse und Finanzierungsmöglichkeiten sind ja Inhalt der Beratung", so Jörg Plottke, einer der Fachmänner.

Schließlich ist es für die Koordinatoren des Energiedialogs auch schwierig, konkrete Daten über Veränderungen zu bekommen. Denn viele Hausbesitzer würden investieren, ohne darüber mit der Stadt oder einem Berater zu sprechen. Ein Fragebogen soll nun wenigstens bei bekannten Bauvorhaben mitgegeben werden.

Immerhin: Einen großen Brocken zur Verbesserung der Bilanz wird das Inn-Salzach-Klinikum beitragen, das derzeit umfangreich energetisch saniert. Und auch die Stadt selbst sieht sich auf einem guten Weg, etwa mit der Beteiligung an Windparks oder neuen Fotovoltaikanlagen, so am Klosterweg.

Die Stadtwerke tragen hier einen wesentlichen Teil bei. Allerdings fehlten auch dort die personellen Resssourcen, um noch mehr Tempo in Sachen Klimaschutz zu machen, bedauerte Siegfried Grob.

"Wir haben viele Ideen, aber mangels Kapazität...". Vieles sei doch nur im Ansatz vorhanden, so seine Bilanz. So seien zwar einige Blockheizkraftwerke und PV-Anlagen in Planung, "aber das müsste noch schneller gehen."

Immerhin: Der Energiedialog 2050 sei bekannt und "eine Marke" geworden, war Grob überzeugt. "Die Arbeit lohnt sich", war auch Otto Zwiefelhofer (CSU), anfangs skeptischer Mitarbeiter in den Projektgruppen, sicher. Gerade ist man dabei, die Frage des Lebensstils und -gefühls noch stärker in den Mittelpunkt zu stellen.

Dazu passte indirekt auch die Erfahrung von Energieberater Jörg Plottke: Bei energetischen Sanierungen werde vorher meist nur die Kosten- und Energieeinsparung betrachtet. "Das Plus an Wohlfühlqualität, beispielsweise wenn es im Haus nirgendwo mehr zieht, bemerken die Betroffenen erst nachher."

Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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