"Na, was hast du denn mitgebracht?"

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Kariertes Hemd, Kappe und ein kategorisches "Du": Michael Bytomski mit seinen Nachfolgern Alex Loder, Gitti Zabelt und Sissi Schwab, die Bürgermeister Kölbl (von links) gleichzeitig begrüßte.

Wasserburg - "Eine Institution" hat Bürgermeister Michael Kölbl jetzt verabschiedet: Beim Wertstoffhof gibt es nach 20 Jahren einen Personalwechsel.

"Na, was hast Du denn mitgebracht?" Wer das mit unverkennbar rheinischem Unterton im Wertstoffhof noch einmal hören will, muss heute oder am Mittwochnachmittag kommen: Michael Bytomski hat nach 21 Jahren bei der Stadt seine letzten Arbeitstage, bevor er in die Freistellungsphase der Altersteilzeit geht.

Kariertes Flanellhemd, Kappe und erst einmal ein zurückhaltend freundliches Lächeln: So haben ihn die Wasserburger in dieser Zeit kennen- und schätzengelernt, "vor allem die Damen", schmunzelte Michael Kölbl. Der Düsseldorfer sei mit "natürlichem Gespür auf die Menschen zugegangen" - was vielen den Umgang mit der nicht immer einfachen Materie enorm erleichtert hat.

Besondere Wertstoffe gab es vom Bund Naturschutz zum Abschied (von links): Marianne Sterr, Josefine Weigel und Gert Graedler.

Was ist Müll, was Werstoff? Was darf in die Container, was nicht? Warum kostete bis vor Kurzem die Entsorgung der Plastik-Gießkanne etwas, die des Marmeladeneimers aus dem selben Material nichts? Warum darf der Wasserburger seine Werstoffe anliefern, der Edlinger aber muss streng genommen draußen bleiben? "Das kannst du den Leuten nicht erklären", hat Michael Bytomski bei einigen Problemfällen resigniert - und seinen eigenen Weg der freundlichen Konsequenz gefunden. Dafür wurde er vom Bund Naturschutz vor einigen Jahren mit dem Wasserburger Umweltpreis ausgezeichnet, weil er "den Umweltschutz den Menschen näher gebracht hat", so der BN-Vorsitzende Gert Graedler bei einer eigenen kleinen Verabschiedung.

Denn als Bytomski 1991 vom Bauhof kommend im Wertstoffhof anfing, war alles noch viel komplizierter. Die Joghurtbecher mussten nach Kunststoffsorte getrennt, das Aluminium vorher abgetrennt werden. Die Wasserburger machten trotzdem eifrig mit, und als später der "Grüne Punkt" eingeführt wurde, lieferten sie regelmäßig ein Rekordergebnis in Sachen Mülltrennung.

Der Michael war daran nicht unwesentlich beteiligt - sozusagen als Mittler zwischen Trennungstheorie und -praxis. "Am Anfang gab es da ja noch gar kein System. Da hast du schon mal einen Gag gebraucht, um die Leute zu besänftigen." Später waren die diplomatischen Fähigkeiten des Stadt-Mitarbeiters dann beispielsweise gefragt bei der Herausgabe von Sperrmüll und Elektrogeräten an die "Brigaden" aus den Ostländern, die in Wasserburg Lkw-weise alles mitnahmen, was noch verwertbar war.

Heute ist das streng verboten, nicht einmal echtes Brennholz darf wieder herausgegeben werden aus den Containern. "Manchmal auch nicht einfach zu erklären", schildert Bytomski die unangenehmeren Seiten seines bisherigen Jobs, zu denen auch der Umgang mit "Lieferanten" ohne Geld gehört, seit Sperrmüll gewogen und grammgenau abgerechnet wird.

Das wird ihm in Zukunft sicher nicht abgehen, aber vielleicht der Kontakt zu den Menschen? "Über die Zukunft hab ich mir noch gar keine Gedanken gemacht. Am Ende kommt es ja doch ganz anders."

Am Wertstoffhof selbst ist immerhin klar, was nach der Bytomski-Zeit kommt: Alex Loder ist Ganztags-Nachfolger, Sissi Schwab in Teilzeit, ebenso wie die schon länger hier arbeitende Gitti Zabelt. "Ein Michael Bytomski braucht mehrere Nachfolger", scherzte Bürgermeister Kölbl. Immerhin hat er für seine Kollegen zum Abschied noch etwas herausgeschunden. Ab Januar gibt es am Wertstoffhof längere Öffnungszeiten und im Gegenzug die Fünf-Tage-Woche für die Mitarbeiter. Denn montags bleibt das Tor neben dem Bauhof künftig zu. "Das wollte er schon lange, jetzt haben seine Nachfolger was davon", so Kölbl.

Selbst genießen - mit seiner Frau - kann er dagegen einen Gutschein von der Stadt für sein Lieblingsrestaurant. Und vom Bund Naturschutz gab es eine Flasche Rotwein und "einen ganz besonderen Wertstoff", einen geräucherten Schinken. Das passt auf alle Fälle, hat "der Michi" doch in all den Jahren nie etwas wirklich Wertvolles unter den vielen abgegebenen Sachen gefunden. Nicht einmal "eine gescheite Frau wurde abgegeben" - ein Späßchen zum Abschied.

koe/lst/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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