Predigt über Baudenkmäler und Ortsumgehungen

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Stimmbänder befeuchten und weiter ging's mit der Predigt: Bruder Christoph las den Obingern die Leviten.

Obing - Bruder Christoph alias Christoph Ober las beim Starkbierfest im Gasthof "Zur Post, beim John" den Großkopferten in und um Obing die Leviten.

Er hatte dabei besonders Baudenkmäler, Ortsumgehung und Gemeindefinanzen im Visier. Jeder Bürgermeister schaffe sich ein Baudenkmal, stellte Bruder Christoph fest. Beim Mayer Walter sei das das Frabertshamer Feuerwehrhäusl, beim Glasl Sepp das Parkdeck, das als Feuchtbiotop eher für Faschingsfeiern als zum Parken tauge. Aber "Hänschen Dick" wolle wohl ewig in Erinnerung bleiben, denn nach der neuen Grundschule, der Hauptschulsanierung und dem Obinger Feuerwehrhaus wolle er jetzt ein neues Rathaus. Doch die Finanzierung der neuen Residenz scheine ein wenig zu fuchsen, wollte Bruder Christoph gehört haben. Doch der Einsparungsvorschlag, die Gänge nicht so breit zu bauen, sei keine gute Idee: "Schmale Gänge und da Thurner - do hamma ausgred".

Die Gemeindefinanzen stimmten den Bruder nachdenklich, da der geplante Grundstücksverkauf im Bereich der Ortsumgehung wohl nicht so gut laufe und schon eine gute Marketingstrategie erfordere. Das Baugebiet könnte dann "Zur schönen Aussicht", "Lärm im Grünen" oder "CO2-Eck" heißen.

Die Umgehung komme ja wohl früher als gedacht und Waldbesitzer hätten schon gerodet, damit sich nicht noch ein Kiebitz einnisten könne. Laut Straßenbauamt müsse die Umgehung teilweise so hoch gebaut werden, weil der Grund, anders als die Obinger Burschen, nicht sickerfähig sei.

Aufpassen müsse man auf ein listiges Bergdorf namens Frabertsham. Die hätten eine eigene Feuerwehr, einen Wirt und eine Dorfladen, wo man alles außer Gammelfleisch bekomme und seit heuer werde dort auch wieder Theater gespielt. "Obacht, dass die ned a eigene Gmoa ausrufen", warnte der Bruder. Zumal der neue Besitzer in seiner Restauratorwerkstatt die hoffnungslosesten Fälle wieder auf Vordermann bringe und alte Weiber in junge hübsche Dirndl verwandle.

In diesem Zusammenhang ging Bruder Christoph auf die Obinger "Zwischendrin"-Schule ein. Das sei der bayerische Name für Mittel und treffe das Ganze viel besser, denn das Gebäude sei immer noch zwischen Ruine und Neubau, obwohl der Bürgermeister bereits vor einem Jahr die Fertigstellung verkündet habe.

Speziell sei auch der letztjährige Christbaum vor dem Rathaus gewesen: Weil die ursprüngliche Spitze dem Gemeindeoberhaupt nicht schön genug gewesen sei, sei der Tannengipfel kurzerhand abgeschnitten und durch eine Fichtenspitze ersetzt worden. "Also Obacht! Wenn unserem Gemeindefürst von einem der Kopf nicht passt, dann kann es dem den Kopf kosten."

Bruder Christoph legte seine Finger noch in weitere Gemeindewunden und bereitete damit den zahlreichen Starkbierfestbesuchern viel Vergnügen. Bürgermeister Hans Thurner sicherte schmunzelnd zu, dass der Fastenprediger seinen Kopf behalten wird.

ca/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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