Ein bierernstes Privatvergnügen

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Thaddäus Baier, Florian Fraitzl, Korbinian Baier, Michael Kiermaier, Franz Fraitzl und Edmund Ernst (von links) führen eine der kleinsten Brauereien Bayerns. Aber sie führen sie mit Erfolg.

Wasserburg - Edmund Ernst ist einer von sechs Gesellschaftern einer der kleinsten Brauereien Bayerns. Keiner der sechs ist gelernter Brauer - und trotzdem hat das Weißbier aus dem Baderhaus eingeschlagen.

"Wenn wir uns der Ausmaße bewusst gewesen wären, hätten wir's wahrscheinlich nicht gemacht."  Mit Michael Kiermaier, Franz Fraitzl, Korbinian Baier, Thaddäus Baier und Florian Fraitzl führt er das "Baderbräu".

Den stärksten Bezug zum Brauwesen hat noch Autoteilehändler Ernst - immerhin ist er in Wasserburg im Bruckbräu-Gebäude aufgewachsen. "Das Brauerhandwerk hab ich aus dieser Zeit als etwas sehr Schönes in Erinnerung. Damals hab ich mir einiges abschauen können, das Thema Brauerei hatte ich immer als Traum im Hinterkopf." Als Kiermaier vor fünf Jahren in seiner Küche mit einem 20-Liter-Brauset aufkreuzte, das er für 30 Euro im Internet erstanden hatte, und die ersten Brauversuche auf dem Holz-Kohle-Herd im Baderhaus am Baderweg positive Ergebnisse zeitigten, war die Richtung klar: Schnaitsee sollte eine Brauerei bekommen.

Ruckzuck waren Mitstreiter gefunden. Mitstreiter, deren Kenntnisse vom Brauwesen ebenfalls eher überschaubar waren. Das glichen sie durch Elan und Optimismus aus - unabdingbar für einen Autoteilehändler, einen Wirtschaftsingenieur, einen Studenten der Vermessungstechnik, einen chemischen Reiniger, einen Ingenieur für Luft- und Raumfahrttechnik und eine Lehramtsstudentin, die als Bierbrauer erfolgreich sein wollen.

Und erfolgreich sind sie: Rosmarie Winterer, Wirtin des Bistrorants "Vicino", schenkt die Baderweiße aus, Edeka Scherer hat die Schnaitseer Bierspezialität ins Sortiment aufgenommen. Außerdem gibt's das Bier montags und sonntags von 9 bis 18 Uhr und freitags von 17 bis 21 Uhr direkt am Baderhaus.

Für das kommende Jahr ist geplant, einen gelernten Brauer einzustellen. Das Baderbräu schafft einen Arbeitsplatz. Der künftige Inhaber dieses Arbeitsplatzes, der Isener Andreas Nirschl, scheint in die Truppe zu passen. Auch er begann, noch vor der Brauerlehre, mit Kleinmengen für den Privatgebrauch - und sein vollmundiges, naturtrübes Bier schlug derart ein, dass es ihm den Spitznamen "Nirschl-Bräu" eintrug. Nirschls Produkt geriet einem der Schnaitseer bei einem privaten Fest unter die Nase und der knüpfte, vom Geschmack begeistert, sofort Kontakt.

Die Gesellschafterstruktur hat sich leicht verändert: Gründungsmitglied Vroni Moser ist ausgeschieden und durch Florian Fraitzl ersetzt worden. Dem Schwung, den die Jungbrauer seit ihrer ersten Brauerei-Sitzung am 20. November 2005 an den Tag gelegt haben, hat das keinen Abbruch getan: Das 20-Liter-Brauset ist schnell zu klein geworden. Es wurde durch eine selbst gebaute 80-Liter-Sudanlage ersetzt, kupferummantelt und mit einem Gasbrenner ausgestattet. "Die war dann zwei Jahre lang in Betrieb. Da hatten wir beim Experimentieren noch viele Fehlversuche, vieles hat der Gully bekommen", so Ernst. "Aber die Resultate waren immerhin ermutigend genug, dass wir schon im Mai 2006 beschlossen haben, eine speziell auf unsere Bedingungen zugeschnittene Anlage anfertigen zu lassen. Mit einem 500-Liter-Sudbehälter, Kessel, Läuterbottich und Kühler", ergänzt Kiermaier. Die Spezialanfertigung war notwendig wegen der räumlichen Situation - das Baderhaus war nicht unbedingt auf den Einbau einer Brauerei vorbereitet.

"Im November 2007 ist die neue Anlage geliefert worden. Die Menge, die wir jetzt brauen konnten, war nicht mehr als Eigenbedarf zu deklarieren. Wir gründeten eine GbR", schildert Kiermaier die Entwicklung. Doch mit der Anlage allein war's längst nicht getan: Die sechs Schnaitseer rüsteten das Baderhaus für den Brauereibetrieb um - nach Feierabend und an den Wochenenden. Nebenbei verfeinerten die Schnaitseer ihre handwerklichen Kenntnisse: "Wochenende für Wochenende haben wir Selbstversuche gemacht. Wir opfern uns auf für unser Bier", sagt Korbinian Baier grinsend.

Ein Baderbräu-Alleinstellungsmerkmal sind die Gebinde: Die Baderweiße gibt's entweder im Fünf-Liter-Fass oder in der Literflasche mit Schnappverschluss. Diese Bierflaschen werden gar nicht mehr hergestellt: "Wir haben uns die historischen Flaschen in den umliegenden Bauernhöfen mühsam zusammengesucht. Deshalb sind wir auch drauf angewiesen, dass wir die Flaschen von unseren Kunden zurückbekommen. Und wer noch Altbestände irgendwo in einem Schuppen rumstehen hat: Wir sind dankbare Abnehmer", so Kiermaier.

Derzeit schafft das Baderbräu einen monatlichen Ausstoß von etwa zehn Hektoliter. Die Brauer haben sich ein ehrgeiziges Ziel gesteckt: Mindestens 15 Hektoliter monatlich sollten's schon sein. Die Nahziele haben sie jedenfalls fast komplett abgearbeitet: die Bierqualität konstant halten, die Vermarktung optimieren, den Arbeitsablauf rationalisieren. Seit einigen Wochen ist ein Flaschenfüller in Betrieb, eine Flaschenwaschanlage wurde angeschafft.

Die Zutaten für ihr Bier beziehen die Baderbrauer aus dem Umland: ",Aus der Region für die Region' ist unser Motto. Kurze Transportwege, Regionalität und Nachhaltigkeit in der Produktion sind für uns selbstverständlich. Und es hat sich herausgestellt, dass das auch unsere Kunden so wollen", so Kiermaier. Mit Tatkraft, Umtriebigkeit und Geschäftssinn haben die Baderbrauer eines ihrer wesentlichen Ziele erreicht: Schnaitsee hat seine Brauerei.

fal/Wasserburger Zeitung 

Quelle: rosenheim24.de

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