Neue kirchliche Konzepte für Senioren

Wasserburg - Wie kann die katholische Kirche den Bedürfnissen älterer Menschen gerecht werden? Der Kreiskatholikenrat beschäftigte sich nun mit dieser Frage:

Der Kreiskatholikenrat beschäftigte sich jetzt in seiner Vollversammlung in Wasserburg mit der Frage, wie die Pfarreien und kirchlichen Organisationen dem Bedürfnis älterer Menschen auf ein möglichst lange selbstbestimmtes Leben entgegen kommen können.

"Ich fühle mich mit 74 zu jung für Altennachmittage", brachte eine Mitgliedsfrau im Kreiskatholikenrat die Gefühle vieler Senioren auf den Punkt. Eine neue Generation älterer Bürger ist auch im Landkreis bereits herangewachsen, stellte sich während der Vollversammlung unter Leitung des Vorsitzenden Hans-Peter Czech heraus: Die neuen Alten sind relativ fit, bereit, sich punktuell zu engagieren, reisefreudig, bildungshungrig, interessiert. Natürlich wollen sie zu Hause wohnen und bis ins hohe Alter ein selbstbestimmtes Leben führen: Eine Befragung für das seniorenpolitische Gesamtkonzept des Landkreises Rosenheim hat das bestätigt.

Landkreisdekan Gottfried Doll sieht deshalb auch in den Pfarreien die Notwendigkeit zum Umdenken - weg von der traditionellen Seniorenarbeit mit geselligen Kaffeenachmittagen, die früher gut angekommen seien, jedoch mittlerweile immer schlechter besucht würden, hin zu alternativen Angeboten. Denn das Bild vom Alter muss nach Dolls Überzeugung korrigiert werden. Alt gleich gebrechlich, das stimme heute in der Regel nur noch bei den Hochbetagten, berichteten auch die übrigen Teilnehmer der Vollversammlung im Rittersaal der Burg, wo die Stiftung Attl das Altenheim Maria Stern betreibt.

Stiftungsvorstand Friedrich Seipel forderte eine verstärkte Konzentration aller in der Seniorenarbeit Tätigen auf die ortsnahe Versorgung. Denn barrierefreies Wohnen in vertrauter Umgebung wird erschwert, wenn Versorgungseinrichtungen wie Ärzte und Apotheken, Einkaufsmöglichkeiten und Begegnungszentren sowie kulturelle Angebote weit entfernt und für nicht mehr uneingeschränkt mobile Menschen kaum erreichbar sind. Seipel sieht sogar die Notwendigkeit, mit stationären Pflegeeinrichtungen "dort hinzugehen, wo die Menschen sind". Kleinere Heime seien jedoch wirtschaftlich nur schwer in kleinen Kommunen zu realisieren, bedauerte er.

Derzeit besteht im Landkreis Rosenheim keine finanzielle Forderung nach Neueinrichtung einer stationären Pflegeeinrichtung, teilte Sozialplaner Jürgen Laupheimer auf Anfrage des Kreiskatholikenrates mit. Laupheimer hat - unterstützt von einer an der Seniorenarbeit interessierten und hierin tätigen Steuerungsgruppe - im Auftrag des Landkreises das Gesamtkonzept erstellt. Es zeigt, dass der stationäre Pflegebedarf in der Region derzeit und vermutlich bis etwa 2020 gedeckt ist. Auch im ambulanten Bereich sei der Landkreis gut bis sehr gut versorgt. Noch: Denn bis 2029 wird sich der Anteil der über 65-Jährigen auf 27,1 Prozent erhöhen. Stark werde vor allem die Gruppe der Hochbetagten steigen, so ein Ergebnis der Studie, die Laupheimer dem Kreiskatholikenrat vorstellte.

Das Gesamtkonzept stellt sich hinter das landesweite Ziel "ambulant vor stationär", unterbreitet deshalb auch viele Empfehlungen, das Wohnen zu Hause weiter zu fördern (unter anderem durch Barrierefreiheit und ambulante Hilfen sowie intensive Beratungsleistungen) und fordert Ortsplanungen, die die Bedürfnisse der Älteren berücksichtigen. Es legt sein Augenmerk jedoch auch auf die Angehörigen, die bei der Betreuung und Pflege entlastet werden müssten. Vor allem der weitere Ausbau der Tagespflege sei eine Aufgabe der Zukunft.

Erwin Lehmann, Kreisgeschäftsführer der Caritas, gab den Vertretern der Pfarreien und kirchlichen Organisationen, die im Kreiskatholikenrat zusammengeschlossen sind, Empfehlungen zur Umsetzung vor Ort mit. Die Pfarreien, "traditionell stark in der Seniorenarbeit", so Vorsitzender Czech, wollen auch die neue Herausforderung annehmen.

duc/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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