Region: Natur und Finanzen im Einklang

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Echte Ökoprodukte: ein gut bestückter Holzlagerplatz.

Schliersee/Rosenheim - Wenige Schäden und angemessene Preise - so lässt sich das forstliche Jahr 2011 in der Region beschreiben.

Auch das bald endende internationale "Jahr der Wälder" wird Forstbetriebsleiter Stefan Pratsch gut in Erinnerung bleiben. "Das Erfolgsmodell Bayerische Staatsforsten hat sich seit der Reform 2005 sehr gut entwickelt. Wir haben uns besser organisiert, die Kosten spürbar gesenkt und all unsere waldbaulichen und ökologischen Ziele steigern können", so Pratsch. Allerdings: "Den Einklang zwischen wirtschaftlichen und sozialen Zielen in einem Gebirgsbetrieb zu schaffen ist nicht immer einfach."

Dem Schlierseer Forstbetrieb, der die Staatswälder vom Tegernseer Tal bis nach Rosenheim und ins Inntal bewirtschaftet, sei es dank des hohen Engagements der Mitarbeiter gelungen, seinen Beitrag zum hervorragenden Gesamterfolg der Bayerischen Staatsforsten zu leisten. Pratsch: "Dabei wurde der Waldumbau mit 50 Hektar Neukulturen insbesondere im Schutzwald und in den fichtenreichen Flächen der Schotterebene weiter vorangebracht."

Bei der Pflege der Waldbestände sei mit rund 100 Hektar das jährliche Soll in der entscheidenden Jugendphase sogar deutlich überschritten worden. Glücklicherweise wurde der Betrieb bislang von größeren Sturmereignissen verschont. "Damit konnten wir bei der geplanten Holzeinschlagsmenge eine Punktlandung schaffen und auch den Borkenkäfer weiter zurückdrängen", freut sich der Betriebsleiter.

Internationales Jahr der Wälder

"Wenn die Vereinten Nationen ein ganzes Jahr einem bestimmten Thema widmen, zeige das oft zweierlei: Erstens ist das Thema wichtig. Zweitens glaubt man, es bekomme zuwenig Aufmerksamkeit", so Pratsch. Niemand werde in Abrede stellen, dass Wälder wichtig sind. Hierzulande gebe es auch kein Wertschätzungsproblem für Bäume - ganz im Gegenteil. Den Vereinten Nationen sei es um die Akzeptanz der Forstwirtschaft gegangen.

Pratsch: "Jeder liebt Bäume. Und alle freuen sich über den schönen Tisch in der guten Stube. Aber dass zwischen Baum und Tisch Motorsäge, Seilkran, Schlepper oder Harvester stehen, wird oft übersehen." Wer Bäume liebe, tue sich zunächst schwer beim Anblick der Holzernte. "Wer zum Joggen oder Spazierengehen, also zur Erholung, im Wald ist, wird sich kaum freuen, wenn ihm eine Holzerntemaschine begegnet." Dass dieser Konflikt überhaupt auftritt, liege daran, dass unsere Wälder eben nicht nur Erholungsraum, sondern auch Wirtschafts- und Naturraum sind. Viele Generationen von Förstern und Waldarbeitern hätten den Wald, den wir heute so lieben und genießen, geformt.

"Hier wird gejoggt, gewachsen, gespielt, gelebt und gesägt." Integrative Forstwirtschaft nennt Pratsch das. Selbstverständlich sei das längst nicht in allen europäischen Ländern. Dort gebe es häufig eine Unterteilung nach Wirtschaftswäldern, Erholungswäldern und abgeschirmten Naturschutzgebieten. Die einen seien meist nicht erschlossen und nicht für Freizeitaktivitäten vorgesehen. Die anderen hätten oft parkähnlichen Charakter. Pratsch: "Bei uns ist das nicht vorstellbar. Und es ist auch nicht gewollt."

re/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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