Nach der Krise solide auf Kurs

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Größter Aufsteiger der Region: Dank Solar-Boom ist die Firma Schletter in Kirchdorf weiter klar auf Wachstumskurs.

Wasserburg - Immer wieder nach oben korrigiert werden derzeit die Konjunkturprognosen für Deutschland. Wir geben einen Überblick, wie das produzierende Gewerbe im Wasserburger Raum die Lage sieht.

Unspektakulär und stabil: So könnte man seit Jahrzehnten den Wirtschaftsraum Wasserburg beschreiben. Das gilt auch während und nach der großen Krise.

Bei den meisten größeren Unternehmen im Raum Wasserburg ergab unsere aktuelle Umfrage ein ähnliches Bild: Die Konjunkturkrise des Jahres 2009 hat sie nur bedingt getroffen. Die Euphorie, die nun bundesweit durch immer wieder nach oben korrigierte Wirtschaftsprognosen geweckt wird, teilen die Verantwortlichen der Unternehmen jedoch nicht. Die meisten Firmen sind in den letzten zwei Jahren leicht gewachsen, echte Kündigungswellen gab es nicht.

Ausnahmen nach oben wie unten gibt es nur wenige. Die Firma Gronbach hat in der Krise rund 40 Mitarbeiter entlassen müssen. Alpma hat dies zwar vermieden, die Belegschaft musste aber andere Opfer bringen. Auf der anderen Seite hat die Firma Schletter vom Solar-Boom überproportional profitiert und kräftig eingestellt.

Und so beschreiben die ausgewählten Betriebe ihre Situation:

Advantest

Ein schwieriges Jahr hat der Ameranger Hersteller von Testsystemen für die Halbleiterindustrie hinter sich. „Das Krisenjahr hat bei uns voll durchgeschlagen“, so Peter Wewerka, kaufmännischer Leiter für Advantest Europa. Inzwischen ist man aber wieder etwas optimistischer. 2010 zeige einen positiven Trend, für 2011 seien die Prognosen noch besser, denn „Testsysteme werden mit Verzögerung zur allgemeinen Konjunktur gekauft.“ Die Krise wurde auch für Neuentwicklungen genutzt, dabei habe sich Amerang als größter Advantest-Entwicklungsstandort außerhalb Japans etabliert. Aktuell arbeiten hier 110 Mitarbeiter.

Alpenhain

Der Lebensmittel-Bereich hat einen Vorteil: „Einen gewissen Grundumsatz gibt es immer“, so Barbara von Hagmann, Geschäftsführerin von Alpenhain, dem Hersteller von Käsespezialitäten in Lehen bei Pfaffing. Insofern habe es auch 2009 nicht den großen Einbruch gegeben. Festgestellt hat man aber einen nochmals verstärkten Trend zu den günstigeren Artikeln und zu Handelsmarken. Gemeinsam mit wieder gestiegenen Milchpreisen ist das aktuell die größte Schwierigkeit: „Preiserhöhungen sind im Handel nur sehr schwer umzusetzen." Bei den Produktmengen wird das Jahr 2010 voraussichtlich ähnlich wie 2009 liegen. Und auch die Mitarbeiterzahl ist konstant bei 490.

Alpma

Wie bereits berichtet war für Alpma, Käsereianlagen- und Maschinenbauer in Rott, 2009 ein sehr schwieriges Jahr. „Die schlimmsten Prognosen wurden wahr“, so kaufmännischer Leiter Wolfgang Dörner: 30 Prozent Umsatzrückgang mussten kompensiert werden. „Dass dies ohne Entlassungen ging, war hervorragende eine Leistung des gesamten Unternehmens.“ Die Mitarbeiter wurden dank Kurzarbeit und Verzicht auf Sonderleistungen gehalten. Im Jahresverlauf 2010 habe sich die Auftragslage wieder deutlich verbessert, so Dörner: „Unsere Kunden beginnen wieder zu investieren.“ Für 2011 gebe es zwar noch keine Sicherheit, die Vorzeichen seien aber positiv. Alpma geht von einer weiteren Stabilisierung aus. Die Mitarbeiterzahl beträgt rund 450.

