Aus "Müllkippe" wird Naturspielgarten

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Der Landschaftsbau am steilen Hang "war eine besondere Herausforderung", so Peter Arnold (rechts) denn Gartenbau, Naturschutz und Kindersicherheit mussten auf einen Nenner gebracht werden.

Wasserburg - Spielgarten, Weinberg, Biotop: Das alles wird aus dem Grundstück an der Innleite auf Höhe Rottmooser Keller, an dem jetzt wieder gearbeitet wird.

Fast ein Jahr wurde darum gerungen, was an dieser Stelle möglich ist. Viele Spaziergänger haben neugierig über den Zaun gelugt und die Zettel gelesen, die immer wieder über den aktuellen Stand informierten. Und vom Burgerfeld aus konnte man bestens beobachten, wie das steile Hanggrundstück zuerst gerodet und umgestaltet wurde - und wie dann ein dreiviertel Jahr lang praktisch nichts mehr passierte.

Der Grund: Das Landratsamt hatte die bereits laufenden Bauarbeiten eingestellt, weil sich im Genehmigungsverfahren herausstellte, dass die Fläche seit 1988 als Biotop kartiert und auch im Landschaftsplan eingetragen ist. "Leitenwald" mit Laubwald, Kraut- und Strauchbewuchs - so lautet die Begründung dafür, dass dieses Stück Natur wie die Nachbarfläche besonders wertvoll ist. Davon allerdings war bis dahin nie die Rede gewesen.

"Für uns war das beinahe ein existenzielle Frage", so Peter Arnold, der Betreiber des privaten Kindergartens "Gänseblümchen" an der Köbingerbergstraße. Seit September 2010 ist er Besitzer des Leitenstückes, zuvor hatte er schon drei Jahre lang kostenlos einen kleinen Teil davon als Abenteuerspielplatz genutzt.

Angeboten wurde die gesamte Fläche mit 1300 Quadratmetern letzten Sommer von der als Makler auftretenden Raiffeisenbank Halfing, Sie sei geeignet für "Gartenbau, Obstbau oder Weinbau", so das Expose. So war sie auch früher schon genutzt worden. Da sich der Kindergarten um den Bestand seines Spielplatzes sorgte, mobilisierte er alle Reserven, kaufte das völlig verwilderte Grundstück und steckte anschließend viel Geld und Energie in die Umgestaltung.

Lastwagen voll Müll entfernt

Das schlimmste Gestrüpp wurde entfernt, Lastwagenladungen mit Müll und Körbe voll Glasscherben in mühsamer Handarbeit herausgetragen. Im Gespräch mit dem Gartenfachberater des Landratsamtes wurden Möglichkeiten der Bepflanzung festgelegt. Und mit dem Landschaftsbauer wurde versucht, Naturnähe, Sicherheit für die Kinder, auch behinderte, und Nutzung als Garten unter einen Hut zu bringen - "teils mit aufwendigen Speziallösungen", so Arnold.

Dann gab es einen Bauantrag an die Stadt, um die Nutzung als Spielgarten abzusichern und einen Bauwagen als Stützpunkt für die Kinder aufstellen zu dürfen. Der Bauauschuss stimmte einmütig zu, wollte nur eine "landschaftsverträgliche" Gestaltung. Bis dahin habe es bei keinem Gespräch ein Wort von einem kartierten Biotop gegeben, versichert Arnold. Vielmehr habe vielen gefallen, dass nun der Blick auf den Inn wieder frei wurde und auch "die alte Wasserburger Weinbautradition" belebt werden sollte.

Nach der Baueinstellung gingen viele Schriftsätze zwischen den Anwälten des Kindergartens, dem Landratsamt und der Raiffeisenbank Halfing hin und her. Mit der Bank wurde über eine Rückerstattung verhandelt, da der Kaufpreis von 62 000 Euro völlig unangemessen sei, wenn die angepriesene Nutzung nicht möglich wäre.

"Wir wussten nichts von einem Biotop"

Doch der Makler Karl Bayerl berief und beruft sich bis heute darauf, dass ihm die Einschränkungen nicht bekannt gewesen seien. "Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass diese zugewucherte Müllhalde ein Biotop wäre", sagt er auf Nachfrage der Redaktion. Er habe den Angaben des Vorbesitzers Gottfried Held vertraut. Und auch der versichert, von einem Biotop keine Kenntnis gehabt zu haben. "Ich war ja auch mit dem Gartenfachberater dort. Da war keine Rede davon."

So blieb Peter Arnold auf den Kosten sitzen und konnte nur hoffen, dass mit dem Landratsamt eine Einigung erzielt wird. Das ist nun gelungen. In "zähem Ringen" sei ein Kompromiss ausgehandelt worden, mit dem auch die Naturschutzbehörde offensichtlich leben kann. Demnach wird es hier Biotope für Kleinsäuger, Reptilien und Insekten sowie Sukzessionsflächen geben, auf denen sich die Natur einfach entwickeln kann. Auf einem Teil der Fläche entsteht ein Weinberg. Und alles gemeinsam soll ein Naturerlebnisgarten für die Kinder sein - durchaus auch ein Anliegen der Naturschutzbehörde.

Aufgrund seiner Erfahrungen nimmt es Peter Arnold jetzt aber ganz genau. Den Weinbau hat er wie vorgeschrieben bei der Bayerischen Landesanstalt für Garten- und Weinbau in Veitshöchheim angemeldet. Die erlaubte Zahl von Weinstöcken - eine restistente und süße Sorte für die Kinder - nützt er lieber nicht voll aus, stattdessen werden die nicht begrenzten Tafeltrauben angebaut.

Während die vom "Gänseblümchen" betreuten Kinder künftig hier Naturerfahrungen machen werden, hat Peter Arnold seine Erfahrungen im Paragrafen- und Wirtschaftsdschungel schon hinter sich: Den in seinen Augen immer noch überhöhten Kaufpreis muss er wohl zähneknirschend abschreiben.

Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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