Wasserburger Theater Belacqua

"Butterbrot" im Belacqua

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Drei Männer haben Liebesprobleme: (von links) Ronald Hansch als Stefan Kowalsky, Florian Fisch als Peter Steiner, Christian Tompos als Martin Sterneck.

Ende der 80er- und Anfang der 90er-Jahre hatte der österreichische Schauspieler und Autor Gabriel Barylli großen Erfolg mit seiner Komödie um eine Männer-WG.

Ursprünglich ein Roman, wurde "Butterbrot" auch als Bühnenstück und danach als Spielfilm ein großer Erfolg. Barylli führte nicht nur Regie, sondern spielte neben Uwe Ochsenknecht und Heinz Hoenig einen der drei Männer, die sich fragen, ob Männer und Frauen überhaupt zusammenleben können. Barylli bekam daür den Bayerischen Filmpreis für die besten Dialoge.Dass dieses Thema immer aktuell ist, dass Baryllis pointierte Dialoge immer noch zünden, zeigte "S'ensemble-Theater" aus Augsburg bei den Wasserburger Theatertagen im Wasserburger Theater Belacqua.

Unter der Regie von Sebastian Seidel spielten Ronald Hansch den Schauspieler Stefan Kowalsky, der zwar gerne mal eine Affäre hat, aber eigentlich nur das Theater liebt, Christian Tompos den Innenarchitekten Martin Sterneck, der sich so richtig verliebt hat und Florian Fisch den Schuhhausbesitzer Peter Steiner, der von seiner Frau verlassen wurde und deshalb bei seinen Freunden einziehen darf. Die Inneneinrichtung des Wohnzimmers der WG hat den Anschein und den etwas verwohnten Charme der 80er-Jahre, doch der Geschichte um das Liebesleben der Mitdreißiger merkt man es kaum an, dass sie mittlerweile zwanzig Jahre alt ist. Das Stück ist keine schwere Kost.

Mit satirischem Humor spielt Barylli mit den Klischees, aber nimmt trotzdem seine drei Männer mit ihren Liebes- und Lebensproblemen ernst. Auch die drei Schauspieler und Regisseur Seidel hätten sie etwas ernster nehmen dürfen. Alle drei Akteure spielten engagiert und lebendig, zu lebendig. Seidel ließ sie einen Tick zu exaltiert agieren, um Komik zu erzeugen, ähnlich wie in einer Fernseh-Sitcom. Es war immer ein bisschen zu viel, zu viel Gestik, zu viel Mimik. Auch verwunderte es, wie zwei Männer, die den ganzen Abend Frust und Beziehungskummer weggesoffen haben, nach ihrem Alkoholkonsum noch so klar denken und artikulieren können.

Florian Fisch war als Peter Steiner ein richtiger Macho, der seine Frau betrügt, selbst aber als Betrogener ausrastet, sich als endlich freier Mann gebärdet und doch todunglücklich darüber ist, dass seine Ehe zerbrochen ist und seine Frau sich scheiden lässt. Es ist nicht nur die Sorge darum, ob ihm danach mehr bleibt als ein Butterbrot. Gerade in den stillen, ernsten Momenten, in denen er die Maske des Macho fallen lässt, berührt Florian Fisch mit seinem Spiel und wirkt echt. Der Schauspieler Stefan Kowalsky ist anscheinend Baryllis Alter ego. Ihn spielt Ronald Hansch als einen in sich und das Theater verliebten Egozentriker, der aber trotzdem zu echter Freundschaft mit seinem alten Wohnungspartner Martin fähig ist, als der sich schließlich entschließt, zu seiner Freundin zu ziehen. Christian Tompos ist dieser Martin: frisch verliebt, lebendig, umtriebig. Er hat noch Neugier auf das Leben und die Liebe. Er zeigt noch Mut, wenn er sagt: "Man muss mit allem rechnen - auch mit dem Schönen!"

Quelle: rosenheim24.de

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