Bauer

Die Molkerei Bauer in Wasserburg hat, was die Mengen angeht, von einem Einbruch im vergangenen Jahr nichts gespürt. „Anfang 2010 hatten wir eine leichte Delle, die aber wieder ausgeglichen ist“, so Geschätsführer Florian Bauer. Sein Problem: „Die Preise sind auf unterstem Niveau, gleichzeitig ist die Milch teuerer geworden.“ Etwas gedämpft hat die Bauer- Konjunktur auch der verregnete Sommer. Vor allem bei den Milchdrinks hat die Molkerei dies gespürt. Und auch im Frischdienst war der fehlende Biergarten-Umsatz zu bemerken. Insgesamt schätzt Bauer die Lage aber positiv ein. Die Molkerei hat 465 Mitarbeiter, der Bauer- Frischdienst 135, beide Zahlen sind konstant.

Goehrlich Pharma

Franz Göhrlich, Geschäftsführer des Herstellers und Abfüllers von Nahrungsergänzungsmitteln und Gesundheits- Produkten Goehrlich Pharma in Edling, ist aktuell „sehr zufrieden.“ Das Jahr 2009 brachte dem Unternehmen zwar ein Umsatz- Minus von 15 Prozent, doch das sei inzwischen wieder ausgeglichen „bei besserem Ertrag“, so Göhrlich. Er schätzt die Entwicklung denn auch „sehr positiv“ ein. Die Zahl der Mitarbeiter ist leicht gestiegen und liegt nun über 60.

Gronbach

Zu den regionalen Unternehmen, die von der Krise am stärksten betroffen waren, gehört die Firma Gronbach als Hersteller von Komponenten für Hausgeräte. Die in Wasserburg produzierten Teile für das Mittel- und Luxussegment hatten 2009 einen Einbruch von rund 30 Prozent. „Das führte leider auch zu Entlassungen“, so Wilfried Gronbach, die Personalanpassung sei aber ohne Rechtsstreit geglückt. Für 2010 kann Gronbach immerhin wieder ein „sanftes Plus“ von wenigen Prozent verbuchen. Doch der Druck sei nach wie vor massiv, die Situation werde sich auch 2011 trotz Rationalisierungs-Investitionen nicht wesentlich verbessern, dämpft der Geschäftsführer zu hohe Erwartungen: „Wir sind zufrieden, wenn es stabil bleibt.“ Die Mitarbeiterzahl sank von 260 auf 220 und liegt derzeit bei wieder 230.

Huber und Sohn

Die Firma Huber und Sohn in Bachmehring (Eiselfing) hat drei Produktionsbereiche, die 2009 unterschiedlich von der Krise betroffen waren. Während die Fenster- Sparte und der Holzbau stabil blieben oder sogar Zuwächse hatten, gab es bei den Holzverpackungen, vornehmlich für Maschinenbau und Automobil-Industrie, deutliche Rückgänge. „In der Summe war das bei uns ziemlich ausgeglichen“, so Josef Huber junior. Der Aufschwung des Jahres 2010 ist nun in den letzten drei Monaten auch bei den Industrie- Verpackungen wieder spürbar. „Es hat angezogen“, so Huber, das gilt aber auch für den Holzpreis. Insgesamt ist der Unternehmer „recht zufrieden“, aber weit entfernt von Euphorie: Mit Blick auf die Weltwirtschaft sei die nicht angebracht, dämpft er zu hohe Erwartungen. Huber und Sohn hat aktuell 210 Mitarbeiter, etwas mehr als vor einem Jahr.

Jäger

Vor allem mit ihrem Mozzarella hat die Molkerei Jäger in Haag jahrelang stabile Steigerungsraten verzeichnet, auch 2009. „Es gab keine Krise“, so Prokurist Martin Hartinger. Das war auch 2010 so, bis Jäger in einer konzertierten Aktion der italienischen Interessensgruppen im Juni aus dem dortigen Markt gedrängt wurde, dem wichtigsten Einzelmarkt der Molkerei. Inzwischen ist man in Haag allerdings schon wieder guter Dinge, „zu einem vernünftigen Abschluss des Jahres 2010" zu kommen. Die Investitionen in neue Anlagen jedenfalls laufen weiter. Die Mitarbeiterzahl ist auf 300 gestiegen.

Meggle

Die Molkerei Meggle in Reitmehring spricht im Rückblick auf 2009 zwar von einem schwierigen Jahr. Es habe aber nur einen schwachen Konjunktureinbruch gegeben, nicht zu vergleichen mit anderen Branchen. Und auch die aktuelle Entwicklung liege „im Plan bei leichtem Umsatzanstieg“, so die offizielle Auskunft. Erst kürzlich hat das Unternehmen ja eine weitere Molkerei in Albanien übernommen. Im Wasserburger Werk werden laut Mitteilung unverändert 840 Mitarbeiter beschäftigt.

