Handlich und sicher, aber teuer

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Nachname "Bär", Vorname "Berliner": Das Gerät wäre technisch bereit, den neuen Personalausweis zu aktivieren, wie im Sichtfeld zu sehen. Allerdings könnte das Auslesen der persönlichen Daten - von Name und Geburtsort vielleicht abgesehen - in diesem Falle etwas schwierig werden...

Wasserburg - Nur noch halb so groß, doppelt so sicher und dreieinhalb Mal so teuer, das ist der neue Personalausweis, den es seit 1.November gibt.

Scheckkartenformat, Chip, Fingerabdruck - der neue Personalausweis sollte nicht nur handlicher sondern dank Zusatzausstattung auch zukunftstauglicher werden. Und dann gab es bundesweit Probleme mit den Lesegeräten, die die Personalausweise aktivieren. "Bei uns hat nur ein Gerät nicht reibungslos funktioniert, die anderen schon", ist Alexander Maier vom Bürgerbüro im Rathaus ganz dankbar, dass dieser Ärger an ihm und seinen Kolleginnen vorbeiging.

Denn es gab anderen Ärger genug. Zum einen ist der begleitende Papierkram mehr geworden, ein halbes Dutzend Beiblätter sind es. Da muss zum Beispiel unterschrieben werden, dass das Informationsmaterial zum Personalausweis und zum elektronischen Identitätsnachweis ausgehändigt wurde, oder dass die Fingerabdrücke gespeichert werden können. Zudem war am Anfang die Bearbeitungszeit sehr lang, die Bundesdruckerei kam nicht nach und brauchte bis zu sechs Wochen. "Das hat sich jetzt aber wieder eingependelt, mittlerweile ist der neue Personalausweis nach gut zwei Wochen da", so Irmgard Maier.

Besonders groß aber ist der Ärger um die Kosten für einen neuen Personalausweis. War bis vor ein paar Monaten die Erstausstellung bei Kindern und Jugendlichen kostenlos, sind jetzt 22,80 Euro fällig. Erwachsene zahlen statt acht mittlerweile 28,80 Euro. "Da schimpfen die Leute schon, vor allem, wenn sie den Chip gar nicht nutzen wollen", so Irmgard Maier.

Auf dem Chip, der nahezu unsichtbar in dem scheckkartengroßen Ausweis untergebracht ist, sind die persönlichen Daten gespeichert. Was genau gespeichert ist, könnte beim Abholen des Ausweises jeder selber lesen, "das hat aber noch keiner gemacht", so Alexander Maier. Gut die Hälfte der Besitzer eines neuen Personalausweises lässt den Chip deaktivieren, schätzen Irmgard Maier, Stephanie Betzl und Alexander Maier. Damit ist eine schnelle Identifikation im Internet, zum Beispiel beim Einkauf per Nachnahme oder bei elektronischen "Behördengängen" - unter anderem dafür ist der Chip gedacht - nicht mehr möglich. Ämter und Behörden können übrigens trotz Deaktivierung des Chips auf die Daten zugreifen.

Auf dem neuen Personalausweis können erstmals auch Fingerabdrücke gespeichert werden. "Das akzeptieren Ältere eher", so Irmgard Maier, "da heißt es meist 'Ich habe nichts zu verbergen'". Stephanie Betzl ergänzt, dass jüngere Kunden eher ablehnen, Begründung meist: "Ich bin eh' schon so gläsern". Bringt die Speicherung des Fingerabdruckes etwas? Den meisten wohl nicht, sind sich die Bürgerbüroler einig. Lkw-Fahrer, die oft mit dem Zoll zu tun haben, sind da vielleicht eine Ausnahme. "Und all die, die öfter mal Geld in die Schweiz bringen", lacht Alexander Maier. Die beiden - freiwillig -gespeicherten Fingerabdrücke sind allerdings ein weiteres Sicherheitsmerkmal, schützen vor Missbrauch. Denn Fingerabdrücke sind einmalig, selbst eineiige Zwillinge unterscheiden sich da.

Der große Ärger bei der Aktivierung der neuen Personalausweise, wie er in vielen Kommunen, darunter Ebersberg und Grafing, auftrat, ist den Mitarbeitern des Bürgerbüros erspart geblieben. Was diese auf die in Wasserburg eingesetzte Technik samt Software zurückführen. Stephanie Betzl weiß von Kollegen, dass bei anderen EDV-Firmen "schon mehr" Probleme auftraten. "Außerdem", ergänzt Irmgard Maier begleitet vom Kopfnicken der Kollegen, "haben wir einen tollen Systembetreuer, der sofort kommt, wenn's brennt, und die Sache wieder zum Laufen kriegt."

syl/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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