Öko-Strom als Ziel

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Sonne, Wind und Wasserkraft: Das Innkraftwerk Wasserburg könnte Symbol sein dafür, wohin die Stadtwerke Wasserburg künftig bei der Stromerzeugung wollen.

Wasserburg - Steigt Deuschland aus dem Atomstrom aus? Was derzeit politisch heftig diskutiert wird, ist für die Stadtwerke Wasserburg keine Frage mehr. Der nächste Schritt in Richtung Öko-Strom ist dort schon gemacht.

Ab 1. April bieten die Stadtwerke im kompletten nördlichen Landkreis Rosenheim Strom an - und zwar zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien.

"Inn.Strom+ natur" heißt das Produkt, mit dem das Wasserburger Kommunalunternehmen nun im klassischen Eon-Netz um Kunden wirbt.

Und das Angebot stößt durchaus auf Interesse: Die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden hätten sehr positiv reagiert, so Werkleiter Kurt Fritsch. Einen ersten Vertrag gibt es auch schon, obwohl die Werbung in diesen Tagen erst anläuft. "Wir haben laufend Anfragen."

Es sei eine bewusste Entscheidung gewesen, den Schritt in die Nachbargemeinden ausschließlich mit Öko-Strom zu machen, so Fritsch im Werkausschuss - "und das schon Wochen vor den Ereignissen in Japan." Denn die Stadtwerke setzen für die Zukunft auf erneuerbare Energien.

In Wasserburg selbst kann Öko-Strom ja schon seit einigen Jahren bezogen werden. Er wird unter der Marke "InnStrom" vermarktet, gut zwölf Prozent der Kunden mit einem Sondervertrag hatten 2010 diesen Tarif gewählt, so die Stadtwerke, der Rest den "weiß-rot-Tarif". Die Ereignisse in Japan haben da noch nicht viel geändert: "Vier oder fünf Anfragen hat es in den letzten Tagen gegeben", so die kaufmännische Leiterin Brigitte Lex.

Unabhängig davon wollen die Stadtwerke zügig weiter Richtung Öko-Strom gehen. Bis 2013 sollte ein 100-prozentiger Einkauf erneuerbarer Energien erreicht werden - dieses Ziel hat sich die Stadt im Zuge des "Energiedialogs 2050" gesetzt. Dabei ging es ursprünglich gar nicht zuerst um den Atomstrom, sondern vor allem um den Klimaschutz.

Nun ist das Atom-Argument dazu gekommen. Derzeit werden 28 Prozent des Wasserburger "Graustroms" in Kernkraftwerken produziert, 38 Prozent kommen aus fossilen und 34 Prozent aus erneuerbaren Energieträgern. Der bundesdeutsche Schnitt ist 25 Prozent Kernkraft, 58 Prozent fossile Träger und 17 Prozent erneuerbare Energien.

Schon im Herbst dieses Jahres könnte es aber deutliche Verschiebungen Richtung Öko-Strom geben, so Kurt Fritsch: "Vielleicht erreichen wir unser Ziel schon vor 2013. Das kann schnell gehen. Auf alle Fälle werden wir den Öko-Anteil signifikant erhöhen."

Wobei Öko-Strom nicht gleich Öko-Strom ist. So drängte Christian Stadler von den Grünen im Werkausschuss darauf, den Strom von Anbietern einzukaufen, die ausschließlich erneuerbare Energiequellen nutzen. Denn bei den anderen Produzenten müsse man davon ausgehen, dass diese nur ihren Öko-Strom teurer vermarkten würden, und dafür im "normalen" Strommix der Anteil erneuerbarer Energien verringert werde: "Das ist nicht glaubwürdig."

Bürgermeister Michael Kölbl legte allerdings Wert auf die Feststellung, dass Strom, der in Wasserburg als "Öko" verkauft wird, auch wirklich ausschließlich aus entsprechenden Quellen komme. Dies sei durch ein Zertifikat des TÜV belegt.

Werkreferent Helmut Schedel wünschte sich eine aktuelle Werbekampagne für den Öko-Strom in der Stadt und mahnte: "Viele Leute schauen inzwischen genau auf die Qualität der Zertifikate."

Ohne dass dies im Werkausschuss ausgesprochen wurde: Für Wasserburg ist ziemlich klar, dass künftig auf alle Fälle ein großer Teil des Stroms aus dem Innkraftwerk vor Ort kommen wird. Schließlich haben die Stadtwerke letztes Jahr beim "Verbund" Anteile gekauft.

Karl Königbauer (Wasserburger Zeitung)

Quelle: rosenheim24.de

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