Nachtflohmarkt trotz Regen ein voller Erfolg

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Vor dem Regenguss war die Altstadt rappelvoll, Tausende strömten zum Nachtflohmarkt. Und nach dem Guss, da kamen sie alle wieder unter den schutzbietenden Arkaden hervor.

Wasserburg - Auch heuer ließen sich weder die Gäste noch die Händler von den Wetterkapriolen die gute Laune verderben - zumal der Nachtflohmarkt recht vielversprechend begann.

Nicht nur die Taschenlampe, mit der in der Dunkelheit so manches Schnäppchen erleuchtet wird, auch Regenbekleidung gehört traditionell zur Ausrüstung eines Besuchers des Wasserburger Nachtflohmarktes. Von den typischen Wetterkapriolen ließen sich jedoch auch heuer weder die Gäste noch die Händler die gute Laune verderben.

Eindrücke vom Wasserburger Nachtflohmarkt

Kritische Blicke.

Der Nachflohmarkt begann vielversprechend - mit Temperaturen, die einen lauen Sommerabend unter den Arkaden und in den Gassen versprachen, und einer bereits gegen 18 Uhr rappelvollen Innenstadt, in der die Parkplatzsuche zu einem Glücksspiel geriet. Angesichts des angekündigten Gewitters gab der veranstaltende Theaterkreis den Verkauf bereits eine Stunde früher frei - eine weise Entscheidung von Vorstand Sepp Christandl und dem Organisationsteam, wie sich herausstellen sollte.

Das Interesse an einem Standplatz, der für 15 Euro in der Größe eines Tapeziertisches zu haben ist, war nach Informationen von Theaterkreis-Schriftführer Karl Berndt bereits im Vorfeld groß gewesen: Ungewöhnlich viele Hausbewohner, die ein Vorreservierungsrecht besitzen, und Einheimische, die ebenfalls bevorzugt werden, hatten sich einen Platz gesichert. 350 waren belegt und damit gut 90 Prozent der Kapazitäten.

Ob des passt? Anprobe auf offener Straße.

Bis 20 Uhr schoben sich Menschenmassen durch die Gassen. Fast fieberhaft wurde gefeilscht und gehandelt, nachdem sich die ersten dunklen Wolken am Wasserburger Himmel zeigten. Viele Fieranten waren für einen Wetterumschwung gut gerüstet - mit riesigen Plastikplanen, Schirmen und provisorischen Überdachungen. Um 20 Uhr öffneten sich schließlich die Schleusen. Wer konnte, rettete sich in Hauseingänge, unter die Arkaden oder unter die Dächer der Gastronomiestände sowie für ein Bier zwischendurch in die Gastwirtschaften. Einige Händler bewiesen Fantasie: Sie zogen sich den zum Verkauf stehenden flauschigen Bademantel einfach selbst über oder legten sich den Fuchsnerz, der noch auf einen Interessenten wartete, wärmend über die kühlen Schultern.

Im trockenen Festivalbüro klingelte das Notfallhandy von Organisationschefin Angelika Springer ohne Unterlass. "Wie geht es weiter?" lautete die Frage vieler Fieranten von außerhalb, die zum ersten Mal dabei waren. Einheimische und Stammanbieter wussten dagegen: Aufgeben und einpacken? Das gibt es beim Wasserburger Flohmarkt, der erfahrungsgemäß eine große Affinität zum Wasser besitzt, nicht. Angelika Springer und Ehemann Herbert, zuständig für die EDV-Organisation der Großveranstaltung, sowie Carl-Heinz Hartmann beruhigten die Gemüter und übten sich in Wettervorhersagen: "Das geht vorüber", war das Vorstandsteam aus dem Theaterkreis überzeugt.

"Wart amoi, i hob da wos g'sehn": Genauere Inspektion erforderlich.

