Ministerin Haderthauer: Sozialarbeit fördern

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Soziale Arbeit müsse gefördert werden: In einer „an Lebenslagen orientierten Arbeitswelt“ sieht Haderthauer einen Schlüssel für die Zukunftsfähigkeit der Wirtschaft im künftigen Kampf um Fachkräfte

Wasserburg - Der Schlüssel zur  Zukunft liegt in der sozialen Arbeit. Dies machte Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer jetzt bei ihrem Besuch in Wasserburg deutlich.

Anerkennung und Ermunterung für die Menschen in sozialen Arbeitsfeldern - das wollte der erste "Sozialempfang" der Wasserburger CSU sein. Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer forderte dabei eine massive Aufwertung von Sozial- und Familieneinsatz.

Christine Haderthauer zu Gast in Wasserburg

Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer

"Das soziale Credo muss sich durch die gesamte Politik ziehen." So formulierte Landtagsabgeordnete Annemarie Biechl am Ende ihr Fazit und lag damit auf einer Ebene mit der Ministerin. "Das Soziale ist die entscheidende Zukunftsfrage, die unsere Gesellschaft zu bewältigen, oder besser zu gestalten hat." Diese Feststellung stellte Haderthauer am Dienstagabend im Wasserburger Rathaussaal an den Anfang ihrer Rede vor gut 200 Zuhörern, die sie dabei auf ihrer Seite wusste: Vertreter von sozialen Einrichtungen und Organisationen überwiegend aus dem nördlichen Landkreis Rosenheim hatte die CSU eingeladen, einige präsentierten an Ständen ihre Arbeit.

Die Ministerin legte ihr Redemanuskript nach der Einleitung, dass es den Menschen in Bayern ja vergleichsweise gut gehe, schnell zur Seite. In teils kämpferischen Formulierungen stellte sie die Forderung in den Mittelpunkt, soziale Leistungen müssten deutlich stärker anerkannt werden.

Ein wichtiges Thema war dabei die Wirtschaft. "Die Verbesserung der Chancen auf einen Arbeitsplatz ist die beste Sozialpolitik", war sie überzeugt. Dabei lobte sie einerseits vor allem die mittelständischen Unternehmer, die "die Last des Risikos tragen". Andererseits kritisierte sie aber auch die Aushebelung sozialer Standards und die Unflexibilität von Unternehmen, was die Anpassung der Arbeitsverhältnisse an die jeweiligen Lebenslagen der Mitarbeiter angeht. "Der immer wieder neu befristete Arbeitsvertrag ist ja heute für junge Leute schon die Luxusvariante zum üblichen Praktikum", so die Arbeitsrechtlerin Haderthauer, und: Es gebe aufgrund der "Teilzeitbremse" in Deutschland eine massive "Ressourcenverschwendung bei beruflich stillgelegten Müttern und Vätern, die nicht nur arbeiten, sondern auch noch ihre Kinder erleben wollen."

"In Skandinavien gilt Familienverantwortung als Kompetenzgewinn, bei uns ist sie nur ein Hemmnis am Arbeitsmarkt", stellte die Ministerin fest. Entsprechend der geringen Wertschätzung von "Familienarbeit" in Deutschland würden auch diese Berufe niedrig eingestuft, ganz anders als in Japan, wo beispielsweise die Erziehungsarbeit mit den Kleinsten hoch bewertet sei. Sie forderte daher in der am stärksten beklatschten Passage ihrer Rede eine deutlich bessere Bezahlung der sozialen Berufe. Dafür müsse man andererseits aber auch zu höheren Leistungen in die Sozialsysteme bereit sein.

Ein weiteres Stichwort der Ministerin war das "in den letzten Jahren massiv verletzte Solidaritätsprinzip". Das System dürfe nicht dazu verleiten, Hilfen auch ohne Bedarf in Anspruch zu nehmen. Solidarität sei nicht, wenn "die Krankenschwester dem Kind des Chefarztes ein kostenloses Schul-Mittagessen mitfinanziert."

Am Ende dankte Christine Haderthauer allen "Herz-Werkern", denn: "Das Soziale macht eine Gesellschaft erst lebenswert." CSU-Kreisvorsitzender Klaus Stöttner hatte in seiner Begrüßung betont, die Schere zwischen arm und reich dürfe nicht weiter auseinander gehen. Und Landrat Josef Neiderhell wünschte sich, dass die sozial Engagierten weiterhin spürten: "Diese Arbeit macht schon Sinn."

Nach den Ansprachen sah sich die Ministerin dann in Einzelgesprächen mit einer großen Anzahl von Anliegen und auch kritischen Erfahrungen aus dem sozialen Bereich konfrontiert. So wurde von Vertretern der sozialen Spitzenverbände beispielsweise die verzögerte Auszahlung von zugesagten Geldern angesprochen. Die Grundpositionen der Ministerin wurden weitgehend geteilt, die politische Umsetzung eingefordert. Christine Haderthauer stand lange für diese Gespräche zur Verfügung, so wie es in der Einladung zu diesem Sozialempfang angekündigt worden war.

koe/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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