Neue Diskussion um alte Kennzeichen

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Seit 42 Jahren im Einsatz ist ein Mercedes LF 8 der Feuerwehr Babensham, so lange ist auch schon das alte WS-Schild zu sehen. Jetzt hofft man auf Ersatz, womit auch die Nummer eingezogen würde.

Wasserburg - Viel Mühe verwenden die Besitzer einiger Oldtimer darauf, ihr altes WS-Autokennzeichen zu behalten. Nun zielt eine neue Initiative darauf ab, dass dieses Schild wieder regulär eingeführt wird.

Der neue Vorstoß in Bayern ist im Wesentlichen eine Marketing-Idee von zwölf Städten wie Rothenburg oder Dinkelsbühl, die zwar bekannt sind, deren Abkürzung sich aber seit der Verwaltungsreform vor 40 Jahren nicht mehr auf Autoschildern findet (wir berichteten gestern).

Aber auch in Wasserburg könnte man sich durchaus damit anfreunden, dass die alten WS-Kennzeichen wieder öfter im Straßenverkehr zu sehen sind.

Stolz auf seinen Manta Baujahr 1970 ist Andreas Baumgartner. Auch wenn das Auto im Moment nicht mehr auf der Straße unterwegs ist: Die alte Nummer wurde immer wieder reserviert.

Denn einige gibt es ja immer noch: Auf 800 schätzt Werner Eder, Leiter der Kfz-Zulassungsstelle in Wasserburg, den Bestand, "die meisten davon allerdings auf Bulldogs und alten Anhängern". Nur mehr rund 80 Pkw ziert ein Kennzeichen mit der Abkürzung des alten Landkreises Wasserburg.

Die Besitzer von solchen Autos, die bis 1971 zugelassen wurden, haben in der Vergangenheit teilweise einen hohen Aufwand betrieben, um sich genau diese Schilder zu erhalten. Zum Beispiel Andreas Baumgartner: Auch wenn er seinen Opel Manta nicht gefahren hat, ging er regelmäßig zur Zulassungsstelle, um per Tageszulassung die Nummer weiter zu reservieren.

Inzwischen hat sich die Rechtslage allerdings verändert. Nach einer "Außerbetriebssetzung" kann man ein Kennzeichen noch 18 Monate reservieren, "dann ist es endgültig weg", so Werner Eder. Wer sich einen Oldtimer samt WS-Schild kauft, kann dieses weiterführen, wenn er im Landkreis Rosenheim wohnt. Für den Rest des ehemaligen Landkreises Wasserburg, der ja auf vier Landkreise verteilt wurde, gibt es dafür keine Chance.

Auch auf diesem Hintergrund sieht man im Landratsamt Rosenheim die Idee, WS- und AIB-Schilder wieder einzuführen, ohne Aufregung aber mit einer gewissen Skepsis. Denn: "Wir glauben eigentlich, dass das RO-Kennzeichen durchaus auch identitätsstiftend ist", so Landratsamtssprecher Michael Fischer. Sollte aber die jetzt angestoßene Rechtsänderung kommen, werde man sie eben vollziehen.

Dass dies grundsätzlich rechtlich möglich ist, zeigen Beispiele aus Hessen. Dort hat Hanau sein HU behalten, parallel wird MKK für den Main-Kinzing-Kreis vergeben. Und in Thüringen ist sogar der Verkehrsminister für eine Liberalisierung der Kennzeichenpflicht.

Genau die könnte jedoch den jetzigen Vorstoß sinnlos machen. Denn für eine Änderung werden beispielsweise auch personifizierte Kennzeichen ohne direkten Bezug zum Zulassungsort diskutiert. Der ist in Italien schon weggefallen, in Österreich sind seit einigen Jahren persönlich gestaltete Buchstaben-Kombinationen erlaubt.

Völlig offen ist im Fall des WS-Kennzeichens auch die Frage, wer denn nach Wiedereinführung zum Führen berechtigt wäre: Nur die Stadt-Bewohner? Oder die des Altlandkreises? Das dürfte allerdings kaum funktionieren: Für die Gemeinden in den Landkreisen Mühldorf, Ebersberg und Erding wird es sicher keine Rückkehr zu alten Zeiten mehr geben. Und selbst im Kerngebiet um Wasserburg sei das alte Schild eigentlich nur ein Spezialthema bei Oldtimer-Freunden, so die Erfahrung von Werner Eder: "Da hören wir schon manchmal, dass es schön wäre, wenn auch das Nummernschild 'historisch' wäre."

Wasserburger-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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