Die Mischung macht's

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Im Zeichen der Musik, der Volksmusik, stand Wasserburg neun Tage lang bei den 40. Volksmusiktagen.

Wasserburg - Etablierte Neulinge, gesellige Musikanten, begeisterte Zuhörer. Eigentlich ist Claudia Geiger sehr glücklich über die Volksmusiktage. Wenn nur der Löwe nicht kränkelte.

Es gibt bei den Wasserburger Volksmusiktagen Veranstaltungen, die absolute Selbstläufer sind. Dazu gehört das Singen und Musizieren im Bauernhausmuseum in Amerang und dazu gehört die Volksmusik beim Wirt, die immer restlos ausverkauft ist. Und bei letzterer musste Organisatorin Claudia Geiger dann noch ein einige Plätze finden, zwei Gruppen aus Hannover und Köln, zufällig zu Besuch in der Stadt, wollten untergebracht werden. "Wir haben sie noch reingequetscht", lacht Claudia Geiger. Bemerkenswerterweise hatten die Hannoveraner kurz zuvor einen Vortrag über Gstanzl gehört, erlebten nun Gstanzlsingen live, wurden mit einbezogen und waren dementsprechend begeistert.

Begeisterung löste auch das Moritatensingen mit Enst Schusser und Eva Bruckner vom Volksmusikarchiv aus. Hinter der Frauenkirche ging es fröhlich zu, wurde getanzt, wagten sich dank der Liederhefte auch Nichtbayern an die altbayerischen Texte. Das Moritatensingen und den Tradimix-Abend in der Schranne gab es beide zum zweiten Mal. Beides spreche - wie die Veranstaltung des Heimatvereins im Rahmen der Volksmusiktage - auch eine Klientel an, die sonst nicht unbedingt zu den Volksmusiktagen gehe, ist Claudia Geiger überzeugt. Beim Tradimix, einem sehr fröhlichen Abend, sei das Publikum zwar durchaus gemischt, aber doch etwas städtischer und etwas jünger als sonst.

Legerer als sonst ging es auch bei der Hauptveranstaltung im großen Rathaussaal zu. Sprecher Johann Hitzelberger bezog die musizierenden Gruppen mit in die Moderation ein ließ sie selber von sich und ihrer Musik erzählen, "da kam richtig lockere, gute Stimmung auf", freut sich Claudia Geiger. Auch die Musikerin Claudia Geiger hatte ihre Freude an dem altbayerisch-alemannischen Abend, denn die Volksmusik aus dem Oberallgäu sei schon ganz anders, "ungewohnt für unsere Ohren."

Das Moritatensingen hinter der Frauenkirche und die Waginger Wirtshausmusikanten in der Hofstatt sollten auch dazu beitragen, die Volksmusiktage etwas mehr im Bewusstsein der Wasserburger zu verankern. Das lasse nämlich auch nach 40 Jahren noch etwas zu wünschen übrig - trotz mehrerer Tausend Besucher bei den mittlerweile zwölf Veranstaltungen.

Nicht zu wünschen übrig ließ die Stimmung unter den Musikanten. Nach den Veranstaltungen wurde zusammengesessen, musiziert, gefeiert, gleich ob alt oder jung. Oder die Waginger Wirtshausmusi spielte beim musikalischen Samstag etwas länger, weil junge Evenhausener Musiker dazu kamen und zur Freude der Umsitzenden gemeinsam gespielt wurde.

"Ich möchte keine Veranstaltung weglassen", sagt die Organisatorin. Das Grundgerüst des Programmes stehe und mit der Planung für das nächste Jahr gehe es dann im August los. Claudia Geigers Augenmerk wird sich auf eine Veranstaltung besonders richten: Auf den Wasserburger Löwen.

Schon vor zwei Jahren schwächelte dieser, hatten sich wenige junge Gruppen zum singen und musizieren angemeldet. Letztes Jahr waren es dann wieder 20. Und dieses Jahr extrem wenig. Claudia Geiger ist selber am rätseln, woran das liegen könnte. Einige junge Volksmusikanten ließen sich sicher von der Wettbewerbssituation abschrecken, vermutet Claudia Geiger, sie habe aber auch kurzfristige Absagen bekommen, weil die Kinder und Jugendlichen sich nicht trauten. Das Niveau der jungen Musikanten sei sehr hoch - "was ich gar nicht bewusst forciere" - und das sei natürlich sehr erfreulich, schrecke aber offensichtlich auch manche potentiellen Teilnehmer ab. Hinzu komme, dass es früher neben dem "Wasserburger Löwen" noch den Kerschdorfer Hoagarten gegeben hätte und das wäre es dann an Auftrittsmöglichkeiten schon fast gewesen. Heute hätten junge Volksmusikgruppen viel mehr Podien, mehr Hoagarten, mehr Feste, "es verteilt sich einfach mehr". Aber vielleicht hat der Löwe auch nur die Midlife-Crisis, schließlich wird er nächstes Jahr 40.

syl/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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