„Neues Leben geschenkt“

Landkreis/Flintsbach – In Bayern warten 1700 Schwerkranke auf eine lebensrettende Transplantation – 1700 Fälle, hinter denen persönliche Schicksale stecken.

Täglich sterben in Deutschland fünf Menschen, weil kein passendes Spenderorgan für sie zur Verfügung steht. Allein in Bayern warten 1700 Schwerkranke auf eine lebensrettende Transplantation – nüchterne Zahlen, hinter denen persönliche Schicksale stehen. Das OVB hat bei einer Podiumsdiskussion des CSU-Kreisverbandes Rosenheim-Land in Flintsbach, an der auch Bayerns Gesundheitsminister Dr. Marcel Huber teilnahm, mit Organspendern und -empfängern gesprochen.

Walter Weinzierl, Gauvorsitzender des Inngau-Trachtenverbandes, ist ein „gstandnes Mannsbild“: Wer ihn länger kennt, dem fällt auf, dass der Kolbermoorer in den vergangenen Wochen schlank geworden ist und so frisch aussieht wie schon lange nicht mehr. Der Grund ist Ehefrau Anneliese: „Sie hat mir ein neues Leben geschenkt“, sagt Weinzierl.

Am 31. Oktober vergangenen Jahres hat Anneliese Weinzierl ihrem Mann eine Niere gespendet. Das hätte sie gerne bereits viel eher getan, doch da die Eheleute unterschiedliche Blutgruppen aufweisen, mussten sie warten, bis der technische Fortschritt in der Medizin Möglichkeiten mit sich gebracht hatte, diese Hürde zu nehmen und eine Spende möglich zu machen. „Als es endlich soweit war, haben wir es sofort angepackt“, berichtet Anneliese Weinzierl mit Betonung auf dem „Wir“. Bereits nach einer Woche Krankenhaus- Aufenthalt war die Spenderin wieder daheim, die verbleibende Niere hatte die Funktion der entnommenen problemlos übernommen. Von der Operation geblieben ist Anneliese Weinzierl lediglich eine gut 20 Zentimeter lange Narbe.

Ihr Mann konnte nach drei Wochen das Klinikum Rechts der Isar in München wieder verlassen. Walter Weinzierl muss zwar lebenslang Medikamente nehmen, die verhindern, dass die Niere seiner Frau von seinem Körper wieder abgestoßen wird, doch er ist überglücklich über die neue Lebensqualität, die durch die Transplantation möglich wurde. Vor allem die gewonnenen 15 Stunden in der Woche, die er seit 2006 an der Dialyse verbracht hatte, genießt er als „geschenkte freie Zeit“. Endlich darf er außerdem essen, was er will, kann reisen, ohne den Urlaubsort nach der Frage auszusuchen, ob er auch ein Dialysezentrum bietet. „Der 31. Oktober 2011 ist mein neuer Geburtstag“, sagt er deshalb. 39 Jahre ist er bereits verheiratet. „Die Tatsache, dass meine Frau mir eine Niere geschenkt hat, hat uns noch mehr zusammenwachsen lassen“, stellt er strahlend fest.

Diese Gefühle kann auch Bayerns erste Lebendspenderin, Irmi Hobmaier aus Höslwang, gut nachvollziehen. 1985 schenkte sie ihrer Tochter, die aufgrund eines schweren Nierenversagens kaum eine Überlebenschance hatte, eine Niere und damit einen Neuanfang für deren Leben. Die Tochter betrieb nach der Transplantation sogar Leistungssport im Reiten, bevor sie 1998 an den Folgen eines Unfalls verstarb. Bis heute gehört Irmi Hobmaier zu den engagiertesten Kämpferinnen für die Organspende.

Hätte es nicht Bürger gegeben, die sich im Falle eines Hirntodes zur Organspende bereit erklärt haben, würde heute auch Peter Hallermeier nicht jährlich 5000 Kilometer auf dem Fahrrad zurücklegen. Der Beamte im Bayerischen Innenministerium hat 1994 eine neue Leber und eine neue Niere erhalten – sozusagen in letzter Minute. Das Jahr vor der Transplantation verbrachte der Münchener zwischen Leben und Tod. „Ich konnte nicht mehr essen, nicht mehr gehen, habe nur noch im Bett gelegen“, erinnert er sich. Dass er damals bei einer Größe von 1,87 Metern nur noch 56 Kilo wog, mag keiner glauben, der den stattlichen 54-Jährigen heute sieht. „Mir geht es gut“, sagt er, der durch die Transplantation nicht nur gesundheitlich wieder auf die Beine gekommen ist, sondern auch emotional neue Weichen in seinem Leben stellte.

Im Sachgebiet Katastrophenschutz bemüht er sich im Ministerium darum, die Nächstenliebe weiterzugeben, die er durch den unbekannten Organspender empfangen hat. Als er vor Jahren den höchsten Berg in der Provence erstieg, fühlte er sich ihm plötzlich ganz nah. „Hier stehen wir, habe ich gedacht. Die Dankbarkeit für meinen Spender begleitet mich bis heute gefühlsmäßig durch mein Leben. Ich lebe in seinem Sinne weiter.“ Über den Verlauf der Diskussion zum Thema Organspende bei dieser Veranstaltung berichten wir noch gesondert.

Heike Duczek (Oberbayerisches Volksblatt)

Quelle: rosenheim24.de

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