Und tatsächlich: Um 20.30 Uhr war der Spuk vorbei - und wenige Minuten später präsentierten sich die Altstadtgassen wieder gut gefüllt von zum Teil stark durchnässten Besuchern, die sich jedoch von der Schnäppchenjagd nicht abhalten ließen. Und sogar in Kauflaune waren, was nicht nur am Drängen eines jungen Mannes lag, der Omas Lampenschirm gerne an den Mann oder die Frau bringen wollte, denn: "Leute, ich brauch` das Geld, ich will in Urlaub fahren."

Von Kopf bis Fuß in Plastik gehüllt stand an der Jakobskirche ein älterer Herr, unter der Schutzschicht lugte eine elegante Fliege hervor. "Ich habe mich schon zweimal umgezogen", seufzte der Wasserburger und gab zum Hut aus der Fremdenlegion, der über seinen Tapeziertisch ging, gratis ein Regencape für den Käufer dazu.

"Was für ein Sommer!" Das Hauptgesprächstheater des Abends war natürlich der lauwarme Abend, der mal wieder ins Wasser gefallen war - ein Grund, warum außergewöhnlich viele Käufer die auffallend vielen Skier, die heuer angeboten wurden, erstanden haben? Gut weg gingen außerdem die guten, alten Schallplatten, die derzeit eine Renaissance erleben, Großmutters Geschirr und Lampen, bestückt mit der ausrangierten Glühbirne. Es gab sogar Käufer, die einen gewaltigen Bauernschrank oder einen großen Käfig geduldig durch die Menschenmengen zum weit entfernt geparkten Auto schleppten.

... mal wasserfest.

Nach dem Gewitter lichteten sich die Reihen der Stände zwar etwas, weil einige Fieranten doch aufgaben, "aber die Stimmung ist weiterhin gut", freute sich das Organisationsteam aus dem Theaterkreis. Auch die Vereine, die traditionell beim Wasserburger Nachtflohmarkt als einzige Getränke ausschenken und Essen anbieten dürfen, machten ein gutes Geschäft für die eigene Kasse: Neben dem Theaterkreis waren auch Feuerwehr, Reservistenkameradschaft, Trachtenverein, türkischer Verein, Stadtgarde, Wasserwacht und der Verein "Hilfe für rumänische Waisenkinder" aktiv.

Mitten drin im Trubel 50 ehrenamtliche Ordner, unter ihnen auch Hugo Stöber, der mit 80 Jahren noch immer als Helfer unterwegs ist, und Karl Bachinger, seit 40 Jahren in gelb leuchtender Weste im Einsatz. In dieser Funktion gibt es viel zu tun: anfangs beim Einweisen der Ständen und Ausladen der Ware, was häufig mit engem Rangieren der Autos verbunden ist, dann mit der Kontrolle, bei der es darum geht, dass keine kommerziellen Händler mit Neuware ihr Geschäft machen und die Flohmarktordnung eingehalten wird. Oder Fundsachen einsammeln - die dann im Fundbüro der Stadt abgegeben werden.

Alle Fäden der Organisation liefen im Festivalbüro zusammen, wo Angelika Springer auch heuer in der Hektik Ruhe bewahrte - auch dann noch, als ein Fluchtweg verbaut worden war, ein Hausgerüst einen Standplatz versperrte und Messer auf einem Tapeziertisch auftauchten, die als zu gefährlich beurteilt wurden. "Diese kurzfristige Änderungen machen den Marktabend immer zu einer spannenden Angelegenheit", erklärte Angelika Springer, die organisatorische Herausforderungen dieser Art liebt. Seit 2003 wacht sie über den Nachtflohmarkt, ein Engagement, das ihr viel Freude bereitet. "Die Stimmung ist immer gut. Die Leute freuen sich, wenn sie was verkaufen oder und wenn sie etwas ergattern können. Bei gutem Wetter geht was, bei schlechtem zeigen sich diejenigen, die aushalten, immer besonders kauffreudig. Eigentlich sind fast immer alle zufrieden."

Heike Duczek (Wasserburger Zeitung)

Quelle: rosenheim24.de

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