300 Millionen in Klinikgruppe investiert

Amerang - 300 Millionen Euro wird die Freiberger Holding, zu der die Klinikgruppe Medical Park, Hotels und bedeutende Liegenschaften in Berlin und Österreich gehören, bis 2013 in die Weiterentwicklung ihrer Aktivitäten investiert haben.

Zur Halbzeit des Fünfjahres-Zeitraums, in dem bereits 170 Millionen investiert und 750 neue Arbeitsplätze in der Gruppe mit nun 2500 Mitarbeitern geschaffen wurden, zog Unternehmer Ernst Freiberger bei einem Sommergespräch mit der Redaktion auf seinem Anwesen in Amerang Bilanz.

Seit 2003 wohnt und arbeitet er wieder in Amerang, wo er 2010 auch die geschäftlichen Aktivitäten seiner Holding konzentriert hat. Doch der Puls des Unternehmens schlägt derzeit in Berlin, wo im September das momentan größte und wichtigste Projekt Ernst Freibergers an den Start geht: das Forum Museumsinsel. In der "Mitte der neuen Mitte" der Hauptstadt hat der 61-Jährige in den vergangenen zehn Jahren neun Gebäude aus drei Jahrhunderten erworben - darunter das älteste Berliner Logenhaus aus dem 18. Jahrhundert, die Gebäude der früheren Frauenklinik der Charité aus dem 19. Jahrhundert, das ehemalige Haupttelegrafenamt aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts sowie ein Beispiel der Bauhaus-Architektur, wie man es in dieser unverfälschten Form kaum noch findet.

Für die denkmalgeschützten Gebäude an der Schnittstelle des UNESCO-Weltkulturerbes Museumsinsel und dem quirligen Szeneviertel Berlins hat die Holding ein Entwicklungskonzept erarbeitet, das auf einer Geschossfläche von 100000 Quadratmetern hochwertiges Wohnen, Büros, Handel, Hotel, Raum für die Kunst und eine Führungsakademie der Telekom vereint. Die Vorarbeiten für die Revitalisierung des Quartiers sind weitgehend abgeschlossen, die ersten Mietverträge unter Dach und Fach. Die Bauanträge stehen vor der Genehmigung, das Team ist aufgestellt und hat sich vor Ort auf einer der künftig größten Baustellen des modernen Berlins eingerichtet, berichtet Freiberger.

Das Forum Museumsinsel ist ein typisches Freiberger-Projekt: mit engem historischen Bezug, an dem sich die Weiterentwicklung orientiert. Das gilt für die Revitalisierung der Gebäude ebenso, wie für die Außenanlagen als verbindendes Element, die Ernst Freiberger anlegen lässt und die sich an der historischen Gartenkultur des Viertels orientieren. Drei bis vier Jahre hat Freiberger für dieses Mammutvorhaben an der Spree eingeplant - "eine hoch spannende Aufgabe", freut er sich.

Bereits abgeschlossen ist dagegen die Komplettrenovierung des Hotels Abion in Berlin. Zum Vier-Sterne-Abion gehört nun auch die Abion Villa, ein Boutiquehotel mit 19 exklusiven Suiten für besonders anspruchsvolle Gäste. Zu dem Hotel pflegt Freiberger eine besondere Beziehung. Denn am Spreebogen, wo Berlins einziges Hotel mit eigener Bootsanlegestelle und Yacht liegt, hat er seine Hauptstadtkarriere begonnen - als 25-Jähriger mit dem Kauf einer konkursreifen Pizzaversandbäckerei in der berühmten Meierei Bolle.

