Meinungen sind weiter konträr

+
Die Innschleife bei Teufelsbruck ist funktechnisch eine topografische Herausforderung. Beim Informationsabend in Soyen wurden die möglichen Standorte als Grafik vorgestellt.

Soyen - Auch wenn der Funkmast nicht mehr direkt bei Teufelsbruck stehen soll: Das Thema Tetrafunk spaltet in Soyen weiter die Geister.

Die Gemeinde hatte jetzt zu einer Informationsveranstaltung eingeladen, bei der auch intensiv diskutiert wurde.

"Eine faire Diskussion", fand Soyens Bürgermeister und Moderator Karl Fischberger zum Schluss: "Wir müssen den bestmöglichen Standort finden." Dabei ging es um den digitalen Funk für Sicherheitskräfte und Rettungsdienste, für den ein Funkmast an der Teufelsbrucker Innschleife aufgestellt werden sollte, nun auf Landkreisgrund im gering besiedelten Freiberg.

Für die Basisinformationen stellten sich Polizeipräsident Gerhard Schusser vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd sowie Ulrich Wittmann von der vom Innenministerium beauftragten Firma Telent dem Publikum im "Fischerwirt" zur Verfügung. Vor allem betroffene Bürger aus Teufelsbruck, Freiberg und Koblberg waren erschienen.

Schusser stellte die Wichtigkeit des Tetrafunks für die Nutzer heraus, also Polizei, Feuerwehr, Katastrophenschutz/ Technische Hilfswerke sowie Rettungsdienste wie die Bergwacht. Er ließ keine Zweifel an der Zukunft aufkommen: "Fakt ist, der Tetrafunk kommt." Seiner Erfahrung nach sind die Nachbarländer "hoch zufrieden" damit.

In elf Ländern ist das Netz bereits in Betrieb, in acht weiteren befindet es sich im Aufbau. Für Deutschland sind dafür rund 4200 Anlagen erforderlich, gut 900 in Bayern. Dies wäre gleichbedeutend mit einer 90-prozentigen Flächenversorgung, die gefordert ist, informierte Wittfeld, 100 Standorte entfielen dabei allein auf den alpinen Bereich. Für Soyen selbst seien zwei Frequenzträger mit jeweils 20 Watt geplant. Ein Abstand von mehr als 39 Metern um den Sender sei als "bedenkenfrei" einzustufen, Standortbescheinigungen bekämen nur diejenigen Standorte, die in Summe der verschiedenen Funkstrahlungen unter den Grenzwerten blieben. Bedingt durch die besondere Topografie der Innschleife bei Teufelsbruck müsse die Basisstation "an der Kante" stehen, so Wittmann. Nur so seien sie auch für den Einsatz von Rettungsbooten hilfreich.

Zur Gegendarstellung waren Baubiologe Johannes Schmidt und Christiane von Festenberg-Pakisch von der "Diagnose-Funk"-Bürgerinitiative gekommen. Sie stellten Merkmale der Analog- und Digital-BOS gegenüber und sahen eine Gesundheitsgefährdung durch Tetra-Funk. In über 100 bayerischen Gemeinden seien bisher Standorte für den digitalen BOS-Funk abgelehnt worden, Widerstand rege sich aber in weitaus mehr Gemeinden. 63 Landkreise oder kreisfreie Städte seien mittlerweile betroffen, Suche und Ausbau der Funkmasten gehe schleppend voran. "Gebetsmühlenartig heißt es immer noch, alles in Ordnung", warnte Schmidt. Die mangelnde Demokratie mache ein Aussetzen des Ausbaus erforderlich, so die Forderung. Alternativ könne das Analognetz ausgebaut werden, "da wiss ma, was ma ham".

In der Diskussion forderte Ludwig Maier aus Hub ebenfalls ein Moratorium. Gerhard Schusser hielt dagegen, man brauche den Digitalfunk, um GPS-Daten zu übermitteln, die alte Technik brächte "nicht die Qualität".

Sepp Zenz, örtlicher Kommandant der Schlichter Feuerwehr, schilderte seine Erfahrung bei einem Fall an den Innleiten. Der analoge Funk riss ab, die Suche im Dunkeln war so kaum möglich. Er stehe zum BOS-Funk: "Ein ganz klares Ja".

Zweiter Bürgermeister Peter Müller kritisierte die ursprüngliche Geheimhaltung der Standorte. Seine Frage, nach welchen Kriterien nun Teufelsbruck ausgewählt worden sei und warum nicht auf der anderen Innseite etwas geplant würde, blieb unbeantwortet. Zu anderen Standorten dürfe er nichts sagen, so Polizeidirektor Gerhard Schusser.

Gemeinderat Peter Oberprillers Argument, warum nicht das bereits vorhandene Vodafone Netz zu nutzen wäre, wurde entgegnet, dies wäre nicht möglich, denn das sei ein privater Betrieb, der dann das Preismonopol inne hätte.

"Wir wurden von den Innwerken verkauft!", so empfand Herrmann aus Teufelsbruck, Initiator der Bürgerinitiative gegen den geplanten Masten an der Siedlung, den Hergang zu dem vormaligen Standort Teufelsbruck. Anlieger des geplanten Alternativstandortes Freiberg bedauerten: "Bei uns paar Hansln ist es wohl egal". "Der Standort Teufelsbruck ist auf jeden Fall vom Tisch", bestätigte Ulrich Wittmann von der Firma "Telent" anschließend in einem Gespräch.

Nun geht die Planung in Soyen in die nächste Phase: Das Bauvorhaben für den BOS-Masten geht als Bauplan der Gemeinde zur Bewilligung zu. Geben Gemeinde oder Grundstücksnachbarn nicht die gewünschte Einwilligung, kann diese unter Umständen durch die Regierung ersetzt werden.

mbe/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Region Wasserburg

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser