Nickerchen im Maisfeld nutzte nichts

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Wasserburg - Kein Bett im Kornfeld, sondern eine Feldstraße am Maisfeld suchte sich ein Autofahrer (40) für sein Nickerchen. Ein Schläfchen mit Folgen...

Kein Bett im Kornfeld, sondern eine Feldstraße am Maisfeld, an der Gemeindeverbindungsstraße zwischen Streifl und Kolbing, hatte sich ein 40-jähriger EDV-Techniker aus dem Raum Wasserburg im September des vergangenen Jahres für sein Nickerchen ausgesucht

Im Auto am Maisfeld wurde der 40-Jährige gegen 5 Uhr von der Polizei vorgefunden. Kurz vorher war einer Passantin auf ihrem Weg nach Rosenheim das Fahrzeug mit den stark beschlagenen Scheiben aufgefallen. Da es bei ihrer Rückfahrt, rund eine Stunde später, immer noch am Straßenrand stand, nahm die Frau das Auto kurz in Augenschein und, als sie niemanden entdecken konnte, informierte anschließend von zuhause aus die Polizei.

Als die Streife rund eine Viertelstunde später eintraf, fanden die Beamten das Auto in geänderter Position mit laufendem Motor und Abblendlicht auf der Feldstraße hinter dem Maisfeld vor. Wie es dort hingekommen war, dazu wollte der Computerfachmann nun vor dem Amtsgericht Wasserburg keine Angaben machen.

Dort musste er sich wegen des Verdachts der fahrlässigen Trunkenheit im Verkehr verantworten, nachdem er Einspruch gegen einen Strafbefehl über 70 Tagessätze zu je 40 Euro eingelegt hatte. Die Verteidigung widersprach darin der Verwertung der Blutentnahme, die eine mittlere Blutalkoholkonzentration von 2,48 Promille ergeben hatte, weil sie ohne richterliche Anordnung erfolgt sei. Laut Vorgabe des Bundesverfassungsgerichts hätte dies individuell begründet werden müssen oder die Polizeibeamten hätten bis 6 Uhr mit der Blutentnahme warten müssen, um sich vorher eine richterliche Anordnung zu besorgen, kritisierte die Verteidigung.

Zudem sei es nicht auszuschließen, dass der Angeklagte zu dieser Stelle gebracht worden sei und auch das Umparken in den Feldweg hätte von einer anderen Person erfolgen können. Dem widersprach die Aussage des Polizeibeamten, der am Fundort des Wagens weit und breit keine anderen Personen entdeckt hatte.

Bei der Fahrzeugkontrolle habe der Angeklagte stark nach Alkohol gerochen und seine Reaktionen seien deutlich verlangsamt gewesen. Dabei habe sich der Mann kooperativ gezeigt und einem Alkoholtest zugestimmt. Der habe eine Atemalkoholkonzentration von 0,78 Milligramm - das entspricht 1,56 Promille - ergeben, sagte der Beamte vor Gericht. Daraufhin habe man die Blutentnahme veranlasst. Laut einer Anordnung des leitenden Oberstaatsanwalts im Landgerichtsbezirk Traunstein sei die Polizei in der Zeit außerhalb des regulären Jourdienstes zwischen 21 Uhr und 6 Uhr dazu ermächtigt. Im Streifenwagen habe der Angeklagte von sich aus erzählt, dass er bei Bekannten in Wasserburg gefeiert habe und dass es ein "großer Schmarrn" gewesen sei, heimzufahren.

Der vom Gericht bestellte Gutachter errechnete, je nach Trinkende, eine Blutalkoholkonzentration zwischen 3,4 und 2,28 Promille und stellte fest, dass der Angeklagte auf jeden Fall eine Menge vertrage, aber keine Alkoholabhängigkeit vorliege. Die starke Alkoholisierung und eine mögliche Übermüdung hätten die Steuerungsfähigkeit erheblich beeinträchtigt und eine verminderte Schuldfähigkeit sei nicht auszuschließen.

Gericht und Staatsanwaltschaft sahen den Tatnachweis erbracht und hielten an der Höhe des Strafbefehls fest. Zumal der Angeklagte auch zu seinen Einkommensverhältnissen keine Angaben machen wollte. Seinen eingezogenen Führerschein erhält der Angeklagte erst nach einer Sperrfrist von fünf Monaten wieder.

ca/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © pa

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