Neuer Kapitän auf dem Riesenschiff

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
"Cool" finden die Realschüler ihren neuen Schulleiter Markus Hösl-Liebig. "Danke - solange sie das nicht mit zu nachgiebig verwechseln", kommentiert der das amüsiert.

Wasserburg - "Cool" finden die Realschüler ihren neuen Schulleiter Markus Hösl-Liebig, der die Nachfolge von Josef Grunder antritt:

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt, das wusste schon Wilhelm Busch. Und das gilt auch für die hiesige Realschule: Nichts ist mit kommissarischer Leitung, zum neuen Schuljahr kam mit Markus Hösl-Liebig ein neuer Chef.

Mitte Juli war die Nachfolge von Josef Grundner, der in Erding eine Realschule übernahm, bayernweit ausgeschrieben worden. Erfahrungsgemäß dauert es dann Wochen und Monate, bis die eingegangenen Bewerbungen durch die Instanzen durch gesichtet und bewertet sind, ein Favorit ausgesucht und dessen Installation auf dem neuen Posten über die Bühne ist. Deswegen war schon besprochen, dass Grundner zusätzlich zu seiner neuen Schule sich mit seiner bisherigen Stellvertreterin Monika Dirschl weiter für die Anton-Heilingbrunner-Realschule zuständig ist. Und dann kam es doch anders: Ende August stand der Wechsel von Markus Hösl-Liebig nach Wasserburg fest.

Auch für ihn überraschend, "ich konnte mich leider noch nicht einmal von allen meinen Lehrern persönlich verabschieden", so der bisherige Schulleiter der Trauntreuter Realschule. Zumindest blieb dem neuen Chef einer der größten Realschulen Bayerns der Umzugsstress erspart, denn Hösl-Liebig lebt seit langem in Wasserburg. Das war für den 49-Jährigen aber nicht der Auslöser für die Bewerbung, denn der muss sich jetzt neue Wege der Vorbereitung beziehungsweise Entspannung suchen, "das fand bisher immer während der Autofahrt statt - ich habe noch nie so nah an meinem Arbeitsplatz gewohnt", schmunzelt Hösl-Liebig.

Gereizt hat ihn vielmehr, dass Wasserburg - im Gegensatz zu Traunreut - Seminarschule ist. "Ich will jungen Kollegen, die frisch von der Uni kommen und noch richtig Bock darauf haben, die schönen Seiten dieses Berufes zeigen." Auch, dass der Wasserburger Schulleiter automatisch stellvertretender Ministerialbeauftragter ist, war Hösl-Liebig wichtig. Er war bisher schon Mitglied eines kollegialen Führungskreises und findet, bei der Schulaufsicht könne man noch etwas tun. Nicht den Kollegen auf die Finger zu schauen als vielmehr Resourcen und Erfahrungen zu nutzen, bewährtes an die knapp 50 Realschulen in Oberbayern-Ost weiter zu tragen.

Spannend findet der Vielleser - bevorzugt englische Literatur - auch die Möglichkeiten der modernen Schulorganisation, die sich an einer so großen Schule bieten. "Denn eine doppelt so große Schule bedeutet ja nicht doppelt so viel Arbeit, denn hier gibt es ganz andere Strukturen." Dass die in ganz großen Teilen sehr gut funktionieren, dass hat Hösl-Liebig in den ersten zwei Wochen am neuen Arbeitsplatz schon festgestellt. Ein bischen nachjustieren will er aber doch. Zum Beispiel die Aufgaben in den Lehrerteams präzisieren, damit die Arbeitsabläufe effizienter machen. Oder schauen, wie die Kommunikationsstrukturen zu verbessern sind, welche Kanäle vorhanden sind, welche neu zu schaffen. Aber bloß nicht zu viel zu schnell, denn "ein Riesenschiff wie diese Schule muss man behutsam steuern. Das Ruder herumzureißen kann da ganz schnell auf einen falschen Kurs führen."

Die Pausenglocke ertönt, in den Gängen sind schlagartig die Schüler nicht zu überhören. "Schön oder? Ich liebe das! Was ist schon eine Schule ohne Schüler", strahlt Hösl-Liebig. Die Kinder und Jugendlichen sind ihm - Junglehrer hin, Strukturen her - sowieso das Wichtigste. In Traunreut kannte er sie alle, bis er hier die 1292 kennt, wird es wohl etwas dauern, da er Schüler als Individuen und nicht als Masse sieht, ist das dennoch sein Ziel. Nach Hösl-Liebigs Erfahrung gehen die meisten Schüler gerne in die Schule, viele engagieren sich über den Unterricht hinaus. "Diese Kräfte gilt es zu nutzen, die Schüler in die Gestaltung ihrer Schule mit einzubeziehen".

Und wenn das Steuern des Riesenschiffes Realschule mal viel Kraft gekostet haben sollte, dann kann Hösl-Liebig beim Snooker entspannen. Zu Hause, am eigenen Tisch.

syl/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Region Wasserburg

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser