Mieterin eingesperrt: Geldstrafe

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Rosenheim - Weil er eine Aussprache erzwingen wollte, hatte ein 79-Jähriger aus dem südlichen Landkreis seine Mieterin in deren Wohnung eingesperrt.

Das sei Freiheitsberaubung, befand jetzt das Amtsgericht Rosenheim und verurteilte den Vermieter zu einer Geldstrafe.

Weil die Geschädigte erst 17 Jahre alt ist, wurde das Verfahren vor dem Jugendgericht beim Amtsgericht Rosenheim anhängig. Dem Vermieter, einem 79-jährigen Pensionisten aus dem südlichen Landkreis, wurde Freiheitsberaubung und Beleidigung vorgeworfen. Unter dem Vorsitz von Richterin Irene Köstner sollte geklärt werden, ob, wie und warum der Angeklagte die Mieterin in ihrer Wohnung einschloss.

Der ehemalige Unternehmer erklärte, er habe seine Mieterin nicht ein- sondern aussperren wollen, um ein Gespräch zu erzwingen. Es sei ein Heizungs-Ablesetermin angestanden und die Mieterin habe sich jeglicher Kontaktaufnahme verweigert. Er habe viele Male geläutet, geklopft und gerufen. Aber niemals sei die Mieterin zu einem Gespräch bereit gewesen. Dies habe wohl auch damit zu tun gehabt, dass die Mietzahlungen immer verspätet eingegangen wären. Er sei am 15. März dieses Jah-res der Meinung gewesen, er habe seine Mieterin über den Hof gehen sehen, diese habe also das Haus verlassen. Deshalb habe er dann ein Steckschloss angebracht, damit die junge Frau mit ihm sprechen müsse.

Rechtsanwalt Dr. Markus Frank erklärte, dass sein Mandant der Mieterin auch bereits fristlos gekündigt hatte und diese zwischenzeitig ausgezogen sei. Als damals dann der Freund seiner Mieterin aufgetaucht war und ihm erklärt habe, dass seine Freundin nicht aus- sondern eingesperrt sei, hätte sein Mandant die Türe selbstverständlich sofort wieder geöffnet. Der Senior gestand zu, dass er dabei wohl einige Schimpfworte verwendet habe. Er behauptete allerdings, seine Mieterin habe die Wohnung so gut wie niemals verlassen. Verpflegung habe abends immer deren Freund mit gebracht. Jener hätte auch die Miete - allerdings immer zu spät - überwiesen.

Dass der Senior über seine Mieterin nur sehr unzureichend informiert war - obwohl man quasi Tür an Tür wohnte - stellte sich heraus als die junge Frau berichtete, dass sie von Januar bis April 2011 ein Praktikum im Klinikum Rosenheim absolvierte; also durchaus regelmäßig die Wohnung verlassen hatte.

Auch musste er zugestehen, dass er damals nicht sicher sein konnte, dass es wirklich seine Mieterin war, die er beim Verlassen des Hauses gesehen haben wollte. Ebenso wenig hatte er - bevor er das Türschloss versperrte - sich nochmals versichert, dass seine Mieterin nicht möglicherweise doch in der Wohnung wäre.

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft erklärte in seinem Schlussvortrag, dass sich der Sachverhalt wie angeklagt bestätigt habe. Freiheitsberaubung sei nun einmal kein geeignetes Mittel, um selbst berechtigte Ansprüche durchzusetzen. Freilich läge dieses Vergehen im unteren Strafrahmen, so dass eine Geldstrafe von 3600 Euro hinreichend sei.

Dr. Markus Frank verwies darauf, dass es zu keiner Zeit die Absicht seines Mandanten gewesen sei, hier eine Freiheitsberaubung zu begehen. Lediglich zu einem Gespräch hätte er seine Mieterin zwingen wollen. Und das sei selbst als Nötigung nicht in einem strafbaren Bereich. Somit bleibe einzig die eingestandene Beleidigung, die wohl mit einer Geldstrafe von 450 Euro angemessen bestraft würde.

Das Gericht sah das anders. Weil der Vermieter sich nicht ausreichend davon überzeugt hatte, ob sich seine Mieterin nicht doch in der Wohnung befände, habe er zumindest "billigend in Kauf genommen" dass die junge Frau eingesperrt worden sei. Und das sei nun einmal Freiheitsberaubung - die im Übrigen normalerweise sehr viel höher bestraft würde als vom Staatsanwalt beantragt. Auch dass die Wohnung innen leuchtend rot gestrichen war könne kein Anlass sein derart zur Selbstjustiz zu greifen.

Die Richterin stimmte dem Antrag des Staatsanwaltes zu, senkte lediglich die Tagessatzhöhe, so dass der Vermieter eine Geldstrafe von 3150 Euro zu zahlen hat.

au/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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