Moderator verliert Fassung und Job

Wasserburg - Ein Moderator lieferte sich eine handgreifliche Auseinandersetzung mit einer Gruppe Jugendlicher in Wasserburg. Nun musste sich der gebürtige Düsseldorfer vor Gericht verantworten.

Seinen Traumjob als Fernseh-Moderator muss ein 31-jähriger gebürtiger Düsseldorfer vorerst an den Nagel hängen. Auf Grund einer handgreiflichen Auseinandersetzung mit einer Gruppe Jugendlicher am 23. November 2007 vor dem "Fit und Fun" in Wasserburg erhielt der Fitness- und Gesundheitstrainer Ende März die Kündigung von einem Privatsender. Vor dem Amtsgericht Wasserburg musste er sich nun wegen gefährlicher Körperverletzung in Tateinheit mit zwei weiteren Fällen der vorsätzlichen Körperverletzung verantworten.

Mitangeklagt wegen gefährlicher Körperverletzung war sein Bekannter, ein 27-jähriger Lagerist aus dem Wasserburger Raum. Gegen 4 Uhr morgens war der Düsseldorfer Deutschtürke, der 2007 als Big-Brother-Kandidat die Zuschauer stark polarisiert hatte, auf der Suche nach einem Taxi, um mit einer Gruppe von Freunden die Heimfahrt nach Griesstätt anzutreten. Daher bat er einen Taxifahrer, der bereits Fahrgäste hatte, höflich, ihm ein Großraumtaxi zu bestellen.

Während der Taxifahrer einen Kollegen anforderte, provozierte ein jugendlicher Fahrgast auf dem Beifahrersitz den erheblich angetrunkenen Fernsehmoderator mit einem türkischen Schimpfwort. Dies sei die schlimmste nur vorstellbare Beleidigung gewesen, sagte der reumütige Angeklagte vor Gericht aus.

Gehirnerschütterung, Platzwunde, gebrochener Schneidezahn

Er habe daraufhin die Beifahrertür geöffnet, um den Jugendlichen zur Rede zu stellen. Nach einem kurzen Wortgefecht habe er einige Male auf den ebenfalls betrunkenen Provokateur eingeschlagen. Der Geschädigte zog sich dabei eine Gehirnerschütterung, eine Platzwunde an der Lippe und einen gebrochenen Schneidezahn zu, verlor für kurze Zeit das Bewusstsein und lag blutüberströmt neben dem Taxi.

Zu diesem Zeitpunkt eilte der Mitangeklagte herbei, um zu schlichten. Doch sei er, aus einer Abwehrhaltung heraus, unversehens in das Handgemenge geraten, schilderte er vor Gericht. Denn die hintere Wagentür wurde geöffnet und zwei weitere Jugendliche wollten das Fahrzeug verlassen, um ihrem verletzten Freund zu Hilfe zu eilen. Während ein Jugendlicher Edlinger sich um den Bewusstlosen kümmerte, geriet der zweite Edlinger mit den beiden Angeklagten aneinander, die abwechselnd auf ihn einschlugen. Der als Nebenkläger auftretende 18-Jährige erlitt dabei eine Nasenbeinfraktur, eine Schädelprellung und eine Beule am Hinterkopf. Ein Backenzahn wurde ihm ausgeschlagen, ein zweiter wurde gelockert.

Ein herbeieilender Bekannter, der die Beteiligten zum Aufhören auseinander bringen wollte, kassierte von dem in Rage geratenen Gesundheitstrainer ebenfalls einen Schlag ins Gesicht, ehe die Handgreiflichkeiten beendet werden konnten.

Vor Gericht räumten die beiden Angeklagten ihre Taten umfassend ein und zeigten sich beschämt, dass sie in der Auseinandersetzung mit Jugendlichen im Alter zwischen 17 und 18 Jahren ihre Beherrschung verloren hätten. Während der Griesstätter bisher noch nicht straffällig geworden war und mit einer Freiheitsstrafe von sieben Monaten, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung, davon kam, wies das Bundeszentralregister für seinen Freund mit einer 2005 verhängten Bewährungsstrafe wegen Körperverletzung bereits drei Einträge auf. Um sein aggressives Verhalten kontrollieren zu können, hat sich der Gesundheitstrainer inzwischen auf eigene Kosten in therapeutische Behandlung begeben.

Seine Bitte um eine Geldstrafe, da eine neuerliche Freiheitsstrafe seine Fernsehkarriere endgültig beenden würde, konnte das Gericht nicht erfüllen. Auch die bereits begonnene Widergutmachung an den beiden Geschädigten konnte ihn nicht vor einer neuerlichen Bewährungsstrafe von zehn Monaten, ausgesetzt auf vier Jahre, verschonen. Außerdem muss er Schmerzensgeld in Höhe von 500 Euro an den geschädigten Beifahrer bezahlen.

Die beiden Angeklagten tragen die Kosten des Verfahrens und die angefallenen Kosten für die Nebenklage. Beide müssen je 1000 Euro an den Nebenkläger und je 1000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen.

ca/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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