RKW

Die Rheinischen Kunststoffwerke in Wasserburg haben das Krisenjahr gut überstanden. Durch die Konzentration auf weitgehend konjunkturunabhängige Hygiene- und Medizin-Folien habe man die Turbulenzen „nur leicht gespürt“, so Sprecher Wolfgang Puschmann. Die Menge des verarbeiteten Kunststoffes blieb mit 40.000 Tonnen konstant, das bedeutet angesichts immer dünnerer Folien aber eine Produktionsausweitung. Mit „recht positiv“ fasst Puschmann daher die Gesamtsituation zusammen. Man fahre Sonderschichten, es werde in Optimierungen investiert und man habe auch Personal eingestellt. Aktuell hat das Werk Wasserburg 365 Mitarbeiter.

Schechtl

Stärker als andere Maschinenbauer ist die Firma Schechtl in Edling vom Export abhängig. Vor der Krise ging ein nicht unwesentlicher Teil der Spezialmaschinen zur Blechbearbeitung in die USA. Doch der Amerika- Markt sei „nach wie vor sehr schwach“, bedauert Geschäftsführer Armin Döringer. Immerhin sei die Inlands- Nachfrage wieder „ganz in Ordnung“, die Talsohle bei Schechtl durchschritten, auch wenn der Umsatz von 2008 längst noch nicht wieder erreicht sei: „Da fehlen noch zehn bis 20 Prozent. Aber mit dem aktuellen Niveau kann man leben“, so Döringer. Die Firma hat auch in der Krise keine Stamm-Mitarbeiter entlassen, die Zahl liegt jetzt knapp unter 100.

Schletter

Rundum positiv fällt die Bilanz der Firma Schletter in Kirchdorf aus: Dem Metallbauer mit Schwerpunkt Leichtmetall, der vor allem mit Trägersystemen für Solar- Systeme erfolgreich ist, brachte 2009 einen weiteren Umsatzzuwachs. Und die Prognosen sind unverändert gut: „Wir erwarten eine weitere Steigerung“, so Marketingleiter Daniel Schestag. Dies begründet sich unter anderem auf den europäischen Markt für Fotovoltaik. Die sinkenden Modulpreise und diverse Förderprogramme hätten dort zu einer steigenden Nachfrage geführt, außerdem habe Schletter seinen Markt erweitern können. Die Mitarbeiterzahlen gehen weiterhin nach oben. Aktuell wird die Stammbelegschaft mit 625 angegeben.

Somic

Laufend an und über der Vollauslastung hat die Firma Somic in Amerang, Hersteller von Verpackungsmaschinen, in den vergangenen zwei Jahren gearbeitet. „Krise“ kenne man nur aus der Zeitung, scherzt Geschäftsführer Dr. Ulrich von Raben. Hintergrund ist vor allem, dass Somic in erster Linie Maschinen für die Nahrungsmittelindustrie baut, besonders für Grundnahrungsmittel. „Dieser Markt hängt nicht direkt an der Konjunktur“, so von Raben. 2009 wurden rund 20 Alpma-Mitarbeiter ein halbes Jahr bei Somic beschäftigt. Inzwischen hat man weiter eingestellt und auch Zeitarbeitskräfte in den Hallen, die schon wieder zu klein werden. Nachdem auch der Export wieder anzieht, sind bei Somic die Auftragsbücher bis Februar voll, so dass Dr. von Raben „auf sehr hohem Niveau zufrieden“ ist. Beschäftigt werden derzeit etwa 155 Mitarbeiter.

Wasserburger Arzneimittelwerk

„Wir sind zufrieden“ fasst Armin Dallüge, Geschäftsführer der Wasserburger Arzneimittelwerke, die Situation zusammen. Die Firma ist als Abfüller von Arzneimitteln, besonders von gefriergetrockneten, in einer Nische tätig, die „keinen direkten Konjunkturbezug hat“, so Dallüge. So waren die Jahre 2008 und 2009 die stärksten in der Geschichte des Werkes. Anfang 2010 gab es dann einen Eigentümerwechsel zum schwedischen Recipharm- Konzern. Auch die folgende unumgängliche Integrationsphase habe das Jahr „wirtschaftlich etwas schwieriger“ werden lassen, so Dallüge. Man fühle sich aber sehr wohl bei der neuen Mutter und sehe auch ganz neue Marktchancen. Investiert wird derzeit in die Abfüllanlagen, um den Standards der „extrem qualitätsregulierten Branche“ auch weiter zu entsprechen und die Abläufe zu optimieren. Beim Personal gibt es ein stetiges Wachstum, derzeit sind es 270 Mitarbeiter.

koe/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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