Neue Basis für Auer Klosterbräu

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Franz und Rita Rannetsperger führen die neue Vertriebsgesellschaft, Hubert Gassner ist weiter Braumeister und Eigentümer der Klosterbrauerei Au.

Gars - Wenn vom Klosterauer Dunkel die Rede ist, kommen Bierliebhaber ins Schwärmen. Die Klosterbrauerei war trotzdem in einer schwierigen Situation.

Das dunkle Bier aus der Klosterbrauerei ist sehr beliebt bei Bierspezialisten. Doch außerhalb des bekannten Bräustüberls mit seinem Biergarten in der früheren Auer Klosteranlage war es in den vergangenen Monaten teilweise nur unregelmäßig zu haben. Dazu kamen das Ausbooten des Klosterbräu beim Waldkraiburger Volksfest und ein Schreiben, in dem die Brauerei Anfang Juni ihren Abnehmern einen "Neuanfang" ankündigte: Sie könne vorübergehend kein Bier mehr liefern.

Spätestens danach war in der Gerüchteküche von Insolvenz und Schließung der Brauerei die Rede, waren doch schon in den vergangenen Jahren immer wieder finanzielle Probleme bekannt geworden.

"Alles Schmarrn, wir brauen weiter", hält Braumeister Hubert Gassner dagegen. Mit der Auslagerung von Vertrieb und Marketing in eine neue Gesellschaft will er sich nun genau darauf konzentrieren und die Verwaltungsgeschäfte der "Dunkles Bräuhaus Unternehmergesellschaft" überlassen.

Einziger Gesellschafter dort ist Franz Rannetsperger, Betreiber von zwei Getränkemärkten und Heimdiensten im Landkreis Mühldorf. Gemeinsam mit seiner Frau Rita als Geschäftsführerin will er vor allem den Vertrieb auf neue Füße stellen und dabei auch die Logistik seiner Getränkemärkte mit einbringen.

"Es ist entscheidend, dass zukünftig regelmäßig produziert und ausgeliefert wird", so Franz Rannetsperger. Denn genau das war in der Vergangenheit nicht immer der Fall. Hubert Gassner führt dafür mehrere Gründe an. Zum einen habe er die Brauerei vor zwölf Jahren mit "einem Haufen Schulden" und ungeklärten Erbauseinandersetzungen übernommen, die den Betrieb wirtschaftlich belastet hätten. Das sei inzwischen "praktisch gelöst" und damit die Basis für einen Neuanfang gelegt.

Zum anderen räumt Gassner zeitweise technische und Qualitäts-Probleme ein. Die hingen vor allem damit zusammen, dass er nur die Fässer selbst befüllt, die Flaschen aber in einer anderen Brauerei abgefüllt werden, wo nur unregelmäßig Kapazitäten frei gewesen seien.

Hier will auch Franz Rannetsperger ansetzen: Zusätzliche Qualitätskontrollen in einem Großlabor und verbindliche Vereinbarungen für die Abfüllung sollen diese Probleme in der Zukunft ausmerzen. Außerdem soll ein eigener Vertriebsmitarbeiter den Absatz der Klosterbräu-Biere ankurbeln.

Ziel von Rannetsperger ist insgesamt "die Auslastung der Brauereikapazität", im ersten Jahr eine Verdoppelung des Absatzes von Klosterauer Hell, Dunkel, Märzen und Bock. "Das ist realistisch, denn wir haben nach oben viel Luft", umschreibt Rannetsperger die Situation. Im letzten Jahr hat Gassner nach eigenen Angaben noch 400 000 Liter gebraut.

Hubert Gassner bleibt Eigentümer der Immobilie und der Brauerei in Au und wird weiter im Klosterstüberl "Mann vor Ort" sein, auch wenn die Wirtschaft künftig ebenfalls von der neuen Gesellschaft betrieben wird - vorläufig ohne große Veränderungen im Angebot. "Das wollen wir im Herbst in Ruhe angehen", so Rita Rannetsperger.

Einen Grund zum Feiern wird es dort heuer auf alle Fälle noch geben: Die Klosterbrauerei Au wird 375 Jahre alt. Die Familie Gassner betreibt sie seit der Säkularisierung 1803. Diese Tradition, die einmalige Lage von Bräustüberl und Biergarten, aber auch die steigende Nachfrage nach regionalen Produkten seien für ihn ausschlaggebende Argumente gewesen für den Einstieg, so Franz Rannetsperger: "Ich bin überzeugt, dass wir gute Chancen haben."

Wasserburger-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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