Nur nicht lockerlassen

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Wasserburg - Als sehr anhänglich erwies sich ein 21-Jähriger beim Frühlingsfest: Er hielt seinen Kumpel fest umklammert, weshalb er jetzt vor Gericht landete!

Aufgrund einiger Meinungsverschiedenheiten geriet ein 21-jähriger Wasserburger im Juni dieses Jahres mit seinem Freund auf dem Wasserburger Frühlingsfest wiederholt aneinander. Der Versuch eines Polizeibeamten, die beiden Kontrahenten zu trennen schlug fehl, denn der Wasserburger hielt seinen Spezl so fest umklammert, dass die Festnahme vorerst scheiterte. Stattdessen ging das Trio zu Boden und der Wasserburger ließ auch nach wiederholter Aufforderung nicht los. Das folgende Handgemenge mit den Einsatzbeamten brachte dem Hilfsarbeiter schließlich Abschürfungen, Druckstellen und eine Anklage wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte ein.

Vor dem Amtsgericht Wasserburg wollte der Angeklagte nun keine Aussage zum Tathergang machen. Eine Widerstandshandlung bestritt er jedoch vehement. Vielmehr sah er den Polizeieinsatz als rustikal und ungerechtfertigt an. Aus seiner Sicht habe er lediglich seinen Freund mit der Umklammerung davor bewahren wollen, eine Dummheit zu begehen.

Grundlos hätten ihn die Beamten dann zu Boden gebracht und ohne ersichtlichen Grund gefesselt. Dabei seien sie mit übertriebener Härte eingestiegen und hätten am Ende auch seine Kleidung beschädigt.

Die Verteidigung war der Meinung, dass die Beamten den Angeklagten nicht ausreichend darüber informiert hätten, dass er fixiert werde, weil er Widerstand geleistet habe. Sein Mandant hätte darauf hingewiesen werden müssen, dass er sich den Anweisungen nicht widersetzen dürfe und erst dann hätte unmittelbarer Zwang angewendet werden dürfen. Dem widersprach das Gericht, das der Auffassung war, dass den Anweisungen der Polizei grundsätzlich Folge zu leisten sei.

Zwei beteiligte Polizeibeamte, die als Zeugen geladen waren, schilderten den Sachverhalt aus ihrer Sicht. Demnach achte die Polizei zur Gewaltprävention während des Frühlingsfestes verstärkt auf Präsenz und so seien am 11. Juni auch mehrere Beamte vor Ort gewesen. Dabei hätten die Einsatzkräfte die Auseinandersetzung der beiden Männer schon längere Zeit beobachtet.

Der Versuch eines Polizisten, erste Handgreiflichkeiten der beiden zu schlichten, sei jedoch gescheitert. Stattdessen sei der Beamte vom Freund des jetzt Angeklagten geschubst worden. Währenddessen habe der 21-Jährige den Freund fest umklammert gehalten. Trotz beruhigender Worte der Polizisten und deren wiederholter Aufforderung loszulassen, habe der Angeklagte aber weiterhin am Freund festgehalten und somit, nach Ansicht der Beamten, dessen Festnahme zu vereiteln versucht.

Nach geglückter Trennung habe sich der Angeklagte aber noch weiterhin gewehrt und somit eine Fesselung provoziert. Aber auch nach gutem Zureden und der Bitte lockerzulassen, habe der Mann seine Arme weiterhin verschränkt gehalten und sich nach Leibeskräften gewunden. Daraufhin habe man den Angeklagten am Boden gehalten, ihm Fesseln angelegt und später in den Polizeiwagen verfrachtet. Ein Alkoholtest ergab 1,37 Promille.

Nach einem Rechtsgespräch einigten sich Staatsanwaltschaft, Gericht und Verteidigung gegen eine Geldauflage von 200 Euro und einer verbindlichen Teilnahme am Präventionsprogramm FreD Alkohol auf eine Einstellung des Verfahrens nach §47 Jugendgerichtsgesetz. Der Angeklagte habe noch keine Vorahndung, deshalb komme er noch mit einem blauen Auge davon, hieß es in der Urteilsbegründung. Künftig solle er sich jedoch nicht mehr mit Polizisten anlegen und weniger trinken.

ca/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © pa

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