Zehnte Medical-Park-Klinik

Vor zwei Jahren hat Freiberger in Berlin auch die erste Medical Park Klinik eröffnet. Die Rehabilitations-Einrichtung "Humboldtmühle" weist als Besonderheit eine Intensivstation für Schlaganfallpatienten auf. Bad Camberg in Hessen ist nach Informationen des Unternehmers ein weiterer neuer Medical Park-Standort. Hier hat das Unternehmen eine Klinik aus der Insolvenz gerettet und in eine moderne neurologische Rehabilitationseinrichtung überführt. Seit Mitte Juli sind Umbau und Modernisierung abgeschlossen. Für die zweite Eröffnung des Herbstes muss Freiberger nicht weit anreisen: Denn im September startet auch die jüngste und damit zehnte Medical- Park-Klinik "Chiemseeblick" in Bernau. Das ehemalige Erholungsgebiet der US-Armee mit wertvoller historischer Bausubstanz erinnert im Innern eher an ein Hotel als an eine Klinik, ein Anspruch, den alle Medical-Park-Einrichtungen gemeinsam haben. "Rehabilitation wird nur zum Erfolg, wenn sich die Patienten wohl fühlen", ist Freiberger überzeugt. Am früheren Firmenhauptsitz der Klinikgruppe in Bad Wiessee werden heuer außerdem der Bereich um die Klinik Am Kirschbaumhügel, die Fachklinik Bad Wiessee und der frühere Sitz der Medical Park AG an der Wallbergstraße völlig neu gestaltet und erweitert. Ziel: eine entspannte Atmosphäre für orthopädische und internistisch-kardiologische Patienten, die hier eine Oase zum Krafttanken für ein neues Leben auch nach schweren Herzerkrankungen finden sollen.

In allen Medical-Park-Kliniken hat die Freiberger Holding zwei neue, von eigenen Fachkräften entwickelte Therapiekonzepte eingeführt: eine Medizinische Trainingstherapie (MTT), die Patienten in einer Atmosphäre mobilisiert, die ihnen viel Grün und privaten Raum zum Entspannen bietet, und ein Programm vor allem für Schlaganfallpatienten, das ihnen wieder die Teilhabe am alltäglichen Leben ermöglicht.

Als viel gereister Mensch freut Freiberger persönlich auch die Tatsache, dass die Patienten aus 39 Staaten kommen. Über 1000 Patienten aus dem Ausland lassen sich jährlich in den bayerischen Medical-Park-Kliniken behandeln und bringen mit ihren Familien und Begleitpersonen in der Regel viel Kaufkraft in die Region, so Freiberger.

Als aktives Mitglied im Kuratorium der "Universität Bayern e.V." liegt ihm auch die Unterstützung der Wissenschaft am Herzen. Unter anderem finanziert das Freiberger Unternehmen vier Stiftungslehrstühle in Berlin, Erlangen und München, die Forschung und Lehre mit praktischer Anwendung zusammenführen.

Gesellschaftliche Verantwortung übernimmt Freiberger mit seiner privaten Stiftung, die unter anderem in Berlin an der Spree die "Straße der Erinnerung" mit Denkmälern für Persönlichkeiten, die in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts Großes geleistet haben, errichtet. Amerang hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Ort der offenen Diskussion rund um drängende gesellschaftspolitische Fragen entwickelt: Die Ergebnisse des "Ameranger Disputs" werden auch weiterhin in Publikationen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Derzeit trifft sich hier nach Informationen von Freiberger regelmäßig das Who-is-Who der deutschen Wirtschaft zu einem vertraulichen Gesprächskreis zur Frage nach den Grenzen des Wachstums. Auch kommunal engagiert sich der Unternehmer - unter anderem als Förderer und Sponsor des Ameranger Sportvereins, der mit seiner finanziellen Unterstützung gerade eine neue Kleinfeldarena für die jungen Kicker baut. Freiberger fühlt sich seiner Heimat "tief verbunden" - trotz eines geschäftlichen Engagements, dessen Schwerpunkt in den nächsten drei Jahren in Berlin liegt.

Heike Duczek (Wasserburger-Zeitung)

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

Zurück zur Übersicht: Region Wasserburg

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser